FeedAgrippina (Vipsania)
GeschichteBrockhaus 1882

Agrippina (Vipsania), Tochter des M. Vipsanius Agrippa und der Cäcilia Attica, war die erste Gemahlin des röm. Kaisers Tiberius, der sich von ihr trennen mußte, um des Augustus Tochter Julia, die Witwe des Marcellus und des Agrippa, zu heiraten. — A., die zweite Tochter des M. Vipsanius Agrippa und der Julia, die Gemahlin des Germanicus (s. d.), begleitete ihren Gatten nach Germanien, wo sie besonders bei den Ereignissen der Naber 14 und 15 n. Chr. viel Mut und Seelengröße bekundete, und folgte ihm auch später nach dem Orient. Als derselbe hier auf Veranlassung des Kaisers Tiberius durch Gift seinen frühzeitigen Tod gefunden hatte (19), kehrte sie mit ihren Kindern nach Rom zurück. Hier verstand sie es rschi auch nur äußerlich ihren Stolz und ihre Herrschsucht zu zügeln, und gab so dem Verdachte Nahrung, daß sie strebe, ihren Söhnen zur Herrschaft zu verhelfen. Dem Kaiser und dessen Mutter Livia verhaßt, von Sejanus, dem Günstlinge des Tiberius, verdächtigt, wurde A. 30 n. Chr. nach der Insel Pandateria bei Neapel verbannt, wo sie 18. Okt. 33 den HantKaeitn starb, ob den. willig oder gezwungen, läßt Tacitus unentschieden. Von ihren Söhnen hatten Nero und Drusus (31 und 33) schon vorher auf dieselbe Weise ihr Ende gefunden, während ihr jüngster Sohn Caligula (37) auf den Kaiserthron gelangte. Vgl. Burkhard, „A., des M. Agrippa Tochter „ (Augsb. 1846). — Julia A., Tochter der Vorigen und des Germanicus, 16 n. Chr. in der Stadt der Ubier (Köln) am Rhein geboren, ward, kaum 12jährig, mit Domitius Ahenobarbus vermählt, welcher bald, nachdem sie ihm Nero, den eich m Kaiser, geboren hatte (37 n. Chr.), starb. Gleich ihren Schwestern Drusilla und Livilla lebte A. mit ihrem Bruder Caligula, außerdem aber auch mit Lepidus, dem Gatten der Drusilla, in verbrecherischem Umgange. Als sich letzterer in eine Verschwörung gegen Caligula verwickelt Phaft wurde A. mit der Livilla wegen Mitwissenschaft 40 nach den Pontischen Inseln bei Neapel verwiesen. Nach der Ermordung Caligulas (41) rief sie ihr Oheim Claudius zurück, und sie vermählte sich nun mit Passienus Crispus, den sie des reichen Erbes wegen nach wenigen Jahren aus dem Wege Heiasst haben soll. Als die berüchtigte Messalina 48 ihr Ende Kalser e bewirkte A. ihre Vermählung mit dem Kaiser Claudius, der hernach, unter Zurücsetzung seines eigenen Sohnes Britannicus, den Nero adoptieren und diesem 53 seine Tochter Octavia vermählen mußte. Als Gemahlin des Kaisers verlangte sie, Mitregentin nicht bloß thatsächlich zu sein, sondern auch öffentlich dafür zu gelten. 0 ihre Vaterstadt wurde auf ihr Verlangen eine Kolonie geführt und dieselbe nach ihr Colonia Agrippinensis (Köln) benannt. Als bei Claudius das Interesse Iun Britannicus wieder erwachte, auch der Einfluß des kaiserl. Günstlings Narcissus sie zu stürzen drohte, ließ A. 54 den alten Kaiser vergiften. Nachdem Nero mit Hpestt des Burrus und der Prätorianer den Thron bestiegen, regierte sie für ihren Sohn, wurde aber durch Burrus und Seneca, den Erzieher des Nero, bald verdrängt. Sie suchte zwar ihren Einfluß mit allen Mitteln wiederzugewinnen, Rzum Teil durch die Drohung Britannicus an „Neros Stelle zum Kaiser ausrufen zu lassen. Dies hatte aber die Ermordung des Britannicus und den völligen Bruch zwischen Sohn und Mutter zur Folge. Nachdem ein Versuch, letztere während einer Wasserfahrt umkommen zu lassen, mißlungen, wurde sie auf Befehl des Nero von Soldaten 59 ermordet. Sowohl von der jüngern A. als blich von ihrer Mutter sind Statuen erhalten, namentli die berühmten sitzenden Statuen der ältern A. auf dem Kapitol in Rom, der jüngern in Villa Albani daselbst und zu Neapel. Vgl. Lehmann, «Claudius und seine Zeito» (Gotha 1858); Stahr, «A., die Mutter Neroso (Berl. 1867); Beulé, WLe sang de Germanicuso (Par. 1869; deutsch, Halle 1874); Schiller, «Geschichte des röm. Kaiserreichs unter der Regierung des Nero » (Berl. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 233Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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