Alamannen (von alah, d. i. Tempel, Götterhain, also Leute des Götterhainso, und nicht Alemannen), deutscher Volksstamm, so genannt, weil zu der Zeit, als sie unter dem Ramen Semnonen etwa in der heutigen Mark Brandenburg saßen, in ihrem Gebiete das Heiligtum des suevischen Stammes sich befand. Von dort scheinen die A., wohl unter dem Drucke der got. und slaw. Wanderungen im Nordosten, um 178 ausgewandert zu sein, und zwar gegen den Main hin, von wo sie die Aaer Larcza verdrängten, zu deren Gunsten der Kaiser Caracalla 213 von der Donau her einen vergeblichen 540 N machte. Bei dieser Gelegen-Kan werden die A. zum erstenmal genannt. Im ampfe gegen die Chatten besetzten sie weiter das ganze Mainland und überschritten im Kriege mit den Römern 256 auch den limes, d. h. die von der Donau bis zum Main bei Miltenberg sich hinzie-Zhut Schanzenlinie, welche das dahinterliegende Zehntland (agri decumates) decken sollte und von der sich bedeutende Reste fast auf der ganzen Strecke erhalten haben. (S. Teufelsmauer.) So dehnten sie sich zum Rheine hin aus, erschienen aber auch in Italien, wo sie 268 vom Kaiser Gallienus bei Mailand besiegt wurden. Dem Kaiser Probus gelang es sogar 277, den limes wiederherzustellen, zu dessen Schutze er eine förmliche Mi⸗ „litärgrenze einrichtete, aber die Wirren im Römischen Reiche ließen diese Einrichtung keinen Bestand gewinnen; die A. standen doch bald wieder am Rheine und griffen seit der Mitte des 4. Jahrh. auch über diesen hinüber. Damals gelangten sie aber noch nicht zum dauernden Besitze des Elsaß, denn sie wurden 357 von Julian in einer großen Schlacht bei Straßburg vollkommen besiegt; auch Kaiser Valentinian I. kämpfte mit Glück gegen sie auf dem rechten Ufer. Seit dem Anfange des 5. Jahrh. aber hörte der Rhein auf Grenze zu sein; als der große Völkersturm der Vandalen, Burgunder, Alanen u. s. w. über ihn wegbrauste, sind auch die A. überall hinübergegangen: ihre Helvetie Gaue, die Lentienser besetzten das östl. Helvetien, die westlichen das Elsaß; andere, die Juthungen, waren von jenem Völkerwirbel, der die A. durchbrach, mit nach Gallien geführt worden, wo Aätius sie 430 besiegte, aber sie anscheinend doch um Langres, Besancon und Salins dulden mußte. Die Verpflanzung der Burgunder von Worms in die Sapaudia (um Genf) öffnete den A. auch den Mittelrhein, mit massenhaften Ansiedelungen drangen sie auf beiden Seiten rasch abwärts bis nach Köln, ülich, Aachen. Damals hatte der alamannische tamm seine weiteste Ausdehnung; er verlor aber durch den Sieg des Frankenkönigs Chlodwig 496 sowohl seine Unabhängigkeit als auch jene neugewonnenen nördl. Gebiete, deren alamannische Bevölkerung wohl die sein mag, welche auswandernd sich unter den Schutz des Ostgoten Theodorich d. Gr. stellte und von diesem in Rhätien, zwischen Iller und Lech angesiedelt wurde, sodaß letzterer die Stammesgrenze zwischen A. und Bayern wurde. Auch aus dem Mainlande wurden die A. durch die fränk. he, wieder verdrängt. Die verschiedenen Versuche, welche die A. während der merovingischen Zeit machten, sich unter besondern Herzögen ihre Freiheit wieder zu erringen 945 keinen Er-Blat ihre Kraft wurde durch das fürchterliche lutbad, welches Pipin des Kleinen Bruder Karlmann bei Canstatt unter ihnen anrichtete, vollends Elas en. Der Vertrag zu Verdun 843, welcher lsaß dem lotharingischen Reiche zuwies, zerriß ihr Stammesgebiet, und erst bei der Auflösung der karolingischen Reiche erhoben sich bei den A. wieder Herzöge, welche das wieder erwachende Stammesefühl bezeichnen, zuerst gegen den Willen der deutschen Könige, dann wie die Herzöge der andern Stämme gleichsam als Beauftragte der Könige. Zu gleich festem Bestande wie z. B. bei Bayern ist aber das Herzogtum nie gelangt; es kam 1079 an die Staufen und erlosch mit dem letzten derselben, mit Konradin 1268, nachdem schon vorher die herzogl. Gewalt durch Verschleuderung der Amts- und Hausbesitzungen ihre wesentliche Unterlage eingebüßt hatte und eine Menge mächtiger Dynadort namentlich die Zähringer und Habsburger, dort 12 . gekommen waren. Übrigens haben sich die A. nie selbst so genannt, sondern stets Schwaben, deren Mundarten nicht dun 100 als alamannisch und schwäbisch unterschieden werden. Vgl. Haas, «Urzustände Alemannienso (Erlangen 1865); Bacmeister, «Alemann. Wanderungen » Stuttg. 1867); für die spätern Zeiten besonders Stälin, Wirtemb. Geschichte„ (4 Bde., Stuttg. 1841—73). Über alamann. Mundart und alamann. 910 s. Deutsche Mundarten und