FeedAngriff und Verteidigung
GeschichteBrockhaus 1882

Angriff und Verteidigung, Offensive und Defensive, sind die beiden Hauptprinzipien der Kriegführun und können sowohl im strategischen wie im taktischen Sinne gemeint sein. Der Angriff sucht den Gegner auf, die Verteidigung wartet denselben ab; ersterer hat die Weln Dien d. h. die Freiheit des Anfangens im Handeln, die letztere dagegen läßt sich vom Gegner ihr Verhalten vorschreiben. Jene Freiheit bezieht sich nicht nur auf den Angriffspunkt, sondern auch auf die Zeit des Angriffs und die Verwendung der Streitkräfte zu demselben. 1 sich somiend das Moment der Üüberraschung für 1 owie die Möglichkeit, durch Scheinmaßregeln den Gegner zu täuschen und zu fehlerhaften Handlungen zu veranlassen. Der Verteidiger, welcher den Angriff stehenden Fußes erwartet, muß allerwärts und zu jeder Zeit auf den Angriff gefaßt sein, ohne die Absichten des Angreifers durchschauen zu können. Die Notwendigkeit, sich in größerer Ausdehnung zu decken, führt zu einer Zersplitterung der Streitkräfte seitens des Verteidigers, wogegen der Angreifer die seinigen auf den Angriffspunkt konzentrieren kann. In dem Vorgehen des Angreifers liegt eine Anregung, eine Stärkung des moralischen Elements, während die abwartende Haltung des Verteidigers etwas Ermüdendes, Abspannendes, das moralische Element Herabdrückendes in sich schließt. Taktisch wird naturgemäß derjenige zur Offensive oder zum angriffsweisen Verfahren greifen, der sich seiner numerischen, materiellen, moralischen, oft auch nur intellektuellen Überlegenheit bewußt ist, während die abwartende Haltung, die Defensive, durch das Gefühl der eigenen, oft nur vorübergehenden Inferiorität diktiert wird. Doch sind auch der Volkscharakter, die geschichtliche überlieferung, wie nicht minder die Individualität des Führers hier schon häufig ausschlaggebend Demarne Völker sanguinischen Temperaments haen eine angeborene Neigung zur Offensive (Franzosen), chenio ührer von großer geistiger Kapazität; Schwerfälligkeit im Denken und Handeln weist mehr auf defensives Verhalten hin. Die Stoßtaktik der Osterreicher im Deutschen Kriege 1866 war mehr Ausfluß der überlegung als des Naturells, während in der preuß. Amee die Neigung zur Offensive eine traditionelle genannt werden kann. Bei den Griechen und Römern stand die Offensive im besondern Ansehen; grundsätzliche Defensive galt Meien für entehrend, während der Orientale die eigung für letztere schon in der Wahl der Waffen an den Tag legte. Die strategische Offensive sucht den Gegner in seinem eigenen Lande auf, sie vermag so überraschend aufzutreten, ihre überlegenheit an Einem Punkte geltend zu machen und nutzt die Hilfsquellen des feindlichen Landes zu ihren Gunsten aus, wohingegen der strategischen DefensivWe die genauere Kenntnis des Kriegstheaters, die Unterstützung des eigenen Volks, wie der festen Plätze, ein besseres Nachrichtenwesen und eine schnellere Heranschaffung des Ersatzes an Personal und Material zu gute kommen. Vorteil der strategischen Defensive ist endlich der Zeitgewinn, der die Verstärkung der Streitkräfte durch Neuformationen und Volksbewaffnung möglich macht. Im Gefecht (taktisch) vermag lediglich die Offensive entscheidende Resultate zu erzielen; eine reine Verteidigung kann nur die Abwehr der eigenen Niederlage oder Zeitgewinn als Resultat im Auge haben. Um wirklich eine Entscheidung zu bewirken, ist der Verteidiger genötigt, aus seiner defensiven Haltung herauszutreten und zum Gegenstoß überzugehen (aktive Verteidigung, als einzelner Akt Ausfall, d.). Dagegen kann die Verteidigung im Gefecht das Terrain zur Deckung und Erhöhung ihrer Waffenwirkung ausnutzen, sie alten (Wefenn elbe soar zu ihren Gunsten umzugestalten (Befestigungsunst). Sie vermag ihre Stellung so zu wählen, daß der Angreifer nur mit großem Verlust gegen dieselbe vorgehen kann, und hat den Vorteil eines ruhigen und erfolgreichen Gebrauchs der Feuerwaffe, der in der Offensive stets ein mangelhafter ist. Die wichtigsten Formen des Angriffs sind: Parallel- oder Fronta Sustil einseitig oder doppelt umfassender und keilförmiger Angriff. Der Frontalangriff setzt die Kräfte Verteidiemt geen die Perdchedenen Punkte der Verteidigungsfrönt an, während der umfassende Angriff den Gegner in der Front nur beschäftigt und den Hauptnachdruck 911 eine oder beide feindliche Flanken legt. Der keilförmige Angriff ersieht die Mitte der feindlichen Aufstellung als Angriffspunkt aus und wirkt gewissermaßen durchbrechend auf dieselbe. In Bezug auf die Wahl einer Verteidigungsstellung s. unter Stellung. Die gesteigerte Wirkung der heutigen jeniwe waffen kommt besonders der taktischen Defensive zu gute. Die Schwierigkeiten der taktischen Offensive im wirksamen Schußbereich des Verteidigers haben sich außerordentlich gesteigert und weisen mehr und mehr auf den umfassenden Angriff hin. In neuen taktischen Formen Gorungweites Vorgehen) sucht man, ebenso wie in der Ausnutzung der Terraingestaltung, das Vorgehen im feindlichen Feuer mit am Vena geringen Verlusten möglich zu machen. Im Verlauf eines Kriegs wie eines einzelnen Gefechts kann die Rolle des Angreifers wie des Verteidigers einem vielfachen Wechsel unterliegen. In der Feuerwaffe, insbesondere in der Artillerie, prägt sich mehr das defensive, in der blanken Waffe und in der Kavallerie mehr das offensive Element aus. Die Infanterie der Gegenwart repräsentiert eine Verschmelzung beider und ist daher die Hauptwaffe der gegenwärtigen Heere.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 655Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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