FeedAbsentismus
AllerleiBrockhaus 1882

Absentismus (engl. Absenteeism, von absent, abwesend), ein in Bezug auf die traurigen Verhältnisse in Muefe gebildetes Wort, das die regelmäßige Abwesenheit der dortigen großen Grundbesitzer von ihren Gütern bezeichnet. Man hat in dieser Abwesenheit einen Hauptgrund der Verarmung und Verwilderung des irischen Volks gesehen und namentlich geltend gemacht, daß dem Lande die großen Geldsummen entzogen werden, welche die Grundherren auswärts verzehren. Diese Ansicht ist zwar, unbedingt hingestellt, nicht stichhaltig, denn die Produzenten eines Landes sind für ihre Existenz auf ihr eigenes Einkommen, nicht aber auf das abwesender Mitbürger angewiesen. Allein die Sache stellt sich anders, wenn, wie in Bydens die Abwesenden die Besitzer fast des ganzen Bodens sind, in ihnen, statt in zahlreichen Mittelklassen, sich das stehende Kapital und der Wohlstand des Landes konzentriert, und 60 Proz. der Agrikulturfamilien auf kleinste Parzellenpachtung und eine Zwergwirtschaft angewiesen bleiben, die kaum mehr das um Leben Notwendigste abwirft. Bei solchen Zusänden wird durch die Abwesenheit der Grund-Ends die normale Verteilung des Kapitals volends unmöglich gemacht. Auch der Mangel jeder ersönlichen gemeinnützigen Wirksamkeit seitens der bwesenden ist ein nicht gering anzuschlagendes übel. Die Vermittelung ötmost den Grundherren und den Pächtern bleibt meist fremden Agenten überlassen, die für Land und Volk kein Herz Prinz und deren Interesse nur dahin geht, für ihren rinzipal soviel als möglich herauszupressen (Folterrenten) und daneben sich selbst bereichern. Man hat zur Beseitigung des irischen A. gezwungene Residenz der Grundherren oder 290 Belastung der Abwesenden (Absentees) mit einer besondern Steuer (Absenzgelder) vorgeschlagen. Das eine würde ein harter Eingriff in die persönliche Freiheit sein, das andere wenig helfen, beides aber den Wert des irischen Grundbesitzes herabdrücken. Die Güterverkäufe 40 Grund des «Encumbered Estates Acty (1849) haben den Zweck, die Bildung einer ansässigen Klasse kleiner und mittlerer Grundbesitzer zu erleichtern, nicht erreicht, vielmehr die Zahl der auswärtigen Besitzer noch vermehrt, da die Käufer ganz überwiegend Engländer und Schotten waren. Die in der neuesten Zeit stattfindende agrarische Bewegung und die mit derselben verbundenen Mordthaten können natürlich das übel nur verschlimmern. Überhaupt ist der A. Irlands nicht ein vereinzeltes Übel, sondern eine Folge des unglücklichen Gesamtzustandes, der nur durch tief einschneidende wirtschaftliche und soziale Reformen gebessert werden kann. (S. Irland.) Absicht, s. Intention. Absinth (Absinthium) bezeichnet in der Botanik eine Unterabteilung der Gattung Artemisia (s. d.), in der ärztlichen und Volkssprache aber eine Art derselben, den gemeinen Wermut (Artemisia Absinthium L.; Absinthium officinale Nees). Dieses an Hecken, Wegen, Flußufern und auf steinigen Bergen von Nordafrika, durch 4 Europa und Nordasien verbreitete, auch u ultivierte und verwildert (auf Kirchhöfen, an Mauern u. s. w.) vorkommende Kraut besitzt einen aufrechten, 60 120 em hohen nun uug Stengel, graue fiederspaltige Blätter und fast kugelige, nickende, gelbe Blüten, und hat einen stark aromatischen Geruch und einen brennend gewürzhaften, äußerst bittern Geschmack, namentlich die Blätter, welche als Herba Absinthii, und die blütentragenden AÄstchen, die unter dem Namen Summitates Absinthii offizinell sind (ätherisches Sl, Bitterstoff Absinthin, Atbin Wer-Gerbsäure). Der Bitterstoff (Absinthin, Wermutbitter) und das ätherische Ol sind sehr heilkräftig, weshalb der Wermut als magenstärkendes und wurmwidriges Mittel in der Medizin in verschiedenen Formen (Ol, Extrakt, Tinktur u. s. w.) gebraucht, auch zu verschiedenen zusammengesetzten Arzneien verwendet wird. Bekannt ist ferner die Verwendung der Pflanze zu dem unter dem Namen Extrait d'absinthe verkauften Liqueur (unter Zusatz von Anis), wozu aber auch noch andere in den Alpen wachsende Arten der Gattung Artemisia, z. B. Artemisia Mutellina, glacialis, rupestris, spicata, welche von den Bewohnern der piemont. und südschweiz. Alpen Genippi genannt werden und als Herba Genippi albi offizinell sind, verwendet werden. Der Liqueur selbst wird, meist mit Wasser vermischt, beionders in Frankreich zur Belebung des Appetits genossen. Ahnliche Verwendung wie der gemeine Wermut findet der röhober (Artemisia pontica), ein kleiner, 30—45 em hoher Halbstrauch, welcher ebenfalls in Südeuropa, aber auch hier und da in Süd⸗ und Mitteldeutschland wild erpfla und nicht selten in Küchengärten und als Zierpflanze kultiviert wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 72Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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