Agricöla (Joh.), eigentlich Sneider, nach seiner Vaterstadt auch Magister von Eisleben (Magister Islebius) und Joh. Eisleben genannt, einer der thätigsten und um die 7985.70. 4 der prot. Lehre verdientesten Theologen, geb. 20. pril 1492, seit 1515 in Wittenberg, schloß sich bald an Luther an, begleitete ihn 1519 zur Leipziger Disputation und ward 1525 nach Frankfurt a. M. gesandt, um auf Wunsch des dortigen Magistrats den prot. Gottesdienst dafelbst einzurichten. Nach seiner Rückkehr wurde er Lehrer und Pfarrer zu Eisleben und 1536 Professor zu Wittenberg, wo der schon früher von ihm begonnene antinomistische Streit mit Luther und Melanchthon zum Ausbruch kam. (S. Antinomismus.) Diese Händel trieben ihn 1538 nach Berlin, wo Kurfürst Joachim II. von Brandenburg ihn zum Hofprediger und Generalsuperintendenten ernannte. A. starb 22. Sept. 1566 zu Berlin, nachdem er für die Verbreitun der prot. Lehre in den brandenb. Landen vieltach thätig gewesen. Außer vielen theol. Schriften hinterließ er ein echtes Nationalwerk: (Die gemeinen deutschen Sprichwörter mit ihrer Auslegungv, welches zuerst niederdeutsch (Magdeb. 1528), kurz darauf hochdeutsch (Dreyhundert Gemeyner Sprichwörter v, Nürnb. 1529 u. öfter; später als „Siebenhundert und Fünfftzig Deutscher Sprichwörter »,‚ Hagenau 1534; Wittenb. 1582 u. öfter) erschien. Später gab A. noch eine zweite Sammlung: «Fünfhundert Gemainer Newer Teütscher Sprüchwörter » (o. O. 1548), heraus, die jedoch großenteils aus dem „Rennero entnommen sind. Patriotischer Sinn, kräftige Moral und kernhafte Sprache weisen diesen Sammlungen eine der ersten Stellen unter den deutschen Werken jener Zeit an. Vgl. Latendorf, A.s Sprichwörter, ihr hochdeutscher Ursprung und ihr Einfluß auf die deutschen und niederländ. Sammler“ (Schwerin 1862). Außerdem verfaßte A. einige Kirchenlieder und eine „Tragedia Johannes Huß » (Wittenb. 1538), übersetzte auch die Andriar des Terenz in Prosa (Berl. 1543 u. öfter). Ein vollständiges Verzeichnis von „A.s Schriften » gibt Kordes (Altona 1817). Vgl. Kawerau, Johann A. von Eislebeno (Berl. 1881).