Apulien, ein Teil des alten Japygien, nach Japyx, dem Sohne des Dädalus, so genannt, umfaßte den südöstl. Teil Italiens bis zum Kap Santa Maria di Leuca und zugleich die äußerste Halbinsel (Calabrien. Hier wohnten in ältesten Zeiten drei verschiedene Völker: die Messapier oder Salentiner, die Peucetier und die Daunier oder Apuler; die Peucetier südlich bis an den Aufidus; die Daunier nördlich bis an den Garganus. Altlat. Sagen erzählen von einem Könige der Apuler, Daunus, der, aus Illyrien vertrieben, sich dort niederließ. Nach spätern Sagen gelangten auch die Helden des Trojanischen Kriegs auf ihren Irrfahrten nach Italien und mit diesen der Atoler Diomedes, der im Kriege mit den Messapiern von Daunus unterstützt wurde, dann aber um die Die m des Siegs betrogen und getötet ward. Die alten Namen hat nur die röm. Dichtkunst beibehalten. Doch dauert die Bezeichnung „Salentinischo noch heute in der „Gelehrtensprache für die Geschichte und Litteratur der altcalabr. Landschaften fort, während die „Sprache der vorgriech. Urbevölkerung ebendaselbst die messapische heißt. Der Gesamtname Apulia wurde überhaupt auf die ganze östl. Hälfte Süditaliens schon zur Zeit der Longobarden ausgedehnt, und der antike Begriff Calabria, womit das südl. Ende der Halbinsel bis zum Kap Leuca (Japygium Promontorium) bezeichnet wurde, ward auf die südwestliche oder Bruttische Halbinsel übertragen. Das eigentliche alte Calabrien bekam den Namen Terra d'Otranto (Hydruntum). Die Geschichte der Römer erwähnt als bedeutende Städte des Landes Arpi, Luceria und Canusium. Den Fluß Aufidus (Ofanto) hat Horaz, der zu Venusia (Venosa) in A. geboren war, verherrlicht. Der zweite Punische Krieg wurde jahrelang in A. geführt, und Cannã ward durch die Niederlage der Römer berühmt. 8 J. 1043 entrissen die Normannen dem oström. aisertum das Land, das nun deren Heerführer Robert Guiscard zum Herzogtum erhob. Von dem Sohne dieses Eroberers, Rüdiger (Roger) II., ward A. sodann, nebst Campanien und Calabrien, mit Sicilien zu einer Monarchie verbunden, deren Schicksale es seitdem geteilt 56 Ein Zweig des Normannenhauses herrschte als Grafengeschlecht in der Stadt Lecce. Tarent wurde später der Sitz eines mächtigen Fürstentums der Anjou. Gegenwärtig Sin der Name A. (Puglia) nur noch eine geogr. Region, ohne polit. Bedeutung, welche die Provinzen Bari, Foggia und Lecce umfaßt, die zusammen auf 22115 àEm (1878) 1522 782 C. lihe 2 Von diesen Provinzen ist Fochie das eigentliche Apulien im engsten Sinne des egriffs, merkwürdig durch die uralten Weidetriften, oder den Tavoliere (das Schachbrett) di Puglia, und durch die schönen Reste der Hohenstaufenschlösser. Der ganze Landstrich ist nur noch ein Schatten von dem, was er zur Zeit der griech. Kolonien, der Römerherrschaft, ja 183 unter den Normannen war. Seit der Entstehun es Königreichs Italien gehen Au diese vernachlässigten Landschaften einer bessern Zukunft entgegen. Selbst das wissenschaftliche Leben regt sich wieder, zumal in Lecce, wo ein Museum der Altertümer, eine öffentliche Bibliothek und eine Kommission vaterländischer Geschichte ge ründet worden sind. In neuerer Zeit ist A. dem Verkehr erschlossen worden durch die Bahn von Ancona nach Brindisi (kürzeste Orientroute), an die sich Fortnach Re nach Otranto und Taranto und von dort nach Reggio anschließen. Unter den Bewohnern herrscht Unwissenheit und Aberglaube, aber auch