FeedAltranstädt
ErdkundeBrockhaus 1882

Altranstädt, Pfarrdorf in der preuß. Provinz Sachsen, Kreis Merseburg, berühmt durch den rieden, den Karl XII. dort mit August II., dem tarken, Kurfürsten von Sachsen und König von Polen, abschloß (24. Sept. 1706); dann durch den Vertrag, zu dem Karl XII. Gsterreich 31. Aug. 1707 nötigte. Um August II., der im Nordischen Kriege (s. d.) als Verbündeter der Russen gegen Karl XII. in Polen kämpfte, zum Abmarsch und Friedensschluß zu nötigen, drang letzterer in Sachsen ein, das er furchtbar brandschatzte. Seinen Zweck erreichte er vollkommen. Am 24. Sept. 1706 bewilligten die Bevollmächtigten Augusts II. sämtliche Forderungen Karls, die in dem Verzicht des erstern auf den poln. Thron und der Anerkennung seines Nebenbuhlers Stanislaus Leszezynski sowie in der Auslieferung Patkuls (s. d.) an das schwed. Blutgericht gipfelten. Der Einmarsch Karls XII. in Sachsen war aber zugleich ein Schlag gegen den Kaiser Josef I. Im Westen durch den Spanischen Erbfolgekrieg beschäftigt, im Osten durch den ungar. Aufstand und das Drohen eines neuen Türkenkrieges geängstigt, war der Kaiser durch den Einmarsch Karls, der das schles. Gebiet durchbrochen hatte, in die drückendste Verlegenheit versetzt und sah sich nach langen Verhandlungen zu dem Vertrage von A. 31. Aug. 1707 genötigt, der Schweden gewisse Vorrechte für seine Reichsstandschaft und den schles. Protestanten Duldung und Gewissensfreiheit, zum Teil auch die Restitution des kirchlichen Besitzstandes von 1648 gewährte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 506Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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