Agöun (grch.; Plur. Agönes) hieß bei den Griechen jeder Kampf oder Wettstreit; vorzugsweise aber verstand man unter Agönes Wettkämpfe und Kampfspiele, welche bei religiösen und polit. Feierlichkeiten stattfanden. Schon das heroische Zeitalter kennt solche Kampfspiele. Vor Troja ergötzen sich die Hellenen an gymnischen Wettübungen und feiern die in der Schlacht Gefallenen durch Kampfspiele, wie z. B. den Patroklos. In der histor. Zeit beging fast jede bedeutendere griech. Stadt ihre regelmäßig wiederkehrenden Kampfspiele, deren Ursprung meist mit dem nationalen Mythus verknüpft war. Seit dem 8. Jahrh. v. Chr. bildeten sich in Griechenland vier solcher Kampfspiele zu wahren ie Pythihen aus: die Olympischen (seit 776), die Pythischen (seit 586), die Isthmischen (seit 582) und die Nemeischen (seit 573). Außer Übung der körperlichen Kräfte und Stärkung des kriegerischen Mutes bezweckten dieselben vor allem die Pflege des hellenischen Nationalgefühls. Nur Hellenen, ohne Unterschied des Wohnorts, waren zur Teilnahme berechtigt, alle Barbaren, d. h. Nichthellenen, waren streng ausgeschlossen. Die Sieger (Hieroniken) in den großen nationalen A. wurden hoch henn zn und ihr Ruhm in Siegesgesängen (Epinikien) und Werken der plastischen Kunst gerhertlicht. Die Olympien und Pythien wurden von vier zu vier Jahren, die Isthmischen und Nemeischen Spiele alle zwei Jahre gefeiert. Der Hauptsache nach bestanden dieselben in gymnastischen Wettkämpfen, wie Roß⸗ und Wagenrennen, Wettlauf (Dromos), Faustkampf (Pygme), Ringen (Pale), Faustkampf und Ringen vereinigt (Pankration), Springen (Halma), Diskos⸗ und Speerwerfen. Bei den Pythischen, Isthmischen und Nemeischen sowie vielen lokalen Lang un fanden auch musische A. statt in Musik, Gesang und Tanzkunst, wozu vor allem bei attischen Dionysosfesten Wettkämpfe in dramatischen Darstellungen kamen. Alle A. gingen nach einer vorgeschriebenen Kampfordnung vor sich, über deren Durchführung die Agonotheten (Hellanodiken in Olympia) zu wachen atten. Diesen kam auch die Schlichtung ausgerochener Zwistigkeiten, die Zuerkennung des Sieges und die Verteilung der Preise (Athla) zu. Die Preise bestanden entweder in Kränzen aus Oliven⸗, Lorbeer⸗ oder Eppichlaub und Eintragung der Namen in die öffentlichen Siegerverzeichnisse, oder in wertvollen Gegenständen oder Geldsummen. Seit der Zeit Alexanders d. Gr. verloren die großen Festspiele der Hellenen immer mehr ihre nationale Bedeutung. Die hellenische Agonistik breitete sich zwar nach allen Ländern aus, wohin griech. Kultur vorgedrungen, wie nach Kleinasien, Syrien und Agypten; aber sie nahm allmählich den Charakter einer gewerbmäßig betriebenen Kunst an, die mit der Zeit gewöhnlich von eigens für die Aufführung dramatischer, musikalischer, gymnischer Wettkämpfe gebildeten Genossenschaften geübt wurde. Derartige Kampfspiele (vielfach Olympische Spiele genannt), wenn auch meist mit großem Glanze, besonders in Kleinasien, e, Bate und allmählich auch in Rom eingebürgert, hatten keinen — ern Zweck mehr, sondern waren nur noch bloße Schauröm, Anif Als solche erhielten sie sich die ganze röm. Kaiserzeit hindurch, bis sie als Reste des Heidentums mit dem Beginn der Herrschaft des Christentums allmählich aufhörten. Die großen Olympien wurden 394 unter Theodosius definitiv aufgehoben. Vgl. Krause, «Gymnastik und Agonistik der Hellenen v (2 Bde., Lpz. 1841). ö Agöne heißt eine Linie, welche die Orte, deren magnetische Deklination gleich Null ist, verbindet (s. Magnetismus der Erde).