FeedAsopus
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Asopus (grch. Aisopos) war den Griechen der Vertreter der Dichtung von Fabeln (s. d.0 überhaupt und gilt noch heute vielfach für den, welcher Aebider nube als eigene Gattung zuerst ausjebildet habe. Nach Herodot, Plutarch'u. a. lebte etwa im 6. Jahrh. v. Chr. als Zeitgenosse der Sieben Weisen. Er stammte nach den meisten aus Phrygien, diente auf Samos als Sklave, ward aber freigelassen und genoß angeblich zuletzt das Vertrauen des Königs Krösus von Lydien, der ihn als Gesandten nach Griechenland schickte, wo er jedoch von den Delphiern, die er beleidigt hatte, von einem u Crdichtungen, wi. ward. Mit solchen und andern Erdichtungen, wie der, daß er ein buckeliger Krüppel gewesen sei, ward A.' Leben immer mehr ausgeschmückt. Es ist aber überhaupt zweifelhaft, ob er +— gelebt hat. Jedenfalls wird anzunehmen sein, daß die ihm beigelegten Fabeln nicht von ihm selbst aufgezeichnet, sondern nur durch mündliche aton im ucph fortgepflanzt worden sind. Nach Platon im «Phädon » brachte Sokrates im Gefängnisse Asopische Fabeln in Verf e, und Aristophanes bringt A. und Fabeln von ihm wiederholt in seinen Komödien an. Die Redner bedienten sich derselben oft für ihre Zwecke. Wann die älteste unden i Sammlung der Asopischen Fabeln entstanden ist, weiß man nicht. Gewiß ist, daß Demetrius Phalereus eine Sammlung derselben veranstaltete, die jedoch verloren gegangen ist. Babrius (s. d.) brachte die Asopischen Fabeln in Eiuten Sos vermochte aber dadurch prosaisch abgefaßten Sammlungen nicht ein Ende zu machen; vielmehr wurden in zahlreichen spätern Bearbeitungen seine eigenen Verse wieder in Prosa aufgelöst. Man benutzte die Fabeln auch vielfach als Unterlage für die rhetorischen Übungen. 0 die Gegenwart sind verschiedene Sammlungen Äsopischer Fabeln gekommen. Zuerst erschien im Druck die dem Maximus Planudes beigeldhue, die sich in zwei Rezensionen erhalten hat, von denen die eine uerst von Buonaccorso (Bonus Accursius) zu ailand (um 1479), die andere von Rob. Stephanus (Par. 1546) herausgegeben wurde. Hierzu kam die Sammlung aus heidelberger Handschriften Hudson von Nevelet, Frankf. 1610), dann von udson (Oxf. 1718) und Hauptmann (Opz. 1741), zusammen mit der Planudischen. Eine neue Epoche für die Kritik 1453 Fabelsammlungen tritt mit der Veröffentlichung der Fabeln einer florentiner und einer vatikanischen Handschrift 740 Furia Bde., Flor. 1809) ein, welche 199 eln lieerten, von Schneider (Lpz. 1810) verbessert herausgegeben und von Korais in dessen Ausgabe Fabel 1810) aller bis dahin bekannten Äsopischen abeln aufgenommen wurden. Hierzu kam noch die Sammlung einer augsburger Handschrift, 231 Fabeln enthaltend, von welcher Schneider (Bresl. 1812) eine Ausgabe veranstaltete. Eine kritische Ausgabe aller bis jetzt bekannten Asopischen Fabeln soe Halm (Lpz. 1852) geliefert. über die Asopische Fabel bei den Römern s. —½½ Während des Mittelalters sind die Fabeln des A. Gemeingut aller abendländ. Litteraturen geworden. In Deutschland wurden sie nach der Mitte des 15. Jahrh. von Heinrich ben ff. in deutscher Prosa bearbeitet und mit den lat. Texten 5. 1476 sehr oft gedruckt. Eine freie deutsche Bearbeitung in Versen lieferte Burkard Waldis. Luther hat ebenfalls mehrere (16) Asopische Fabeln 1530) deutsch bearbeitet (neue Ausg., Tüb. 1817). berhaupt sind die +— des A. vielfach übersetzt, in Prosa wie in Versen, zuletzt von Binder (Stuttg. 1866), wozu in neuerer Zeit noch zahlreiche Übertragungen mit und ohne Bilder far die Jugend ekommen sind. Vgl. Grauert, „De Aesopo et abulis Aesopiciso (Bonn 1825); Keller, «Untersuchungen über die Geschichte der griech. Fabely in (Supplement, Bd. 4, O 1862). Die auf A. bezügliche und zur Fabeldichtung gehörige byzant. Litteratur wird von Eberhard in Fabulae Romanenses Graece conscriptaes (Bd. 1, Lpz. 1872) neu herausgegeben. „Asow, Azow, türk. Asak, Azak, ehemals wichtige Hafenstadt und Festung, jetzt Flecken (Possad) im uen „Gouvernement Jekaterinoslaw, am südlichsten Arme des Don, 11 km von der Mündung in das Asowsche Meer gelegen, hat 16 791 E. die hauptsächlich Fischfang und Kleinhandel treiben, da der Hafen jetzt versandet und nur für Boote zugänglich ist. Der Ort entspricht ungefähr der Stätte des alten Tanäis, einer Kolonie der bosporan. Griechen am Flusse Tanäis hadt war, es eine blühende und mächtige Handelsstadt war, die noch Strabo das gemeinsame Emporium aller europ. und asiat. Barbaren „ nennt und die, als sie sich der Herrschaft der bosporan. Könige entg, von und 2i olemo, dem weitgenoson des ugustus und Tiberius, zerstört wurde und unter gleichem Namen seit dem 2. Jahrh. n. Chr. am nördlichsten Arme wiedererstand, wo Überreste davon bei Nedwigowka, etwas über 7 km vom Meere, an dem sog. Toten Don (Mertwoi Donez), aufgefunden worden sind. Im Mittelalter erscheint in derselben Deltagegend ein anderer wichtiger Handelsplatz, welcher die Hauptstation auf dem Zuge der ind. Waren vom Kaspisee her bildete, das Sarkel der Chazaren (835 erbaut), bei en und Polowzern vom 10.—13. Jahrh. Bijelaweschie, das Tana oder Alatena der ital. Handelswelt, von 1204 bis 1261 während der Dauer des Lateinischen Kaisertums eine Besitzung der Venetianer, 1261—1471 den Genuesen gehorig. Dies Tana lag an der Stelle des jetzigen A. Unter dem Namen Azak kommt der Ort als Münzstätte der Chans der Goldenen Horde seit 1350 vor. A. wurde 1395 von den Horden Timurs geplündert und verheert, 1471 von den osman. Türken, 1572 und 1637 aber von den Donischen Kosaken erobert. Dann hielt es 1641 eine dreimonatliche Belagerung durch die Türken aus, bis es 1642 von diesen eingenommen ward. Nachdem Peter d. Gr. 1695 den Platz 96 Tage lang mit einem Verluste von 20 — 30000 Mann belagert und seit dem 30. Mai 1696 zu Wasser unter dem Kommando Leforts, zu Lande unter dem Gordons und Scheins eingeschlossen und beschossen hatte, kapitulierte der Kommandant Hassan Pascha 18. Juli unter der Bedingung freien Abzugs für alle Türken samt ihren Familien und ihrer Habe. Der Zar that vieles zur Befestigung und Hebung des Ortes, mußte ihn aber im Frieden am Pruth 1711 an die Turken zurückgeben. Die Russen nahmen ihn 1736 unter Lascy aufs neue und behielten ihn im Frieden von 1739, jedoch mit der Bedingung, alle Festungswerke zu schleifen. Schon 1771 stellten indes die Russen A. wieder her und erhielten es 1774 im Frieden von Kutschuk-Kainardschi für immer samt en Meere. Sulorwf auf dem Asowschen und Schwarzen Meere. sowsches Meer, nordöstlichstes Seitenbassin des Schwarzen Meeres, mit dem es durch die Meerenge von Kertsch und Jenikale in Verbindung Ran Im Altertume hieß es bei den Griechen arrts, bei den Römern Palus Maeotis, bei den Scythen Kargaluk, bei den Mäoten Temerinda — h. Mutter des Meeres), dann bei den Arabern itschach oder Bahr al-Azof, bei den Türken Barjal-Assak oder Bachr-Assak (dunkelblaues Meer), bei den Genuesen und Venetianern Mare delle Zabacche (Mare 21555 Seine größte Länge beträgt 362 Em, die größte Breite 176 km. Es bedeckt einen Flächenraum von 36822 qkm und verengt sich im nordöstl. Winkel zu dem Golf von Taganrog. Seine Küsten sind im allgemeinen 5u und aunie „ nur auf der Südküste finden — Dor vulkanischer Bildung, die stellenweise in eile Vorgebirge auslaufen. Die Westküste wird von der sandigen Arabatschen Kossa (Landzunge) Cabdek⸗ die eine Länge von 95 km hat. Der alzgehalt des Wassers ist sehr gering; auf der Reede von Taganrog wird das Wasser sogar zum Trinken benutzt. Der viele Schlamm, der im NO. vom Don, im NW. von den Flüssen Usljuka, Molotschnaja, Berdjanka, Mokraja, Kalmius und Mius, im O. von dem Mokry Kagalnik in das Meer geführt wird, macht dasselbe seicht und für die Schiffahrt gefährlich; wich hat sich in neuerer eit der Handel am Asowschen Meere gehoben, eit Taganrog durch zwei Eisenbahnen (nach Charkow und Woronesch) mit dem russ. Binnenlande verbunden und durch die Eisenbahn von Kalatsch nach Zarizyn eine direkte Verbindung gen O-Don und Wolga hergestellt ist. Die einzigen Häfen sind außer dem oberhalb des Dondeltas gelegenen Rostow, Taganrog, Mariupol und Berdjansk. Die größte Tiefe des Meeres beträgt etwa 14 m, die mittlere 6,5 — 13 m, die geringste im Meridian von Taganrog nur 3,58 m. Die Strömungen im Meere hangen von den hier in großer Heftigkeit auftretenden Nordost⸗ und Südwestwinden ab und verändern demgemäß beständig ihre Richtung. Inolge des großen tes belegt sich das eer leicht mit Eis und ist daher in der Regel von ihlosden. bis Mitte April für die habe geschlossen. Im Frühjahre nimmt die Höhe des Wasserbestandes bedeutend zu und erleichtert selbst größern Schiffen die Schiffahrt auf dem Meere. Das Asowsche Meer ist für Rußland von Rich-Wichtigkeit, einerseits durch seinen großen Reichtum an Fischen, andererseits durch den stets zunehmenden Handelsverkehr. Von 1866—71 belief bc die mittlere Howsche Zahl der Schiffe, welche ie Häfen des Asowschen Meeres besuchten, auf 2662 mit 362 951 t; mehr als die Hälfte kam davon auf Taganrog, 558 auf Berdjansk, 296 auf Kertsch und 263 auf Mariupol. Küstenfahrer liefen ein 6807 und gingen ab 6832. Die russ. Handelsflotte des Asowschen Meeres bestand Anfang 1870 aus 1210 Schiffen mit 40658 Tonnengehalt. Ein ganz eigentümliches Gebilde ist das Seitenbassin Siwasch oder die Faule See, russ. Gniloje More, ein stehendes, von Untiefen und Sandbänken durchschnittenes, durchaus salziges und für Schiffahrt unbrauchbares Wasser. Die von den Russen zum Gouvernement Taurien (Krim) geache wird durch die fast 110 Km lange, schmale und ganz Landzunge von Arabat (s. d.) vom Asowschen Meere AIgtiaposten Nur durch die enge, 40 EKm lange Straße von Genitschesk steht der Siwasch mit dem Meere in Verbindung, und an seinem Nordwestende wird er durch den 9 km breiten Isthmus von Perekop von dem Teile des Schwarzen Meeres Rore. hei welcher das Tote Meer, russ. Mertwoje More, heißt. Der südlichste Teil des Beckens, etwa 75 Em lang, in der Mitte hacher u 1/56 mtief, wird auf beiden Ufern immer acher und endet an ihnen als ein vollständiger Sumpf. Gegen Arabat hin wird er ganz flach, und auch an der schmalsten Stelle vor dem Mündungsdelta des Karasu oder Salghir, des Hauptflusses der Krim, breitet sich eine Untiefe aus, über welche kein Fahrwasser hinüberführt. Sobald die Flüsse der Krim versiegt sind und die schnelle Verdunstung den Wasservorrat des Siwasch vermindert hat, bildet sich an seinen Ufern eine große Menge von Salzkrystallen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 66Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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