Azeglio (Massimo Taparelli, Marchese d') ital. Publizist, Romandichter und Staatsmann, stammte aus einer altadeligen piemont. Familie und wurde 2. Okt. 1798 zu Turin geboren. Ein Streit mit seinem Erzieher, einem Hausgeistlichen, zog dem kaum 14 Jahre alten A. die kirchliche Erkommunikation zu; erst nach langen Büßungen nahm ihn der Erzbischof von Turin wieder in den Schoß der kath. Kirche auf. In seinem 15. Jahre kam A. nach Rom, wohin sein Vater als sardin. Gesandter versetzt war. Nachdem er kurze Zeit als Offizier in einem piemont. Kavallerieregiment gedient hatte, nahm er seinen Abschied und kehrte nach einem Aufenthalt von acht Jahren in Rom, wo er neben der Malerei das Studium der Geschichte mit Vorliebe betrieb, nach Turin zurück. Nach dem Tode seines Vaters (1830) ging er nach Mailand, wo er Manzonis Freundschaft sich erwarb und dessen Tochter heiratete. Seine ersten größern Romane: 4Ettore Fieramosca „ (1833) und «Nicolò de' Lapi (1841) trugen zur Erweckung des Nationalgefühls der Italiener mächtig bei. Die polit. ½ heiten Italiens beschäftigten A. bald ausschließlich. Er bereiste die Provinzen, Städte, Flecken Italiens, um die Gemüter in patriotischem Sinne anzufeuern. In Florenz schrieb er dann seine berühmte Schrift „Degli ultimi casi di Romagna, worin er die päpstl. Regierun * die erfolglosen Insurrektionsversuche bekämpfte und den ital. ten die Notwendigkeit einer nationalen Politi 2 ichrte Nach der Erwählung Pius' IX. zum Papste kehrte A. nach Rom zurück, und seinem Einflusse sind, zum Teil wenigstens, die Reformen zu verdanken, mit welchen Pius seine Regierung begann. Als Karl Albert nach der Erhebung der Lombardei den Ticino überschritt, verließ A. Rom mit den päpstl. Truppen, die zur Unterstützung Karl Alberts bestimmt waren. In Venedig diente er als Oberst, in der Schlacht bei Vicenza kommandierte er eine Legion, an deren Spitze er schwer verwundet wurde. Kaum genesen, trat er in Florenz als Gemäßigter der Partei der Republikaner entgegen. Bei der Eröffnung des sardin. Parlaments wurde er zum Mitgliede der Deputiertenkammer erwählt. Nach dem unglücklichen Emuuuer der Schlacht bei Novara berief Viktor Emanuel II. im Mai 1849 A. zum Minister des Auswärtigen und Präsidenten des Kabinetts. Bei der 7Hν Lage der Dinge trug seine Politik mehr den Charakter des Zuwartens und der Vermittelung, und die Nachgiebigkeit, welche er der auswärtigen Diplomatie gegenüber zeigte, gab in der Kammer zu heftigen Angriffen von seiten der Liberalen Veranlassung. Als nach dem Tode Pinellis im April 1852 ichte A. zum Kammerpräsidenten gewählt wurde, reichte A. seine Entlassung ein. Der König nahm dieselbe nicht an, beauftragte ihn vielmehr mit der Bildung eines neuen Kabinetts. Dieses trug aber einen noch kon-Dir. 1852 Charakter als das vorige, und schon 30. kt. 1852 sah sich A. infolge der Krisis, welche die Verhandlungen über das Chegesetz herbeifl rten, veranlaßt, aufs neue um seine Entlassung zu bitten. Nach Ausbruch des Kriegs von 1859 wurde A. als Bevollmächtigter Sardiniens in die Romagna ge-Rachd wo es ihm gelang, die Ordnung herzustellen. achdem er on N einige Alit das Amt eines Gouverneurs von Mailand bekleidet, zog er sich ins Privatleben zurück. A. starb zu Turin 15. Jan. 1866. Nach seinem Tode Aseen seine Selbstbiographie, herausgegeben von seiner Tochter: I miei ricordio (2. Aufl., 2 Bde., Flor. 1867; deutsch, Frankf. a. M. 1869). Ergänzungen ½7 bilden die von Cesare Paoli herausgegebenen «Lettere a Giuseppe Forelli con frammenti dello stesso in continuazione dei miei ricordio (Mail. 1870), ferner die von Carcano veröffentlichten „Lettere a sua moglie Louisa Blondelb (Mail. 1870). Seine „Correspondance politiques wurde von Renda (Par. 1867), die Scritti postumin von Ricci (Flor. 1871) und die »Seritti politici e letteraris von Tabarrini (2 Bde., Flor. 1872) aman (Pari. Vgl. die Biogra 48 A.s von Massari (Bari 1866), Giuliani (Flor. 1866); ferner hat Torelli in den von Paoli herausgegebenen «Ricordi politici Mail. 1873) hen Ame Mitteilungen über das eben A.s gegeben. Am 9. Nov. 1873 wurde A.s Denkmal zu Turin enthüllt. ere Wrus (Roberto Taparelli, Marchese d'), der ältere Bruder des vorigen, wurde 24. Sept. 1790 u Turin geboren, begünstigte ebenfalls die ital. olitik Karl Alberts und war vor 1847 sehr populär. Später zog er sich jedoch in das Privatleben zurück, um sich ganz den schönen Künsten, besonders der Malerei, zu widmen. Er starb als Senator und Direktor der königl. Gemäldegalerie zu Turin 24. Dez. 1862. Seine «Studj storici e archeologici sulle arti del disegno (Flor. 1862) enthalten wichtige Beiträge zur Geschichte der Malerei. Ein anderes Werk, die «Ritratti dꝰuomini illustri dipinti da illustri artefici estratti dall' antica raccolta dei Reali di Savoia, erschien nach seinem Tode (Flor. 1863). Sein Sohn Vittorio Emmanuele Taparelli, Marchese d'A., geb. 1815, war seit Nov. 1850 Gesandter des turiner Kabinetts und später des Königreichs Italien in London. Derselbe wurde 1869 abberufen. — Ein anderer Bruder Massimo d'A.s, der Nom Luigi Taparelli, gest. 24. Sept. 1862 zu Rom, war Wni und hat sich besonders durch seine Leitung der «Civiltà cattolicap als gewandter Kämpfer für Kirche und Papsttum namhaft gemacht.