Ardätow, Kreisstadt im europ.⸗russ. Gouvernement Simbirsk, am Flusse Alatyr, 162 km westlich von Simbirsk, hat ein Hospital, eine Schule, Talgschmelzereien, Gerbereien, Malzdörren, Pottaschefabrikation und zählt 5736 E. rdeb, ein dem Altertume entstammendes Getreidemaß mehrerer Gegenden des Orients, namentlich Agyptens. Der ägyptische A. zerfällt in 6 Auibeh oder Wehbih, der Auibeh in 2 Queleh oder 4 Rub oder Robba (Rob, Viertel), in Rosette aber in 12 Rub zu 4 D Hand⸗ doch ist der A. nicht in allen Provinzen und Handelsplätzen gleich. Gewöhnlich rechnet man nach dem A. von Alexandria, welcher 271 wenthält, während der von Kairo 179, der von Rosette 2841 entspricht. Der Rosette-A. Getreide, Mais, Bohnen u. s. w. wird an Gewicht zu 168 Oka (ungefähr 207½ kg), Saltn A. Reis zu 156 Oka (ungefähr 192/ kg), Salz zu 132 Oka (ungefähr 163 kg) gerechnet, der Damiette-A. an Reis zu 220—225 Oka (etwa 271¾—278 kg), der Kairo-A. an Weizen zu 100 Oka (etwa 123½ kg), an Gerste 91½ Oka (etwa 113 kg). Der A. von St.⸗Jean d'Acre in Syrien enthält an Gewicht 254½ kg. Auch in Abessinien ist ein A. von abweichender Größe gebräuchlich. * rdebil oder Erdebil, feste Stadt im nordöstl. Teile der pers. Provinz Aserbeidschan, an dem in den Aras mündenden Karasu und am Fuße des 4830 m hohen Savalanbergs, 1800 m hoch über der Meeresfläche gelegen. Die Blütezeit der Stadt fällt in die Regierung der Sefewidendynastie (fälschlich auch Sofis genannt). Der Ahnherr derselben, Scheich Sefi (gest. 1334) und der erste König dieser Familie, Schah Ismael (gest. 1523) haben hier Mausoleen. Olearius und Chardin schildern sie 1635 als eine der blühendsten Städte des damaligen Persien. Ihre Lage auf einer kühlen Hochebene, in einer fruchtbaren Umgebung von Obstgärten, Weingeländen, Ackerfluren und Wiesen, der Besitz von Mineralquellen hat sie jederzeit zu einem Lieblingsaufenthalte des pers. Hofs gemacht. Zu Anfang des 19. Jahrh. war sie der Sitz des Hoflagers des Prinzen Abbas Mirza, der sie damals unter Leitung des franz. Generals Gardanne nach europ. System befestigen ließ, um als Hanpirrebheben egen Rußland zu dienen. Wiederholte Erdbeben faben die Stadt in neuerer Zeit in Trümmer gelegt, doch schätzt Zwiedinek von Sydenhorst 1872 ihre Einwohnerzahl wieder 1 20000. Im russ.⸗ pers. Kriege (1826 —28) fiel sie den Russen in die Hände, ging aber, die schöne, nach Petersburg entführte Bibliothek ausgenommen, nach dem Frieden von Turkmantschai wieder in pers. Besitz über. Als Grenzstation der Handelsstraße von Täbris nach Lenkoran ist sie für den kaspischpers. Handel wichtig.