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ReligionBrockhaus 1882

Adalbert, Erzbischof von Hamburg und Bremen, aus dem alten sächs. Geschlechte der Grafen von Wettin, einer der hervorragendsten Kirchenfürsten des 11. Jahrh., ward Propst in Halberstadt und erhielt 1045 durch den ihm befreundeten Kaiser Heinrich III. den seit 847 vereinigten Bischofssitz von Hamburg und Bremen, dessen Sprengel sich über ganz Skandinavien und die Slawen des Nordens erstreckte. A. begleitete Heinrich III. auf dessen Römerzuge und sollte nach des Kaisers Absicht den äpstl. Stuhl besteigen, was er jedoch ablehnte. Papst Leo IX. ernannte ihn 1053 zum Legaten im Norden. Der Aufschwung, den das junge Christentum im Norden nahm, die Gunst des kaiserl. Freundes und der Antrieb seiner eigenen glänzenden und aufs Hohe gerichteten Persönlichkeit ließen in ihm den kühnen Gedanken aufkommen, auf solcher So günnt ein nordisches Patriarchat zu gründen. So günstig ihm auch anfangs die Verhältnisse in Dänemark, Norwegen und Schweden waren und ebenso der Umstand, daß über die Wenden an der Ostsee ein eifriger Christ, Fürst Gottschalk, gebot, scheiterte doch dieser große Plan, dessen Uusführung röm.⸗ A die Unabhängigkeit der deutschen von der röm. Kirche herbeigeführt haben würde, an dem feindlichen Auftreten des neuen norweg. Königs Harold gegen den Erzbischof, an dem Streben nach kirchlicher as A2 C. in den andern nordischen Reichen und an A.s eigenen Verwickelungen in deutsche Streitigkeiten nach dem Tode Kaiser Heinrichs III. Als 1063 der Erzbischof Anno von Köln zur Beilegung päpstl. Händel nach Rom ging, gelang es A., die Vormundschaft über den jungen König 2 IV. und die Führung der Reichsgeschäfte an sich zu reißen. Während er durch Schmeichelei und Befriedigung aller Wünsche den 14jährigen Fürsten persönlich an sich frund machte er denselben 1065 zu Worms wehrhaft und erklärte ihn auf solche Weise ughuhren Er hoffte nun um so sicherer die Regierung führen zu können, aber die Erzbischöfe von Mainz und Köln, verbunden mit andern Reichsfürsten, brachten es 1066 zu Tribur dahin, daß der Günstling den Hof meiden und die Reichsgeschäfte niederlegen mußte. Zugleich fielen die sächs. Billunger verwüstend in sein Gebiet ein, während die Wenden das Christentum wieder vollständig abschüttelten, Gottschalk töteten und Hamburg in Asche legten. Doch schon 1069 kehrte A. an den kaiserl. Hof zurück und war bald wieder im Besitze seiner Macht. Von den Großen gehaßt, starb er 16. März 1072 zu Goslar, als zwischen Heinrich und den Sachsen der Krieg ausbrechen sollte, zu dem A.s Ratschläge viel dazu beigetragen hatten. Vgl. Grünhagen, «A., Erzbischof von Hamburgo (Lpz. 1854); Dehio, 4Gescht te des Erzbistums Hamburg-Bremen bis zum Ausgange der Mission⸗ (2 Bde., Berl. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 125Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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