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Recht & StaatBrockhaus 1882

Artikel (vom lat. articulus, Gelenk, Glied) bezeichnet Uberhaupt soviel wie Stück, Teil eines gegliederten Ganzen; so z. B. die A. einer Schrift, eines Dokuments, des christl. Glaubens u. s. w. In der Rechtssprache heißen A. kurze, in eine gewisse Folgenreihe gebrachte Sätze, welche thatsächliche Behauptungen oder auf solche gerichtete Fragen enthalten, z. B. Beweisartikel im Civilprozeß, Inquisitionsartikel im Kriminalprozeß. In ber Grammatit heißen A. die in vielen Sprachen das Substantiv begleitenden kleinen pronominalen Worte, die den Begriff desselben auf ein Individuum beziehen, entweder ein bestimmtes und bekanntes (bestimmter A., der) oder ein unbestimmtes, unbekanntes (unbestimmter A., ein). Der bestimmte A. geht aus einem in Bedeutung und Nachdruck abgeschwächten Demonstrativpronomen hervor, wie im Deutschen edery auch jetzt noch im Sinne von «diesero gebraucht wird; der A. der roman. Sprachen, ital. il, frz. le, ist aus dem lat. ille (jener) entstanden. Der unbestimmte A. ist das Zahlwort für die Einzahl und in den Sprachen später aufgekommen als der bestimmte, das Griechische 3. B. hat ihn nicht. Die Stellung des A., ob vor oder nach dem Substantiv, ist selbst in nahe verwandten Sprachen verschieden, z. B. Deutsch und Englisch haben ihn vor demselben, die nordgerman. Dialekte führen ihn am Ende an, z. B. dänisch kong-en ader Königo, hus-et odas Hauso; während alle übrigen roman. Sprachen ihn voranstellen, her das Rumänische (Walachische) ihn am Ende, daher z. B. le moniteur, rum. monitoru-I. Von den beiden klassischen Sprachen hat nur das Griechische den A. und auch nur den bestimmten, das Latein kennt keinen A.; von den bekanntern europ. Sprachen haben die slaw. Dialekte mit Ausnahme des Bulgarischen regelmäßig weder bestimmten noch unbestimmten A. Der Ausdruck &Geschlechtswortv für A. erklärt sich aus dem Mißverstandnis, als sei der A. Zeichen des grammatischen Geschlechts, während dieses schon dem Substantiv inhäriert und der A. sich im Geschlechte nur nach dem letztern richtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 21Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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