FeedAchenbach (Andr.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Achenbach (Andr.), hervorragender See⸗ und Landschaftsmaler, geb. 29. Sept. 1815 zu Kassel, kam früh nach Petersburg und 1823 nach Düsseldorf, wo seine Ausbildung zum Künstler begann, zumal seit 1826 unter W. Schadow. Bald konnte er unter Leitung dieses Meisters die reiche landschaftliche wiedergeben, ohn ohne die Poesie der Romantik, aber doch nicht ohne die der Naturwahrheit. Diese realistische Richtung war indes der mitn Oun Düsseldorfer Schule fremd. A. geriet somit in Opposition zu Schadow und ging nach Holland, wo die Gewässer und Hafenstädte ihm eine neue Stoffwelt darboten. Im Sommer 1835 bereiste er auch Dänemark und Schweden und 1836 Tirol. Hierauf ließ er sich zu Don Hön nieder. Einige seiner Bilder wurden 1837 von König Ludwig angekauft. Nachdem A. 1838 Norwegen bereist, wandte er sich wieder nach Düsseldorf, wo er landschaftliche Gemälde der verschiedensten Art schuf. In der Nachbildung nordischer Naturformen und Beleuchtungen bereits als Meister ersten Ranges bekannt, reiste er im Herbst w1843 nach Italien, um auch den Süden in den Kreis seiner Darstellungen aufzunehmen. Seine ersten hier entstandenen Bilder waren der AÄtna, von Agosta aus gesehen, und das Innere eines Waldes. achdem der Künstler in Italien zum Katholizismus übergetreten war, kehrte er 1846 1 die uordif zurück. A. umfaßt mit gleichem Glück die nordische und die südl. Natur, sowie alle Jahres- und Tageszeiten, die großartigsten Scenerien und die einfache idyllische Landschaft. Er ist kein lyrisches Gemüt, vielmehr tritt Uberall bei ihm die Objektivität hervor. Nur durch die seltene Macht seiner Technik kann man die große Menge seiner von aller Manier freigehaltenen und stets mit gleichem Fleiße ausgeführten Bilder erklären. In der Neuen Pinakothek zu München befinden sich von ihm: ein Seesturm an der dung Küste, die Pontinischen Sümpfe, die Strandung eines Schiffs; im Städelschen Beshe zu Frankfurt: Pernau an der Ostsee; im Besitze des Kaisers von Rußland: ein Winterbild; in der Galerie von Karlsruhe: der Untergang des Schiffes Präsidento zwischen Eisbergen; in der städtischen Galerie zu Düsseldorf: Hardangerfjord bei Bergen; im Museum zu Philadelphia: die Cyklopenfelsen (eine große Marine); im Besitze des Königs der Belgier: ein Seesturm; in der Nationalgalerie in Berlin: eine waldige Sumpflandschaft, sowie eins seiner Hauptwerke: Strand von Ostende im Gewitter. Außer dem Pinsel handhabt A. mit großem Geschick die Radiernadel, und man findet ihn in Reinicks „Liederbucho sowie in vielen andern derartigen Publikationen düsseldorfer Künstler vertreten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 103Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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