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NaturlehreBau-Lexikon 1881

Bering, m., s. v. w. Umkreis, während Befang, zwar auch für Umfang, zugleich aber für Flächeninhalt gilt. Verliner Blau, n., Preußisches Blau, Erlanger oder Pariser Blan, n., frz. bleu de Prusse, ferrocyanide m. de fer, engl. Prussian blue, blue prussiate, ferrocyanite 0f iron, auch Ferrocyaneisen, besser Eisenferrochanid gen., eine bekannte blaue Farbe, welche in sehr verschiedenen Nuancen mehr oder weniger rein im Handel vorkommt. Man unterscheidet daher: 1. Das reine Verliner Blau, im Handel meist Pariser Blau gen., ist eine Doppelverbindung von Eisencyanür mit Eisencyanid u. Wasser. Man erhält es, indem man zu einer Eisenoxydlösung (Eisenchlorid, salpetersaures Eisenoxyd etc.) gelbes Blutlaugensalz in Wasser gelöst allmählich zusetzt, so jedoch, daß die Eisenoxydlösung im Ueberschuß bleibt. Der tief dunkelblaue Niederschlag wird nach dem Absetzen durch Auswaschen mit Wasser Dlan u. dann getrocknet. Das auf diese Weise erhaltene Blau ist, wenn es an der Luft getrocknet wurde, W0. oder weniger dunkelblau, zwischen den Fingern leicht zerreiblich und in Wasser unlöslich, aber zu einem feinsten Schlamm gleichartig zu vertheilen. Der bei höl herer Temperatur (70 bis 80⁵) getrocknete blaue Niederschlag' stellt ein B. B. von tief dunkelblauer, fast schwarzer Farbe dar; es zeigt indigoartigen, kupferrothen Strich, ist sehr hart und giebt beim nnt aen ein dunkelblaues Pulver, welches sich in Wasser nicht mehr so gleichartig fein zertheilen läßt, wie das an der Luft Wetdorttett Blau. Im großen bedient man sich zu Darstellung des reinen Blau statt einer Eisenoxydlösung fast nur einer Lösung von Eisenvitriol (schwefelsaurem Eisenoxydul),in welcher durchtehen an der Luft das Eisenoxydul theilweise in Ordd übergegangen ist. Der Eisenvitriol muß kupferfrei sein, weil sonst das Blau durch Beimischung von braunem Ferrocyankupfer schmutzigen Ton annehmen würde. Von den vielen Methoden, welche zu Darstellung des reinen Blau angewendet werden, wollen wir nur eine kurz angeben. Man vermischt eine Lösung von 6 Mäßth eilen gelbem Blutlaugensalz in 15Th. Wasser mit einer kupferfreien Lösung von 6 Th. Eisenvitriol in 15 Th. Wasser u. setzt zu dem entstehenden bläulichweißen Niederschlag unter beständigem Umrühren ein Gemenge von 24 Th.rauchender Salzsäure u. 1 Th. konzentrirter Schwefelsäure. Man läßt den Niederschlag einige Zeit mit der fauren Flüssigkeit in Berührung und setzt dann zu dem Ganzen eine klare Auflösung von 1 Th. Chlorkalk in 80 Th. Wasser so lange hinzu, bis deutlich ein Geruch nach Chlorgas auftritt; der inzwischen dunkelblau gewordene Niederschlag wird, wie oben angegeben, gewaschen und getrocknet. Das reine B. B. ist unlöslich in Wasser, Alkohol und verdünnten Säuren. Konzentrirte Schwefelsäure löst es zu einer weißen, schleimigen Masse auf, aus der sich das B. B. beim Zumischen von Wasser unverändert niederschlägt. Von konzentrirter Salzsäure wirdeszersetzt. Aetzende od. kohlensaure Alkalien scheiden daraus Eisenoxyd aus und verwandeln es in eisenblausaures Alkali (gelbes Blutlaugensalz). Es muß ferner leicht sein, an der Zunge kleben, eine dunkelfeurige, reinblaue Farbe besitzen, sich in Wasser zu einer schönblauen Flüssigkeit aufschwemmen und leicht u stark abfärben; es darf, mit einer Säure übergossen, nicht aufbrausen, sonst ist ihm Kalk oder Kreide beigemengt, u. das Wasser, mit welchem es gekocht wird, nicht klebrig oder kleisterig machen, was eine Beimischung von Stärke anzeigen würde. Bes. das Pariser Blau od. das ohne Alaun bereitete B. B. zeichnetsich durch einen kupferrothen Glanz, gleich dem besten Indigo, aus. B. B. mit Weiß vermischt giebt eine, im Vergleich mit der mittels Ultramarin dargestellten, etwas grünliche Farbe; 90 Gewichtsth. Weiß, mit 1. Th. B. B. vermischt, geben eine himmelblaue Farbe; 200 Gewichtsth. Weiß und 1 Th. B. B. geben Azurblau. Dasselbe mit 15- bis 20fachem Gewicht Chromgelb versetzt, giebt prachtvolle grüne Farben, sogenannten grünen Zinnober, die aber wenig Dauer haben. Es verliert überhaupt sein Feuer sehr bald und wird dann grünlich- oder gräulichblau; die Alkalien, Kalk, Potasche, Natron verändern esin eine schmutziggelbe Farbe. Salpetrige Wände lassen das B. B. in sehr kurzer Zeit verschwinden. Dieses Blau, als Leim-und Oelfarbe angewendet, wird nach dem Abreiben so dunkel, daß es wie intensives Schwarz erscheint. Unter dem Läufer bildet es zähen, salbenartigen Teig u. behält diese Beschaffenheit auch nach dem Abreiben. Mit Oel abgerieben verdickt es sich, wenn man es eine Zeit lang aufbewahrt, und ist dann schwierig anzuwenden; rein mit Oel abgerieben, kann man es zu Darstellung eines Sammetschwarz benutzen, das sich selbst mit Schwarz nicht so schön darstellen läßt. Das Oel wird dabei durch das B. B. in Firniß (Siccativ) umgewandelt. Ein unwandelbares B. B. bekommt man durch langes Kochen dieser Farbe mit Salzsäure, wodurch man sie von allem Eisenoxyd reinigt, dessen gelbliche Farbe mit der Zeit dieses reiche Blau ins Grünliche überführt. Außer als Wasser u. Oelfarbe findet das B. B. bes. in der Kattundruckerei sowie zum Färben von Baumwolle, Seide, Wolle re. Anwendung. Gewöhnlich erzeugt man die Farbe in den Geweben re. selbst, indem man die Stoffe vorher in eine Eisenbeize bringt u. dann durch eine lauwarme, mit etwas Schwefelsäure eingesäuerte Lösung von gelbem Blutlaugensalz (Ferrocyankalium) zieht. 2. Das unreine Verliner Blau, Minueralblau, wird entweder aus dem reinen B. B. dargestellt, indem man demselben Thon, Schwerspat, Kreide, Gips etc. beimengt, meist zu dem Zweck, hellere Farbennuancen zu erzielen; oder man stellt von vornherein ein gleichartiges Gemenge von Thonerdehydrat mit B. B. dar, welches durch Fällung von Blutlaugensalz mit einer Lösung von Eisenvitriol u. Alaun erhalten wird. Ein dichteres Hellblau wird erhalten, indem man dem frischgefällten B. B. gemahlenen Schwerspat zusetzt. Es ist auch leicht, solche Beimengungen zu entdecken, da reines Pariser B. beim Verbrennen fast nur reines Eisenoxyd als Asche hinterlassen darf. 3. Berliner Blau, basisches und lösliches. a) Durch Vermischen einer Eisenoxydullösung mit einer Lösung von überschüssigem Blutlaugensalz erhält man einen bläulichweißen Niederschlag, welcher nach und nach an der Luft in eine dunkelblaue Verbindung von B. B. (Eisenferrocyanid) mit Eisenoxydhydrat übergeht. Wäscht man diesen blauen Niederschlag mit vielem Wasser, wodurch bes. das überschüssige Blutlaugensalz entfernt wird, so löst sich der blaue Rückstand in Wasser zu einer dunkelblauen Flüssigkeit. b) Eine dunkelblaue Lösung, welche aus einer Doppelverbindung von B. B. mit rothem Blutlaugensalz zusammengesetzt ist und das eigentliche lösliche Berliner Blan genannt wird, erhält man, indem man gelöstes Eisenoxydsalz mit einer Lösung von rothem Blutlaugensalz (wobei letzteres im Ueberschuß sein muß) vermischt. Diese beiden löslichen B. B. können nicht als Waschblau verwendet werden, weil sie durch Alkalien unter Ausscheidung von Eisenoxyd zersetzt werden. e) Das reine B. B. ist zwar in Wasser unlöslich, aber das frisch bereitete, noch feuchte B. B. kann in verdünnter Oxalsäure und in neutralem weinsauren Ammoniak in eine schön blaue Lösung verwandelt werden; diese Lösung wird als blaue Tinte benutzt. 6 Theile frisches feuchtes B. B. werden in eine Lösung von 6—8 Thian Oxalsäure in 240—300 Th. Wasser eingetragen; es entsteht dabei eine prächtige dunkelblaue Lösung. 4. Das sogen. Turnbull's Blau, ein etwas helleres, dem B. B.sehr ähnliches B., wird erhalten, wenn man zu einer Eisenoxydullösung (Eisenvitriol) eine Lösung von rothem Blutlaugensalz setzt. Dieses Blau ist wie das B. B.unlöslich in Wasser u. verdünnten Säuren. Vgl. Art. Antwerpener Blau, Blau, Eisenblau, Mineralblau etc. MN. Verliner Grün, u., frz. vert m. de Berlin, heißt eine grüne Verbindung, welche entsteht, wenn man eine Kobaltoxdullösung mit einer Lösung von gelbem Blutlaugensalz versetzt. Feucht ist die Verbindung hellgrün; getrocknet liefert sie ein dunkelgrünes Pulver. MI.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 347Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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