Agnus Dei (lat.), d. i. Lamm Gottes, ist eine Benennung Jesu, die sich auf einen Ausspruch Johannes des Täufers gründet (Joh. 1, 29), in welchem Christus als das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt, bezeichnet wird. In der Liturgie der kath. Kirche führt den Namen Agnus Dei ein Gebet, welches seit Ende des 6. —4 auf Anordnung des Papstes Gregor d. Gr., vom Priester während der Messe kurz vor der Kommunion gesprochen wird und in dreimaliger Wiederholung der Worte besteht: KAgnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobiso (O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser!), jedoch so, daß bei der dritten Wiederholung die Schlußworte miserere nobis in da nobis pacem v (schenke uns den Frieden) verwandelt werden. Bei der musikalischen Messe oder dem Hochamte bleibt der Vortrag des Agnus Dei dem Sängerchor überlassen und bildet in derselben den letzten oder sechsten Satz, wie denn auch der Ausdruck Agnus Dei selbst zur Bezeichnung dieses Teils der Messe als eines besondern Tonstücks gebraucht wird. — Ferner führen den Namen Agnus Dei auch die Lammbilder, welche Alchrundem meda vorstellen, insbesondere die länglichrunen, me aillonähnlichen Plättchen aus Wachs von geweihten Osterkerzen, aus Oblatenteig oder auch aus Silber und Gold, die auf der einen Seite das Lamm mit dem Kreuze oder dem heil. Johannes, auf der andern das Bild eines Heiligen zeigen. Später hielt man sich nicht mehr streng an die Lammesbilder, sondern stellte auch andere religiöse Motive dar, der Name jedoch blieb. Früher wurden diese „Gotteslämmchen» vom Archidiakon und seit dem 14. Jahrh. vom Papste im ersten Jahre seiner Regierung und dann in jedem siebenten Jahre, in der Zeit vom Osterdienstage bis zum Freitage, unter besondern Ceremonien geweiht und am ersten Sonntage nach Ostern an vornehme Personen verteilt. 0 der alten christl. Kirche erhielten die, welche sich taufen ließen, ein kleines Bild aus Wachs, welches ein kreuztragendes Lamm vorstellte und als Amulet etragen wurde. Christus, der gute Hirto, ein Lamm tragend, findet sich häufig in den Bildern der röm. Katakomben. Das Lamm allein mit einem Kreuz in den Vorderfüßen (das eigentliche Agnus Dei) erscheint seit dem 6. Jahrh. in Fresken, Kelchbildern u. s. w. — In der griech. Kirche nennt man Agnus Dei oder Potiriokalymma (d. i. Kelchdecke) das Tuch, welches beim Abendmahl den Kelch deckt. Es trägt das Bild des Lammes und gilt als Sinnbild des Schweißtuches Christi.