Archidiakönus (grch.), eigentlich oberster oder Erzdiener, ein kirchlicher Titel, welcher ursprünglich nur den ersten unter den Diakonen (s. d.) an einer bischöfl. Kirche bezeichnete. Dieser erste Diakon erhielt aber schon im 5. Jahrh. nicht nur den Rang über die Presbyter, sondern erhob sich auch zum Vikar der Bilrchi in den Diözesen und auf den Konzilien. An die Archidiakonen kamen daher nach und nach die Gexs Heitt der bischöfl. Gerichtsbarkeit, die Aufsicht über Geistlichkeit, Kirchen, Klöster und kirchliche Güter, das Visitationsrecht und in den abendl. Bistümern auch das Gericht über die Ketzer. Bis in das 9. Jahrh. blieben sie jedoch immer nur Stellvertreter der Bischöfe ohne persönliche Amtsgewalt. Allein die seit dem 8. Jahrh. aufgekommene Einteilung der Diözesen in mehrere kleinere Sprengel oder Archidiakonalbanne, denen sie vorgesetzt wurden, machten sie zu selbständigen Kirchenbeamten, die mit wenigen Ausnahmen die völlige bischöfl. Gewalt ausübten. Mehrere Synoden, wie eine unter Bonifaz 745 zu Lestines gehaltene, eiferten vergeblich dagegen. Im 11. und 12. Jahrh. waren die Archidiakonen als die einflußreichsten hrer Mas der Kirche anerkannt und auf dem Gipfel ihrer Macht. Durch die Errichtung ialenodere bischöfl. Gerichtshöfe unter eigenen Offizialen oder Generalvikarien suchten im 13. Jahrh. die Bischöfe das Ansehen der Archidiakonen wieder zu beschränken, und im 15. und 16. Jahrh. mußten letztere in den meisten Diözesen die Gerichtsbarkeit an die neuen Gerichtshöse abtreten. Im 18. Jahrh. findet man sie nur nochals Würdenträger in einigen Domkapiteln. Jetzt ist diese Würde, besonders wegen Rangstreitigkeiten mit den Dechanten und Pröpsten, in der röm.⸗kath. Kirche fast überall erloschen. In der griech. Kirche gab es schon seit dem 7. Jahrh. keine Archidiakonen mehr, außer einem einzigen am Kaiserhofe zu Konstantinopel. In der bischöfl. Kirche Englands sind sie noch jetzt die Stellvertreter der Bischöfe in 06 uuhven ven 2 ihrer Sprengel. In der prot. Kirche führen den Titel A. die zweiten Geistlichen an den Hauptkirchen der größern Städte.