FeedInkas hießen die Beherrscher
GeschichteBrockhaus 1882

Inkas hießen die Beherrscher, d. h. der herrschende Stamm Perus vor der Eroberung durch die Spanier. Die Urgeschichte dieses Landes ist ebenso dunkel als diejenige der Neuen Welt über-Bauw wo, wie Sagen und Trümmer großartiger auwerke beweisen, in unbekannter Vorzeit mächtige Völker gelebt und eine hohe Civilisation geherrscht haben muß, auf welche eine lange Periode der Verödung und der Verwilderung folgte. Zwi— schen die peruan. Wilden trat (um 1021, nach andern 949 oder 1100) plötzlich ein Conne man Manco Capac, der sich einen Sohn der Sonne nannte, ein Volk aus vereinzelten Stämmen bildete und einen Staat nach theokratischen Grundsätzen errichtete, der unter den Nachfolgern zum mächtigsten der historisch nachweisbaren der Neuen Welt anwuchs. Gegen vier Jahrhunderte bestand derselbe. Der 13. 9* Atahualpa, verlor Reich und Leben 1533 durch die span. Eroberer. So viel Unsicheres sich auch in der Geschichte eines Volks finden muß, welches mit dem Schreiben unbekannt war (man bediente sich nur der Knotenschnüre der sog. Quippos), sind doch die umständlichsten Nachrichten über Staatseinrichtungen und sittliche Zustände der Peruaner, wie sie zur Zeit der Eroberungen bestanden, durch span. Augenzeugen auf uns gekommen. Sie beweisen, daß die J. nicht allein als weltliche Herr— scher, sondern auch als Vertreter und Organe der Gottheit galten, die unbedingteste Unterwerfung verlangten, jedoch mit ebenso großer Güte als Staatsklugheit das Volk regierten, welches, in Kasten geordnet, völlig willenlos sich verhiel — Nur einer der 13 J. war ein eigentlicher Eroberer; die andern vergrößerten durch friedliche Unterjochung roher Volksstämme ihr Reich so, daß es zur Zeit seines Falls sich von Quito bis Chile ausdehnte. Die höchste Blüte hatte es unter Huayna-Capac, der 1475 -1525 regierte. Die Staatseinrichtung war sehr geregelt. Für öffentliche Bedürfnisse, für den Kultus, der die Menschenopfer verwarf, und für die Wehrhaftigkeit des Reichs war gesorgt. Noch sind die Trümmer gewaltig großer Magazine und Tempel übrig, und teilweise wird noch gegenwärtig die sog. Inkastraße benutzt, die sich über den Rücken der Andes durch fast 20 Breitengrade hinzog. Im Inkareiche wurden nur eine Sprache, die Hofsprache der Inka, unrichtigerweise Quichua (spr. Kitschua) genannt, und eine Religion geduldet. Der Unterdrückung war überall vorgebeugt; aber die Fürsten und der Adel, Orejones von den Spaniern genannt, verhielten sich stets als abgesonderte Kaste zum Volke und rechtfertigen hierdurch die Vermutung, daß sie die Nachkommen eines fremden erobernden Stammes gewesen sind. Der Ackerbau blühte, und ungeachtet des Mangels an eisernen Werkzeugen wurden viele Handwerke mit Erfolg geübt. Handel kannte man nicht, da jede Verbindung mit den ununterjochten Nachbarvölkern verboten war. Dennoch befand sich das Volk wohl, bis die Spanier erschienen und mit diesen Elend, Verwilderung und Entvölkerung über Peru hereinbrachen. Die Familie des letzten J. starb aus; jedoch leiten von Seitenzweigen derselben mehrere peruan. halbweiße Familien ihren Ursprung ab. Die umständlichsten, wenn auch nicht ganz zuverlässigen Nachrichten über die J. gaben die span. Eroberer selbst, wie Cieza, Balboa, Oliva und zumal Garcilaso de la Vega, welcher mütterlicherseits vom letzten J. abstammte. Vgl. Prescott, History of the conquest of Peru (3 Bde., Bost. 1847; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1848); Rivero und Tschudi, Antiguedades peruanas (Wien 1852); Wiener, «Essai sur les institutions politiques, religieuses, économiques et sociales de P'empire des Incas o (Par. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 604Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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