Almosenier (frz. aumönier, engl. almoner), eigentlich eleemosynarius, aus dem grch. Worte εnuα⁰ονννn (d. i. Barmherzigkeit, daraus deutsch Almosen, frz. aumöne), heißt ursprünglich derjenige Ordensgeistliche, welcher die Almosengelder zu verwalten hat. Es führen diesen Namen aber auch diejenigen geistlichen Würdenträger, welche an Höfen der Könige und Fürsten sowie in der Umgebung der Prälaten und anderer hochgestellter Personen das Almosenpflegeramt bekleiden. In Frankreich wurde die Würde eines Großalmoseniers (Grand-Aumönier de France) von König Franz I. eingeführt. Derselbe galt gewissermaßen als das Haupt der ganzen Landesgeistlichkeit und als einer der höchsten Beamten des Hofs und des Reichs. Gewöhnlich war die Würde mit dem Kardinalshut verbunden. Der Großalmosenier war kraft seiner Würde Komtur des Ordens vom Heiligen Geiste, selb die Oberaufsicht über den Klerus und fertigte selbst den Erzbischöfen und Bischöfen, nachdem sie dem König den Eid der Treue auf das Evangelium geleistet, die Bestätigung hierüber aus. Er selbst legte den Eid persönlich in die Hand des Königs ab. Während des Gottesdienstes saß er dem Könige zur Rechten, war Obervorsteher des großen Blindenhospitals in Paris, Beichtvater des königl. Hauses und verrichtete als solcher an hohen Festtagen das Gebet an der königl. Tafel, taufte die Prinzen u. s. w. Die berühmtesten und einflußreichsten Großalmo-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. seniers in Frankreich waren Pierre d' Ailly, Jean La Balue, Jacques Amyot, Richelieu (der Bruder des berühmten Kardinals und Ministers), der hatte von Rohan. Die Königin und die Prinzen atten außerdem ihre besondern A., die meist Bischöfe des Reichs waren. Die Revolution hob zwar die Würde 11 doch stellte sie Napoleon 1804 wieder her und verlieh sie seinem Oheim, dem Kardinal Fesch. Unter Ludwig Philipp gab es keinen Träger dieser Würde. Im Hofstaate Napoleons III. kam jedoch die letztere wieder zur Geltung. Unter den fränk. Königen führte der A. den Titel Apocrisiarius (s. d.). Außerdem waren in Frankreich auch den Regimentern und den Kriegsschiffen Aumöniers beigegeben, welche von dem Großalmosenier, der deshalb auch den Titel véque des armées führte, ernannt und beaufsichtigt wurden. In England ist die Würde eines Hereditary Grand Almoner eine bloße Sinekure. Der Lord High Almoner, dessen Würde gewöhnlich mit dem Bistum Oxford vereinigt ist, gehört zu den obersten helich zweit hat aber weiter nichts zu thun, als jährlich zweimal die Queen's bounty zu verteilen, d. h. ebenso vielen Armen als die Königin Jahre zählt, je einen Silberpenny zu überreichen. Am päpstl. Hofe wird stets ein Monsignore (Prälat) zum Geheimen A. ernannt.