FeedAceton
NaturlehreBrockhaus 1882

Aceton, eine organische Verbindung, welche namentlich bei der trockenen Destillation von essigsaurem Kalk, Baryt oder Blei entsteht, sowie sich auch unter den Produkten der trockenen Destillation des Holzes und vieler anderer organischer Substanzen findet; sie war bereits im 16. derest bekannt und wurde nacheinander als brenzlicher Essiggeist, Brenzdrat, Dimethylketon bezeichnet. Seine Zusammensetzung, welche der Formel C. HeO onDume wurde von Liebig, seine Molekulargröße von Dumas, seine Konstitution von Williamson ermittelt. Außer unter den Produkten der trockenen Destillation findet sich A. auch im Harn der an Diabetes mellitus leidenden Patienten, wie von Petters, Kaulich und Betz . in eim n und von Alsberg bestätigt ist. Das A. ist eine wasserhelle, sehr bewegliche, brennbare Flüssigkeit von eigentümlich ätherischem Geruch, von 0, spezifischem Gewicht bei 18* C., siedet bei 56 C., Dampfdichte 2,02. Leicht entzündlich, löslich in Wasser, Alkohol' und Ather, löst Fette, Harze, Schießbaumwolle. Gegen wässerige Alkalien und verdünnte Säuren verhält das A. sich indifferent, dagegen geht es eine Verbindung mit saurem schwefligsauren Natron, sowie mit den entsprechenden Kalium⸗, Ammonium-Verbindungen und sauren schwefligsauren Alkaloiden ein. Zur Darstellung des A. erhitzt man essigsauren Kalk in einer eisernen, mit Kühlvorrichtung versehenen Retorte allmählich zur Rotglut und erhält bei dieser Temperatur, bis nichts mehr über 2 Das Destillat filtriert man durch ein nasses Filter, um theerige Zersetzungsprodukte zu entfernen, schüttelt dann mit einer koncentrierten Lösung von saurem schwefligsauren Natron, worauf die Flüssigkeit nach kurzer Zeit zu Krystallen erstarrt, die mit koncentrierter Lösung von saurem schwefligsauren Natron gewaschen, abgepreßt und dann nach Zusatz einer zur Neutralisation ausreichenden Menge von Natronlauge bei mäßiger Temperatur destilliert werden. Das wässerige Destillat wird durch Schütteln mit Chlorcalcium entwässert und dann rektifiziert. Durch geeignete Behandlung mit Chlor läßt sich dem A. ein Atom mieron h nach dem andern durch Chlor substituieren, sodaß es sechs verfunffach echlorte A. gibt. Bei Einwirkung von nffach Chlorrhosphor wird dem A. der Sauerstoff entzogen unter Bildung von Chloraceton C.H& Cla. Oxydierende Substanzen, wie Chromsäure in wässeriger Lösung, verwandeln das A. in Essigsäure und Ameisensäure. Bringt man in wässerige Acetonlösung Natriumamalgam, so entsteht unter Bindung des nascierenden Wasserstoffs Is uer Lüsualuun. Mit Ammoniak verbindet sich A. unter Abspaltung der Elemente des Wassers zu drei stickstoffhaltigen Basen: Diacetonamin C HIINO, Triacetonamin C HINO und Dehydrotriacetonamin Ce HIs N. Bei der Einwirkung koncentrierter Schwefelsäure entstehen mehrere Kondensationsprodukte, so Mesityloxyd CeIII50, Phoron CeHI O und Mesitylen HI2. Letzterer Kohlenwasserstoff ist dreifach methyliertes Benzol, in seiner Bildung ist einer der wenigen übergangspunkte von den Verbindungen der sog. Fettsäurereihe zu denen der sog. aromatischen Reihe gegeben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 98Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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