FeedAugenpflege
HeilkundeBrockhaus 1882

Augenpflege oder Diätetik des Auges. Obgleich das Auge einen hohen Grad von Selbständigkeit besitzt, bleibt es doch als Teil des Organismus von diesem abhängig. Der mührm der Augen ist daher vom Zustande der Ernährung im allgemeinen, vom Nerven⸗ und Blutsysteme abhänig. Besondere Beziehungen, welche auf die Gelnn des Auges Einfluß haben, finden noch mit Gehirn, den Verdauungswerkzeugen, den Zeungsteilen, den Nieren, der Haut und der — — Hem statt. Jede körperliche Schwäche, beson-Swenn sie mit Aufregung des Nervensystems verbunden, bedingt erhöhte Empfindlichkeit der Augen Farben. Man ver gegen helles Licht und gegen helle rben. Man vermeide deshalb nach starken Blut-Rambe und in der Rekonvalescenz nach schweren Krankheiten anhaltendes Lesen, S Nähen u. s. w., und sorge für m. RNerwen icht und sanfte Farben in den aer made ervenschwache, Hysterische, Hypochonder müssen besondere Aufmerksamkeit auf die Schonung ihrer Augen verwenden, weil bei ihnen infolge allgemein erhöhter Nervenreizbarkeit auch die des Auges gesteigert ist und sie nicht selten an andauernden Blendungsbildern und andern krankhaften Gesichtserscheinungen zu leiden haben. Erhaltung eines regelmäßigen Blutumlaufs im Körper trägt sehr viel zur Gesundheit der Augen bei. Man vermeide darum alles, was Blutanhäufung im Kopfe puders zue könnte, also enge Kleidungsstücke, besonders zu 77 Halsbinden. Man — auf leichtverdauliche ost, auf regelmäßige eibesöffnung, unterlasse den unmäßigen Genuß geistiger Getränke und des Tabaks, verbinde mit der Sorge für warme Füße die hinreichende Bewe-Leind im Freien und beobachte aufrechte Haltung eim Arbeiten. u Mute oder Dampfbäder sind bei solchen, welche zu Blutkongestion nach den Augen Auaint sind, zu vermeiden. Die Abhängigkeit der ugen vom Gehirn verbietet en e Anstrengun⸗ — wenn die Augen schwach u langer chlaf schadet den Augen, noch mehr aber zu kurer. Übermäßiger oder unzeitiger Geschlechtsgenuß schwächt selbst das gefundeste Auge, und muß dies selbstverständlich in noch viel höherm Grade bei schwachen Augen thun. Erkältung und Störung der Hautthätigkeit ist als eine der allgemeinsten Schädlichkeiten für das Auge zu betrachten. Kaltes Waschen bei „Forgenst oder ausdünstendem Gesicht, wie des Morgens unmittelbar nach dem Erwachen, ist deshalb zu vermeiden; auch trage man schweiße nicht plötzlich durch Erkältung der Füße unterdrückt werden. Ein notwendiges Erfordernis zur Erhaltung gesunder Augen ist es ferner, dieselben von Schmutz und getrocknetem a ode rein zu erhalten. Leute, weiche viel im Rauch oder unreiner Luft, z. B. in Pferdeställen, Gerbereien u. s. w., ubringen, sollen sich die Augen öfters mit reinem asser auswaschen. Man vermeide das Trocknen von Wäsche in Wohnzimmern, das Stehenlassen von Nachtgeschirren, indem sich dabei ammoniakalische Dunste entwickeln, welche Augen und Lunge benachteiligen. Ist ein fremder Körper ins Auge eingeflogen, so reize man das Auge nicht zu lange durch Selbstversuche, denselben zu entfernen, sondern lasse dies sobald als möglich von einem Arzte bewerkstelligen. Am dringendsten erheischt das Einfliegen von ätzenden Substanzen, wie Kalk, ferner von Glas⸗ oder Eisensplittern, ärztliche Hilfe. Kinder bewahre man sorgfältig vor Spielen mit explodierenden Stoffen (Jandhatchen, Knallbonbons, Pulver u. s. w.). Beim Anzünden eines Streichben, ens gewöhne man sich an, die Augen zuzukneien, beim Entkorken von Selterswasser⸗ und Champagnerflaschen u. s. w. richte man letztere so, daß der Pfropf uhr ins Gesicht geschleudert werden kann. Die Führung schneidender Instrumente sei, wenn dieselben größere Widerstände zu überwinden aben, stets derart, daß die Schneide im Fall eines bgleitens nicht die Gesichtsfläche verletzen kann. on der größten Wichtigkeit ist die Regelung der Lichteinwirkung aufs Auge, indem das Licht sowohl bei zu starker und zu schwacher als auch bei ungleicher Verteilung nachteilig einwirken kann; ebenso eigt sich der schnelle Wechsel zwischen starkem und scwa em Lichte nachteilig. Zu starkes Licht überreizt, schwächt, ja kann selbst die Sehkraft lähmen. Man arbeite deshalb nie im freien Sonnenlichte. Die schädliche Einwirkung des Anschauens der Sonne ist bekannt und ebenso, daß dadurch schon plötzliche BVlindheit entstanden ist. Frauen schützen sich deshalb uht dues im Freien gegen zu starkes Sonnenicht durch Sonnenschirme von leichtem grauen, blauen oder braunen Zeuge, durch Hüte mit großen Schirmen, welche inwendig mit glanzlosem Zeuge von brauner, grauer oder blauer 9 ausgeschlagen sind, oder durch ähnlich gefärbte Schleier; letztere dürfen weder geblümt noch gemustert sein und müssen weit genug vom Gesicht abstehen. Gegen Licht sehr empfindliche Augen können sich außerdem sowohl im Freien als auch im Zimmer der schwach rau⸗ oder blaugefärbten Planbrillen bedienen. rn des Schlafs ist vollständige Dunkelheit den Augen am wohlthätigsten, doch muß man darauf sehen, daß die Dunkelheit nicht plötzlich, sondern allmählich in die bh übergehe. Das Schlafzimmer soll deshalb nicht gegen Morgen Das auf jeden Fall aber muß das Bett so stehen, daß das Gesicht der dem Fenster gegenüberliegenden Wand zugekehrt ist. Muß ein Nachtlicht gebrannt werden, so stelle man es so, daß dessen Strahlen das Auge nicht direkt treffen können. Ein starkes Licht wirkt auf die Augen um so nachteiliger, von je geringerm Umfange und in je dunklerer Umgebung es ist. Es ist auch als eine schädliche Angewohnheit zu betrachten, wenn manche beim Nachdenken absichtslos in eine Lichtflamme starren. Die außerordentlich delem Ti Einwirkung des schnellen Wechsels von Hhter icht und Dunkelheit zeigt sich am deutichsten beim Blitz. Man vermeide, in den Blitz zu schauen, besonders des Nachts, zünde vielmehr bei einem nächtlichen Gewitter Licht an. Ebenso soll sich ein empfindliches Auge des Abends, wenn Licht angebrannt wird, einige Zeit beschatten oder vom Licht abwenden, bis es sich nach und nach an die größere Helligkeit gewöhnt hat. Nicht gleichgültig ist es, von welcher Seite das Auge sein Licht erhält. Am wohlthätigsten ist das von oben kommende, lästiger das horizontal einfallende, am nachteiligsten das von unten kommende Licht, besonders wenn es von hellfarbigen Körpern reflektiert wird. V. daher das Wohn⸗ oder Arbeitszimmer durch onnenlicht oder durch reflektiertes Licht erleuchtet, so verdunkle man die untere Hälfte des Fensters durch graue oder grüne Behänge. „Eine wichtige Frage ist die, auf welche Art künstliche Beleuchtung für das Auge am zweckmäßigsten einzurichten sei. Als allgemein gültige Grundsätze lassen sich folgende aufstellen: Die Lichtquelle muß den zu erleuchtenden Raum 65 Darf gleichmäßig und intensiv erhellen, und es darf deshalb die Lichtflamme nie durch Lauberde für das Licht undurchdringliche Schirme überdeckt sein, weil durch diese für das Auge nachteilige starke Kontraste zwischen hellerleuchteten und ganz verdunkelten Stellen hervorgerufen werden. Intensiv leuchtende Flammen, wie die des Gaslichts, müssen womöglich, des ruhigen Brennens wegen, mit Glascylindern und, um ihren blendenden Anblick zu vermeiden, mit Glocken oder Cylindern von bläulichem Don Mehüberdeckt sein. Blendende Lampengestelle von Messing sind zweckmäßig durch dunkel lackierte, bronzene oder solche von Reen zu ersetzen. Bei aller Art der Beleuchtung, besonders der durch Gas, sorge man dafür, daß der Kopf des Arbeitenden nicht von der strahlenden Wärme des Beleuchtungskörpers Lotals wird. Für größere Räume, wie öffentliche Lokale, Comptoirs und größere 39810 immer, ist jedenfalls die Erleuchtung durch Gaslicht, das bem Sonnenlichte seinen physt. Eigenschaften nach 4.. nächsten steht, am Endenden Eae Nur muß man wegen der stark blendenden 41De uht der Gasflamme, besonders wenn dieselbe nicht hoch genug angebracht werden kann, darauf sehen, daß das direkte Licht der Flamme nicht das Auge treffe, Oem dern daß dasselbe durch Schirme von bläulichem Milchglas gemildert sei. Nach dem Gas verdienen das Photogen, Solaröl, Petroleum und ähnliche Ole als Beleuchtungsmaterial den Vorzug, weil die Helligkeit ihrer Flamme dem Gas am nächsten steht. Da die bisweilen angewandten kugelförmien Schirme von weißem, mattem Glase für die ugen ungemein blendend wirken, so sind sie jedenfalls u durch einen Schirm von grauem oder blauem Papier zu überdecken. Bei der Verwendung des elektrischen Lichts müssen die außerordentlich intensiv leuchtenden Brenner natürlich ebenfalls durch Milchglasglocken abgeblendet werden. Kerzenlicht steht dem Lichte einer gutbrennenden Lampe nach, indem ersteres viel geringere Leuchtkraft besitzt, unruhig brennt und dabei nicht auf gleicher Höhe gehalten werden kann. Werden Kerzen angewandt, so verdienen die am ruhigsten brennenden, am hellsten leuchtenden und des Putzens nicht bedürfenden Wachs⸗ und Paraffinkerzen den Vorzug. Zweckmäßig ist es, zwei Kerzen, nicht zu weit voneinander, vor sich oder, beim chpm etwas links zu stellen. Nachteilig für das Sehvermögen ist das Lesen im Gehen und Fahren sowie in der Dämmerung und beim Mondschein. Auch vermeide man bei Auswahl der Bücher möglichst jene mit kleinem scharfen Druck auf blendendweißem Papier, weil hier das Auge leicht ermüdet und bald zu schmerzen anfängt. In Bezug auf weibliche Arbeiten ist bekannt, daß alle diejenigen, welche ein unverwandtes Blicken auf die Arbeit erfordern das Auge mehr anstrengen, als die mehr mechanis geübten. Sehr anstrengend sind feine Stepparbeiten, Haar-und Perlstickereien, andere feine Stickereien sowie Nähen in dunkeln Stoffen und auf Nähmaschinen. Solche Arbeiten ber Ta nur bei der günstigsten Beleuchtung, d. h. bei Tageslicht, vollogen, nie zu lange hintereinander, am allerwenigser aber, wie dies oft geschieht, bei künstlicher Beverdem bis in die späten Nachtstunden fortgesetzt werden. Überhaupt mache man es sich zur Regel, anstrengende Arbeiten möglichst bei Tageslicht zu betreiben, und dabei, wenn es angeht, mit weniger anstrengenden abzuwechseln. Für die Pflege des Auges von großer Wichtigkeit ist auch die rechtzeitige und zweckmäßige Anwendung der Brillen. Als Brillenbedürftige sind Weitsichtige, Kurz-und Übersichtige und Astigmatiker zu bezeichnen. Für gesunde und fehlerfreie Augen ist der Gebrauch jeder Brille verwerflich und die Meinung, daß durch den Gebrauch einer solchen das Auge länger konserviert werden könne, eine irrige. Fur den H in Wah kann man eine passend Sräe Brille in aste be als Konservationsrille bezeichnen, denn sie bewahrt bm Auge vor Überanstrengung und erhält es da urch gesund. Der Weitsichtige soll sich dann einer Brille bedienen, wenn er bemerkt, daß er am Tage Druckschrift nicht mehr so bequem und in derselben Entfernung vom Auge wie sonst zu lesen vermag, und daß der Druck zeitweise Baichen noch feähe scheint. Gewöhnlich treten diese Zeichen noch früher abends bei kunstlicher Beleuchtung ein „weil letztere, weit rung ber als das Tageslicht, eine größere Annäherung er Druckschrift an das Auge als am Tage erfordert. Weitsichtige pflegen deshalb wohl auch, um die Beleuchtung möglichst intensiv zu machen, das Licht ischen Gesicht und Buch, nahe an letzteres, zu chieben. Ist dieser Zustand eingetreten, so säume man nicht, sich eine passende Konvexbrille zu ver-Iaften, da man sonst Gefahr läuft, das Auge wirkich zu schwächen. Die Unterlassung dieser Vorsi tsmaßregel aus Nachlässigkeit oder Eitelkeit ist um so thörichter, als in vielen Fällen ein früher Eintritt jener Erscheinungen durchaus nicht mit dem Verfall des Organismus überhaupt Hand in Hand 99 7 sondern in einem lom am flachern Bau es Auges begründet sein kann. onen We haben ch, um das schädliche, zu Kongestionen eranlasung gebende Vorbeugen des Kopfes zu umgehen, einer passend gewählten Konkavbrille beim Lefen und Schreiben zu bedienen, wenn sie das Buch dem

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 205Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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