FeedHippuritenkalke
NaturlehreBrockhaus 1882

Hippuritenkalke (Schrattenkalk, Sewenkalk) sind harte, zum Teil marmorartige Kalke, welche angefüllt sind e von den oft dicht nebeneinander stehenden dicken Schalen der Hippuriten oder Kudisten (Caprotina, Caprina, Radiolites, Hippurites, s. beistehende Abbildung). Es sind dies unserer lebenden Chama verwandte riesige Zweischaler, deren große, mit der Spitze aufgewachsene Schale kegelförmig, kuhhorn⸗ oder widderhornähnlich ge— staltet ist, während die kleinere kappen⸗ oder deckelartige Form be— sitzt. Diese Hippuriten und die nach ihnen benannten Kalksteine sind auf die Kreideformation und in ihr namentlich auf deren südl. Verbreitungszone winlen hies südl. Frankreich, Alpen) beschränkt und pielen hier eine ähnliche Rolle wie die Korallen durch Korallenbänke im Jura und in der Jetztzeit. Benzoyl-Glykochol, Pferdeharnsäure, Harnbenzossäure, Urinsäure organische Säure, welche, früher mit Benzoésäure verwechselt, von Liebig 1829 zuerst erkannt und studiert wurde. Sie findet sich als normaler Bestandteil im Harn der fleisch⸗ und flanzenfressenden Tiere und der Menschen. Im Harn der Menschen und der Fleischfresser kommt sie immer nur in geringer, jedoch mit der Art der Nahrung wechselnder Menge vor, weit reichlicher tritt sie im Harn der stoffe die Bildung der H. veranlassen, darüber fehlen noch genauere Kenntnisse; nur so viel ist sicher ermittelt, daß die schwerverdaulichen Stoffe an ihrer Entstehung beteiligt sind. Andererseits kann man künstlich auf eine vermehrte Produktion von H. einwirken. Fügt man der Nahrung Benzoeésäure, Zimtsäure, Chmasäure, oder einen Körper der Benzosscheden di oder Derivate der Benzoéêsäure zu, so cheiden die Tiere H. oder Derivate dieser Säure reichlich aus. Die Benzossäure vereint sich dabei, unter Abspaltung eines Moleküls Wasser, mit dem aus der Spaltung der in der Leber entstehenden Glykocholsäure hervorgehenden Glykochol. Man nahm früher an, diese Synthese der H. aus Glykochol und Benzoésäure erfolge im Kreislaufe des Blutes, neuere Untersuchungen berut jedoch erwiesen, daß die H. im Nierengewebe entsteht. Zur Darstellung der H. wählt man Harn von solchen Tieren, die reichliche Mengen von Cerealienstroh konsumiert haben, dampft denselben möglichst unmittelbar nach der Entleerung auf etwa ein Fünftel seines Volums ein und versetzt ihn mit einem reichlichen Überschuß von Salzsäure, wobei anfangs heftiges Aufbrausen von entweichender Kohlensäure eintritt. Nach 24 Stunden trennt man die in Kryder braun abgeschiedene H. durch Filtration von er braunen, stinkenden Flüssigkeit, wäscht mit möglichst kaltem Wasser, bis dies ungefärbt abläuft, und reinigt die Säure durch öfteres Umkrystallisieren aus kochendem Wasser, wobei man zweckmäßig, um den ihr stark anhängenden Harngeruch zu zerstören, Chlor in die siedende Flüssigkeit leitet. Triutt die Tiere ein an schwefelsaurem Kalk reiches Lrinkwasser erhalten, so kann die H. durch erhebliche Mengen von Gips verunreinigt sein. Die reine H. bildet große, wasserhelle Krystallnadeln, die schwer in kaltem, leicht in kochendem Wasser löslich sind, löslich auch in Alkohol, schwer löslich in Ather; sie schmilzt unzersetzt bei 187, C., in höherer Temperatur wird sie zerstört. Sie ist eine starke Säure, sie zersetzt kohlensaure Salze unter Austreibung der Kohlensäure. Bei anhaltendem Kochen mit konzentrierter Salzsäure oder mit einer Mischung von 1 Schwefelsäure und 2 Wasser wird sie unter Aufnahme von 1 Molekül Wasser Amir⸗ Ee 1 Molekül Benzoésäure und 1 Molekül mido-Essigsäure oder Glykochol. Die H. wird im Großen dargestellt und dient als Rohmaterial für die Fabrikation der Benzoesäure.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 256Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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