FeedAromatische
HeilkundeBrockhaus 1882

Aromatische Mittel nennt man diejenigen Arzneien, welche flüchtige, zumeist wohlriechende ätherische Hle enthalten Hauch als Gewürze benutzt werden und eine leicht erregende Wirkung auf die Nerven ausüben. Sie reizen, innerlich gereicht, zunächst die Geschmacks⸗ und Magennerven, befördern die Absonderung des Magensafts und regen die Magen⸗ und Darmbewegung an. Infolge dessen gelten sie als appetitmachende, verdauungsfördernde und blähungtreibende Mittel. Außerlich angewendet erregen sie die Hautnerven; auch kann ein Teil ihres flüchtigen öls von der Haut in das Blut aufgenommen werden. M größern Mengen genommen, können sie eine allgemeine Erregung des Blut⸗ und Nervensystems herbeiführen. Zu Inhalationen werden sie benutzt, um die Absonderung der Luftröhrenschleimhaut zu bethätigen. Bei leichten Störungen der Verdauung (Dyspepsie), bei Blähsucht (Flatulenz, s. Blähungen) u. s. w. werden sie in Form von Pulvern, Theeaufgüssen, spirituösen Tinkturen (Magenelixiren) u. s. w. benutzt. Bei Lähmungen und allgemeiner Nervenschwäche wendet man sie äußerlich als Einreibungen, und zu Umschlägen aromatische Wässer, spirituöse Auszüge sowie Abkochungen in Form von aromatischen Bädern an. Bei Oe der Luft⸗ und ScHlinawege, bei abnormer Schleimabsonderung im Kehlkopf und in der Luftröhre, bei Asthma durch Lungenemphysem werden Inhalationen mit aromatischen Mitteln in Dampfform verordnet. Man unterscheidet je nach der Wirkung milde und scharfe aromatische Mittel; bei letztern rührt die stärker reizende Wirkung meist von einem Alkaloid her, und die durch sie auf den Magen und Darm bewirkte Reizung kann sich bis zur Entzündung steiern. Eine andere Abteilung der aromatischen ittel bezeichnet man insbesondere als blähungtreibende (Carminativa), indem sie vorzugsweise die Bewegungen des Darms fördern; schließlich trennt man auch die Gruppe der bittern aromatischen Mittel ab, die man besonders bei Magen⸗ und Darmaffektionen, entstanden aus einfacher Dys-Nite für nützlich hält. Von den gromatischen itteln sind milde: Kamillen, Pfefferminze, Krauseminze, Lindenblüten, Flieder Rrammeit Rosmarin, Melisse, Dill, Quendel (Feldkü und die eigentlichen Gewürze: Gewürznelken, Neue Würze (Semina Amomi), Cardamomsamen, Zimt, Vanille, Muskatnuß u. s. w.; blähungtreibende: Fenchel⸗, Anis⸗, Kümmel⸗, Koriandersamen; bittere: Kalmus, Wermut, Nelkenwurzel, Kaskarille, Pomeranzen; auch der wurmtreibend wirkende Zittwersamen; scharfe: weißer und schwarzer Pfeffer, Spanischer und Cayennepfeffer, Kubebenpfeffer, Ingwer u. a. m. Die belie 140. zum Teil offizinellen, zum Teil als Volksmittel gebräuchlichen Präparate sind: aro matische Kräuter (Species aromaticae) aus einer Mischung des trockenen Krautes von Pfefferminze, Rosmarin, Quendel, Majoran, Lavendel u. s. w. bestehend; aromatischer Spiritus (auch Karmeliterspiritus sowie Schlagwasser genannt) aus Römischer Kamille, Pfefferminze, Ingwer, Pomeranzen, Kalmus, Muskatnuß u. s. w. mit Spiritus und Wasser destilliert; aromatisches Pulver aus Zimtkassie, Kardamom und Ingwer; aromatisches Wasser (auch Kinderhalsam genannt): Salbei, Rosmarin, Pfefferminze, Fenchel, Lavendel, Zimtkassie, ebenfalls mit Spiritus und Wasser destilliert; aromatische Bäder sind Aufgüsse aus Majoran, Pfefferminze, Kalmus, Feldkümmel; aromatisches Pflaster (auch Magenpflaster genannt) besteht aus Wachs und Terpentin mit ätherischen Blen und Harzen; aromatische Inhalationen sind Einatmungen von Dämpfen warmer Kamillen⸗,/ Flieder⸗ und ähnlicher Aufgüsse oder von Terpentin; auch gehört hierher die Einatmung der balsamischen Luft der Fichtenwälder.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 951Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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