Agnes, Gräfin von Orlamünde, die Weiße Frau, soll in den Schlössern der Hohenzollern vor dem Eintritt verhängnisvoller Familienereignisse, namentlich von Todesfällen, als Gespenst erscheinen und dadurch das bevorstehende Ereignis andeuten. Der Sage nach stammte A. aus dem herzogl. Geschlechte von Meran und war die Gemahlin des Grafen Otto von Orlamünde, dem sie in der Ehe zwei Kinder gebar. Nach dem 1293 erfolgten Tode des Gatten trat sie in ein Liebesverhältnis zu Albrecht dem Schönen (gest. 1361), Bur nasen von Nürnberg, und lebte mit ihm auf der Plassenburg bei Kulmbach. Dessen Außerung, daß er ein Ehebündnis mit ihr nicht eingehen könne, solange diesem vier Augen entgegenständen, bezog A. auf ihre beiden Kinder und ermordete dieselben, während Albrecht seine Eltern gemeint hatte, die in die Ehe nicht willigen wollten. Nach der Frevelthat wandte hch Albrecht mit Rem von der Geliebten; diese pilgerte dann nach Rom, übte harte Bußwerke und stiftete das Kloster zu Himmelskron unweit Berneck ch Oberfranken). Sie starb zu Hof in Gefangenchaft und wurde in der Klosterkirche zu Himmelskron F. den von ihr gemordeten Kindern und Albrecht dem Schönen selbst begraben. Dieser Sage entsprechen jedoch keineswegs histor. Thatsachen. Die Gemahlin jenes Grafen Otto von Orlamünde ehörte zwar dem BDeate der Herzoge von eran an, hieß aber Beatrix und konnte schon darum nicht die Geliebte Albrechts des Schönen sein, weil sie die Schwester seiner Großmutter war. Eine andere Gräfin von Orlamünde und Zeitgenossin Albrechts war Kunigunde, Landgräfin von Leuchtenberg, Gemahlin des Grafen Otto V. von Orlamünde. Diese machte zwar 1342 eine Stiftung im Kloster zu Himmelskron, aber das Kloster bestand damals schon länger als ein halbes Jahrhundert, und außerdem war diese Gräfin ohne Kinder. Eine dritte, mit Albrecht gleichzeitige Gräfin von Orlamünde war die Witwe des Grafen von Orlamünde zu Berneck. Deren Kinder lebten aber erwiesenermaßen noch, als sich Albrecht der Schöne 1342 mit der Gräfin Sophia von Henneberg vermählte. Auch die Untersuchung der von der Sage bezeichneten Gräber im Kloster zu Himmelskron hat ergeben, daß weder A. noch ihre Kinder daselbst ruhen können. Albrecht aber liegt im Kloster Heilsbronn bei Ansbach begraben. Über Weiße um Teil mit dieser verwandte Sagen s. Weiße rau. Vgl. J. von Minutoli, „Die Weiße Frau. jJeschichtli e Prüfung der Sage und Beobachtung dieser Erscheinung seit 1486 bis auf die neueste Zeit v (Berl. 1850); Kraußhold, «Die me n Frau und der orlamündische Kindermord. Eine Revision der einschlagenden Dokumentey (Erlangen 1869).