FeedAmalgamation
NaturlehreBrockhaus 1882

Amalgamation wird derjenige Hüttenprozeß genannt, bei welchem die Extraktion des Silbers und Goldes aus Erzen und Hüttenprodukten durch Quecksilber erfolgt. Man unterscheidet die amerikanische oder Haufen-Amalgamation und die europäische oder Fässer-Amalgamation. Die Haufen-Amalgamation, 1557 von Bartolomé de Medina in Mexico eingeführt, besteht darin, daß die zu amalgamierenden Erze, nachdem sie zuvor auf Naßmühlen sehr fein gemahlen und noch feucht im Amalgamierhofe (Patio) in Haufen (Montones) von 15— 30 Ctr. aufgestürzt worden sind, erst je nach ihrer Reichhaltigkeit mit 2—20 Proz. Kochsalz (Chlornatrium), sodann mit 1—6 Proz. Magistral, einem Indrfchlie von geröstetem Kupfer⸗ und Schwefelkies, und schließlich mit Quecksilber von Tieren oder Menschen durchtreten (tituriert) werden. Die schwefelsauren Salze von Kupfer und Eisen im Magistral werden durch das Kochsalz in die entsprechenden Chloride umgesetzt, während schwefelsaures Natron entsteht; — und Eisenchlorid verwandeln das metallische und teilweise auch vererzte Silber in den Erzen zu Chlorsilber, welches wieder mal-Quecksilber reduziert wird und mit diesem Amalam bildet. Diese Art der Amalgambildung eignet sich für Gegenden, wo hohe und gleichmäßige atmosphärische Wärme den Zersetzungsprozeß begünstigt und die Beschaffung von Maschinen, Brennmaterial u. s. w. zu kostbar ist. Getrennt von den Erzrückständen und weiter verarbeitet wird das Amalga auf ähnliche Weise bei der Fässer-Amalgamation, die im 18. Iahah von Born in Europa eingeführt wurde. Bei derselben erfolgt die für beide Methoden notwendige Chlorsilber2 bildung durch — ssNHC das Rösten der standteile. Erstere Metalle verunreinigen das Silberamalgam und veranlassen ein zu geringes Silberausbringen, die kiesigen Bestandteile aber befördern die Chlorsilberbildung und müssen, wenn es dem Erze daran mangelt, durch 8591.0 von Schwefelkies oder Rohstein ersetzt werden. Die gerösteten und chlorierten Erze werden auf Naßmühlen sehr fein gemahlen und sodann angequickt, d. h. in rotierenden Fässern mit Wasser, Eisenstückchen und Quecksilber zusammengemengt. (Die obenstehende Abbildung stellt in Fig. 1 den Längen⸗, in Fig. 2 den Querdurchschnitt dieser Fässer dar: a Quickfaß, b Fülltrichter, s Füll⸗ und Entleemetalliche G g Triebrad.) Hierbei wird durch das metallische Eisen, unter Bildung von Eisenchlorid das Chlorsilber zu Metall reduziert, welches si mit dem Quecksilber zu Amalgam legiert. Das er-Naser Amalgam wird nach dem Entleeren der Fässer und dem Entfernen der Erzrückstände von dem überschüssigen Quecksilber dur ressen befreit und in Retorten oder sog. Tellerapparaten, d. h. unter einer eisernen Glocke terras enförmig übereinandergestellten eisernen Tellern, ausgeglüht, wobei Silber in Kuchen⸗ oder Tellerform zurückbleibt, Tellersilber oder Ausglühmetall genannt, und das abdestillierte Quecksilber unter Wasser aufgefangen wird. Die Zoedererr20 der Schmelzprozesse, die Entdeckung besserer Methoden, Erze auf nassem Wege zu verarbeiten, hat in Europa die A., welche namentlich auf dem Amalgamierwerk der Halsbrückner Hütten bei Freiberg in großartiger Weise betrieben wurde, verdrängt, während man in Mittel⸗ und Südamerika die Haufen-Amalgamation als einen für dortige klimatische und andere Verhältnisse passenden Prozeß noch zur Silbergewinnung anwendet. Golderze werden ohne vorherige Rostung amalgamiert, indem man die Erze sehr fein Rallt. und mit Quecksilber versetzt, welches das metallische Gold auflöst und mit ihm Amalgam bildet, das wie das Silberamalgam weiter verarbeitet wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 516Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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