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BaukunstBrockhaus 1882

Balken und Balkenlage. Während man unter einem Balken ein vierkantig behauenes Stück Holz versteht, welches wagerecht freiliegend mit seinen Endpunkten aufruht und zum Tragen von Lasten bestimmt ist, bildet eine Balkenlage (s. Fig. 1) ein System parallelliegender Balken, welches meist zum Tragen der Decke eines untern sowie des Fußbodens eines obern Raums dient. In der Regel werden die Balken nach der Tiefe des Gebäudes zu gelegt, als der kürzern Dimension, welche eine größere Ausnutzung der Tragfähigkeit der Balken gestattet, doch sind Ausnahmen hiervon nicht selten. Da die Tragfähigkeit der Balken mit dem Quadrate ihrer Höhe wächst, so legt man die Balken stets auf die hohe Kante, d. h. gibt ihrem Querschnitt eine größere Höhe als Breite, z. B. bei beschlagenem Holze ein Fünftel, bei geschnittenem zwei Fünftel mehr. Das Maximum der Tragfähigkeit eines Balkens erreicht man bei dem Verhältnis der Breite zur Höhe, etwa wie 5 zu 7 (genauer wie ,/1: ½ . Da die Stärke der Balken an natürliche Grenzen gebunden ist, so wird durch letztere auch die freiliegende Länge der Balken oder die Zimmertiefe bedingt. Bei Belastungen, wie sie in Wohnebäuden vorkommen, dürfte diese Tiefe, schon aus ründen der Beleuchtung u. s. f., das Maß von 6—6,5 m selten überschreiten. Wegen des verjüngten Wuchses der Stämme erhält man bei der Bearbeitung derselben zu rechtwinkeligem Querschnitt ein starkes und schwaches Balkenende und legt daher die Balken, wenn sie über mehrere Zimmertiefen hinwegreichen sollen, zweckmäßig mit ihrem starken Ende über die größere, mit dem schwachen über die geringere Tiefe. Macht sich wegen größerer er ender Länge oder Belastung der Balken eine tersiuhung der Balkenlagen notwendig, so erfolgt dieselbe, wenn sie nicht durch Mauern statthaft ist, entweder von unten oder von oben, und zwar im erstern Falle durch Unterzüge, Träger Säulen oder Sprengwerke, im letztern Falle durch Oberzüge, Träger oder Hängewerke. Einen integrierenden Bestandteil der Balkenlagen bilden meist die unter den Balkenköpfen und auf der Mauer liegenden Mauerlatten U Fig. 2, e); dies sind schwächere Hölzer, über welche die Balken gekämmt werden und die teils zum genauen und wagerechten Verlegen der Balken, teils zur Hruchs denelder Übertragung des Drucks derselben auf die Mauern dienen, sodaß ein ungleiches Setzen der — einzelnen Balken verhindert wird. Fig. 2. Die Balkenlagen bilden zugleich die Träger der sog. Zwischendecken, d. h. der an Iw der Decke und Dielung befindlichen dichtern Zwischenlage (Einub), welche zur Isolierung der Wärme und des Schalls der übereinanderliegenden Räume dient. Sie werden aber auch gleichzeitig zur Verankerung Die obenstehende Fig. 1 zeigt eine Stockwerksbalkenlage. In derselben sind: a ganze Balken, welche durch die ganze Gebäudetiefe reichen; b Streichbalken, welche zu beiden Seiten massiv durchgehender Querscheidungen gelegt werden; e Stichbalken, welche eines entgegenstehenden Hindernisses, z. B. eines Schornsteins, einer Treppenöffnung, eines Oberlichts etc. wegen Wechsel ge- und hier durch einen Querbalken d, Wechsel genannt, unterstützt werden müssen. Solche B., 915 ö einer darauf stehenden Bund⸗ oder Fachwand als Schwelle oder einer darunter befindlichen als Rahmen dienen, heißen Bundbalken; ee sind die Mauerlatten (s. auch Fig. 2, e). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 400Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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