FeedBegräbnis
HeilkundeBau-Lexikon 1881

Begräbnis, n., 1. Bestattung, Beerdigung, f. frz. enterrement, m., inhumation, f., sépulture, f., engl. burial, interment, inhumation, sepulture. Die Bestattung der Todten hat bei gebildeten Völkern fast stets Anlaß zu Herstellung von Kunstwerken gegeben. Die Bestattung selbst ist sehr verschieden gewesen. Der gegenwärtig bei den meisten civilisirten Nationen eingeführte Gebrauch, die Leichen in die Erde einzugraben, ist nur dann für die Gesundheit der Lebenden ohne Nachtheil, wenn die Leiche (bei welcher der eingetretene Tod ärztlich festgestellt worden ist) aus der Wohnung fortgeschafft wird, sobald sie durch ihre Zersetzung Fäulnisquelle zu werden beginnt, und wenn das Wegschaffen so geordnet ist, daß den dabei beschäftigten Personen kein Schaden geschieht, daß nichts von der Leiche außerhalb des Grabes zurückbleibt, bes. nicht etwa ein Ansteckungsstoff, wenn eine ansteckende Krankheit die Todesursache war. Im Grab muß die Leiche so untergebracht sein, daß die Begräbnisstätte vor Ablauf der Fäulnis nicht geöffnet zu werden braucht (s. d. Art. Friedhof) u. daß keine Fäulnisgase in bemerkenswerther Menge dem Grab entströmen, noch Fäulnisprodukte dem Trinkwasser sich beimischen. Beides findet immer statt, wenn die Leichen in die Erde begraben werden, u. wird nur für gewöhnlich nicht beachtet oder nicht bemerkt, so lange die Beimengung nicht widerlichen Geruch u. Geschmack hervorruft, od. als Krankheitsursache wirkt. Da aber die Zersetzung durch Fäulnis für Menschen u. Thiere immer giftig ist, und bes. bei Epidemien als krankmachende Ursache wirkt, so ist unser heuti es Begräbnis gesundheitsgefährlich; wir sollten (vom Standpunkt der Gesundheitspflege) zurückkehren zum Gebrauch der Alten, d. h. entweder die Leichen einbalsamiren, was sich mit den Mitteln der heutigen Chemie außerordentlich leicht und billig ausführen ließe (durch Chlormetalle, Thonerdesalze, Theerprodukte), oder die Leichen verbrennen. Letzteres würde am einfachsten und zweckmäßigsten in den Anstalten für Gasbereitung stattfinden, woselbst sich aus dem in einer Retorte verkohlten und eingeäscherten Leichnam gutes Leuchtgas gewinnen ließe, während die übriggebliebene Asche für die Angehörigen ein Gegenstand der Beisetzung und Erinnerung sein könnte, ohne dabei die Gesundheit der Lebenden zu gefährden. Relm.] — 2. Begräbnis, frz. sépulerée, m, tombeau, m., engl. sépulchreé, grave. Ueber die künstlerische Behandlung der Grabstätte s. d. Art. Grabmal.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 323Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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