FeedAlkäli
NaturlehreBrockhaus 1882

Alkäli nannten die Araber das in der Asche der See⸗ und Strandpflanzen vorkommende kohlensaure Natron, welches lange Zeit mit dem in der Asche der Landpflanzen sich findenden A., dem kohlensauren Kali, für identisch gehalten wurde, bis man im 18. Jahrh. die beiden Körper unterschied und erstern Mineral-Alkali, letztern Pflanzen-Alkali nannte. Später unterschied man mildes A., d. i. kohlensaures, und ätzendes oder kaustisches. Auch dem kohlensauren Ammoniak wurde der Name A. beigelegt, dieser jedoch bald von den fixen A. als flüchtiges A. unterschieden. In der heutigen anorganischen Chemie heißen A. das Kali (Kaliumoxyd), das Natron (Natriumoxyd), das Rubidion (Rubidiumoxyd), das Cäsion (Cäsiumoxyd) und das Ammoniumoxyd. Zuweilen rechnet man das Thalliumoxyd zu den A. Die Oxyde des Calciums, Strontiums, Bariums und Magnesiums nennt man alkalische Erden. Die in gewissen Pflanzen sich findenden lrahe A. pder.2 Verbindungen nennt man vegetabilische A. oder Alkaloide (s. d.). Die A. sind charakterisiert durch ihre Löslichkeit in Wasser, durch die ätzenden, d. h. auf Pflanzen⸗ und Tierstoffe zerstörend wirkenden Eigenschaften ihrer wässerigen Lösungen, durch 422 eigentümlichen scharfen Geschmack, durch U ähigkeit, mit Säuren sich zu Salzen zu verbinden, von denen die meisten in Wasser löslich sind, durch ihre Eigenschaft, mit Slen und Fetten unter Freiwerden von Glycerin Seifen zu bilden, endlich durch die als alkalische Reaktion bezeichnete Einwirkung, die sie auf zahlreiche Pflanzenfarbstoffe zeigen; so bläuen die A. gerötetes Lackmuspapier, bräunen Curcumatinktur und grünen den Veilchensirup. Die A. finden sich in der Natur in großer Menge teils in fester Gestalt in vielen Mineralien, namentlich als Silikate in Doppelverbindungen mit eigentlichen Erden oder Metalloxyden und alkalischen Erden, teils als Salze, Sulfate, Carbonate, Chloride gelöst in Gewässern und Quellen und spielen im Haushalte der Natur eine wichtige Rolle.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 422Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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