Auswachsen des Getreides nennt man die Erscheinung, wenn bei anhaltendem Regenwetter zur Erntezeit die Körner in den Ahren der in Gelege gebreiteten oder schon aufgemandelten Feldfrüchte zu keimen beginnen. Eine warme Temperatur begünstigt diesen Vorgang, welcher nicht allein den Ertrag schmälert und den Ausdrusch erschwert, sondern auch infolge innerer Umbildungen ein Produkt liefert, dessen Mehl der Gesundheit schädlich sein kann. Es ist daher ratsam, ausgewachsenes Getreide vor dem Vermahlen im Backofen oder in Riegen gründlich zu dörren, das Mehl nicht rein, sondern stets bis zur Hälfte mit gesundem Mehl lauch von Hülsenfrüchten) zu vermischen, und bei der Gärung dem Teige etwas Franzbranntwein zuzusetzen.
Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 267Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei