Hunnen, ein asiat. Volk, das unter Anführung Balamirs nach Besiegung der Alanen mit diesen vereint 375 den Don überschritt, das got. Reich Ermanarichs zertrümmerte und damit in die ahendländ. Geschichte eintrat. dn viele Stämme eingeteilt, die in großer Unabhängigkeit voneinander lebten, nahmen sie vorerst die Ebenen zwischen der Wolga und Donau ein. Später ward die Theißebene der Mittelpunkt ihrer Herrschaft. Schon 395 unternahmen sie große Raubzüge in Asien, vom Kaukasus bis nach Syrien. In Europa war uerst Thrazien ihren Verheerungen ausgesetzt, wo Iunn. Scharen unter Uldin, einem ihrer Fürsten bis in die Nähe von Konstantinopel schweiften. Die Zeit von 433—454, unter der Regierung Attilas (f. d.), bildete die Glanzperiode der hunn. Macht. Unter Attilas gewaltigem Scepter waren außer den ugrischen Stämmen auch die Akatziren oder die Vorfahren der Chasaren, welche türk. Abkunft, die slaw. und ein großer Teil der german. Völker vereinigt. Nach Attilas Tode, 454, erhob sich Streit zwischen seinen Söhnen. Die unterworfenen Völker befreiten sich, voran die Gepiden, gegen welche Ellak fiel, derjenige von Attilas Söhnen, dem dieser die Herrschaft Lens wurt hatte. Das Land an der Donau und Theiß wurde hierauf von den H. geräumt, die sich über den Pruth und Dnjepr zurückzogen, wo sie wieder unter einzelnen Fürsten standen. Einer von diesen, Dintzic oder Dengizich, Attilas Sohn, fand den Tod um 468 gegen die Ostgoten, und damit verschwindet der Name des hunn. Reichs. In röm. Kriegsdienste kommen hunn. Scharen noch in dem Heere vor, das Narses gegen die Ostgoten hrte. Das Volk selbst erscheint nun unter dem amen der Kuturguren oder Kutriguren westlich und der Uturguren oder Utriguren östlich vom Don, von denen namentlich die erstern im 6. Jahrh. dem Oströmischen Reiche durch ihre Einfälle furchtbar waren. Sie scheinen identisch zu sein mit den Bulgaren, welche sich nach dem Abzuge der Ostgoten im Römischen Reiche festsetzten und im Laufe der Zeit slawisiert sind. Über die Nationalität der H. herrschen verschiedene Ansichten. Während Deguignes und Neumann dieselben für die Hjong-nu (s. d.) der chines. Schriftsteller und demnach für mongol. Stammes halten, erklären sie andere, wie Klaproth, für Finnen im allgemeinen und somit auch für die Vorfahren der Magyaren im besondern. Nach A. Thierry vereinigte die hunn. Herrschaft mit finn. Völkern im Westen und türkisch-tatarischen im Osten auch einen herrschenden mongol. Stamm. Die ungar. Tradition, welche in den H. geradezu die Vorfahren der Magyaren findet, ist wahrs cheinlich erstim 12. Jahrh. durch die Einflüsse der deutschen Heldensage, insbesondere der Nibelungen, entstanden. Da die H. aus den Gegenden zwischen dem Ural und Irtysch kamen, in denen von jeher ugrische Völker wohnten, so war wohl der Grundstock derselben auch ugrischen (finnischen) Stammes. Damit ist jedoch noch nicht erwiesen „daß die ebenfalls zur ugrischen Völkergruppe gehörigen Magyaren die direkten Abkömmlinge der H. sind; denn wie noch jetzt, so gab es auch schon früher mehrere ugrische Völker. Vgl. Deguignes, (Ulistoire genérale des Huns, des Turcs, etc.o (3 Bde., Par. 1756—58); Neumann, Die Völker des südl. Rußlando (Lpz. 1847); Cassel, KMagyar. Altertümerv (Berl. 1848); A. Thierry, Histoire d'Attila et de ses suecesseurs (4. Aufl., Par. 1874; deutsch von Burckhardt, 4. Ausg., 2 Bde., Lpz. 1874).