Ableitung (medizinisch) nennt man die Verminderung der Thätigkeit oder des Säftereichtums in einem Organ durch gleichzeitige Vermehrung der Thätigkeit oder des Säftezuflusses in einem andern Organ. Ein Schmerz, besonders ein rtuls bim System der Hautnerven erregter, dient als Ableiter von der Empfindung eines andern, dumpfern oder innerlichen Schmerzes. Auf dieser Beobachtung beruht zum Teil die Anwendung schmerzverursachender Mittel in der Heilkunde als Ableitungsmittel (Derivantia oder Attractiva), wozu namentlich die Hautreize (Epispastica) dienen: Senfteige und Senfspiritus, Blasenpflaster, das Brennen mit heißen oder glühenden Körpern, die Pocken- oder Pustelsalben u. dgl. Die meisten von diesen und andern sog. ableitenden Mitteln erregen aber auch in dem gewählten Ableitungsorgan (3. B. in der Haut) eine vermehrte Säfteanhäufung und infolge derselben dann Absonderungen, Ausschwitzungen, Eiterungen u. s. w. So die Blasenpflaster, die Fontanelle und Haarseile, das Jod, die! bführmittel, die Man Atan Schwitzmittel, die Blutentziehungen. Man glaubt, daß auf diese Weise innere Säfteanhäufungen, die Blutstockungen und Entzündungen entfernterer Teile zerteilt und ge9n werden können. Doch läßt sich dies schwer eweisen, obschon manches dafür spricht, z. B. das Aufhören des Durchfalls, wenn man schwitzt, die Linderung von Kopfschmerz durch 1½½. reizende Fußbäder oder hervorgerufene Menstruation. Fast alle ärztlichen Schulen unterscheiden die Anwendung obiger Mittel als eine besondere Heilmethode, die ableitende Methode (Methodus derivans oder antagonistica). Wenn auch in der neuern Zeit die Anwendung der Ableitungsmittel eine wefentliche Einschränkung erfahren hat, so zählen doch einzelne derselben noch immer zu den bewährtesten und wirksamsten Heilmitteln.