FeedAvantageur
GeschichteBrockhaus 1882

Avantageur (frz.) nennt man in der deutschen Armee, im Gegensatz zu den auf zunge Manner vorgebildeten Offiziersaspiranten, junge Männer, welche entweder im Besitz eines Abiturientenzeugnisses eines Gymnasiums, resp. einer Realschule Erster Ordnung, oder nach zurückgelegter Portepeefähnrichsprüfung als Gemeine in die Armee eintreten, um hier nach sechsmonatlicher Dienstzeit und dann, nach einem Kursus auf einer Kriegss Inle und nach absolvierter 8. Junge Man zum Offizier befördert zu werden. Junge Männer, welche auf Grund eines Abiturientenzeugnisses mindestens ein Jahr auf einer deutschen Universität studiert haben, önnen dagegen na sechsmonatlicher Dienstzeit ohne Besuch einer Kriegsschule und ohne sechs Monate als Portepeefähnrich gedient zu haben, zur Offiziersprüfung Vordu werden. vautgarde (Vorhut, Vortrab) heißt diejenige Abteilung, welche eine gegen den Feind marschierende Truppe auf eine gewisse Entfernung vorschiebt, um sich gegen die Erkundung durch den Gegner und seine überraschenden Angriffe zu sichern, sich selbst aber Nachrichten über denselben zu verschaffen. Die Stärke und Zusammensetzung einer A. muß derjenigen der marschierenden Truppe und den Terrainverhältnissen entsprechen. Infanterie bildet in der Regel den Hauptbestandteil, Feldartillerie wird nur stärkern A. beigegeben; Kavallerie ist unentbehrlich und gewinnt um so höhere Bedeutung, je freier das Terrain ist. Die Stärke der A. ist etwa ein Viertel des Ganzen; ihre Entfernung von der zu sichernden Abteilung (dem Gros) wächst mit der Stärke des letztern. Die A. sichert sich ihrerseits durch vorwärts und seitwärts vorgetriebene kleinere Abteilungen (Vor⸗, Seitentrupps), welche selber wieder einzelne Leute als Spitze vor sich oder als Seitenläufer neben sich haben, sowie durch Patrouillen. Wo es erforderlich ist, hat die A. für das Aufräumen der Straßen Sorge zu tragen. In der Schlachtordnung (ordre de bataille) heißt A. diejenige, in der Regel aus allen drei Waffen gebildete Heeresabteilung, deren Aufgabe es ist, das Gefecht einzuleiten und die Entwickelung der Hauptmacht (des Gros) zum Kampfe zu decken. Sie stellt gleichzeitig die zur Ausübung des Sicherheitsdienstes notwendigen Kräfte. Im defensiven Reberdre ebraucht man statt A. in diesem Sinne lieber die Bezeichnung Vortreffen. Die A. einer Division besteht in der Regel aus einem Infanterieregiment, diejenige eines Armeekorps aus einer Infanteriebrigade, in beiden Fällen mit beigegebener Kavallerie und Feldartillerie; für eine Armee bestimmt man eine Division und mehr als A. Der Führer der A. vermag auf den Gang der Ereignisse einen entscheidenden Einfluß zu üben, da durch seine Inientstehen, in welche mit seinen übrigen Kräften einzugreifen der Höchstkommandierende häufig nicht vermeiden kann, selbst wenn der Kampf gegen seine Absichten eingegangen worden ist. Deshalb ist die Wah 15 solche Führer zu richten, welche durch scharfen Blick, Umsicht und Kaltblütigkeit ausgezeichnet sind. Im Falle des Rückzugs wird die A. zur Arrieregarde (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 284Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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