FeedApäthie
TierreichBrockhaus 1882

Apäthie (grch.) bezeichnet Mangel an Lebendigkeit sowohl des Gefühls, insbesondere der Affekte und Leidenschaften, als auch der körperlichen Be⸗ ů wegungen eines Individuums, daher Trägheit, Phlegma. Die A. kann ein kurzdauernder Zustand sein, eine vorübergehende sinnliche lichkeit für Eindrücke gewisser Art, z. B. sinnliche eize, in diesem Falle heißt sie besser Anästhesie; dieselbe ist aber auch oft in der natürlichen Disposition eines Menschen, in dem ursprünglich eit ber Grad von Empfänglichkeit oder Reizbarkeit überhaupt begründet und kann der Vorläufer der Melancholie (s. d.) sein. Wo Geistesstärke damit verbunden ist, hat dies Kant das 9, bei d. Phlegma» genannt, insofern der Mensch, bei dem es vorhanden, den Üübereilungen und Verblendungen dur Gemütsbewegungen minder ausgesetzt wird und hierdurch sich einer gewissen Freiheit von Affekten und Leidenschaften erfreut. Aus letzterm Grunde sahen die Stoiker die A. Ercdera rie Cuxie), d. h. die affektlose Ruhe und Unempfindlichkeit gegen alles, was nicht entweder böse oder gut ist, als das Ziel und die charakteri-d stische Eigenschaft des Weisen an, durch welche er seine Freiheit behaupte. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 748Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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