FeedBaracke
BaukunstBrockhaus 1882

Baracke und Barackensystem. Unter einer Baracke versteht man ein vom leichtesten Material, von Stroh, Reisig und Bretern, errichtetes und zur improvisierten Unterkunft von Truppen sowie Kranken und Verwundeten bestimmtes Gebäude. Der Ausdruck Baracke stammt aus dem Spanischen, wo barräca eine Fischerhütte bedeutet, und wurde nach Frankreich durch gascogn. Truppen übertragen. Bis zum Ende des 17. Jahrh. bezeichnete man aber hiermit nur die Unterkunft der Kavallerie, während die Infanterie huttes bewohnte. Erst seit dieser Zeit wurde der Ausdruck nt. Wie auf die Lagerhütten aller Truppen ausgedehnt. Vier Pfosten ö mit einem Flugdach aus Flechtwerk oder Stroh bil⸗ 4 deten die ganze Konstruktion. Seitdem haben diese Anlagen den verschiedenartigsten Charakter angenommen. Die Bedeutung einer nur improvisierten und vorübergehend benutzten Wohnungsanlage verlor sich namentlich bei der engl. Armee, indem man hier unter baracks geradezu Kasernen versteht, die u dauernder Benutzung nicht bloß von Holz u. f. w., sondern auch von Stein errichtet wurden. Als Wohnbaracken der Armeen werden teils für das Feldlager, teils für die Garnisonen der Festungen Baracken von sehr mannigfacher Art aufgeschlagen. Den meisten Gebrauch machte man von dergleichen Anlagen für das Heer in Frankreich ud l von Chälons, Sathonay u. s. w., und es ind sowohl dort wie auch in Preußen, Ssterreich u. s. w. für die Ausführung derselben besondere Instruktionen und Reglements erlassen worden. Ihre Einrichtung 9, ümmerbin aber: mehr oder weniger primitiv, immerhin aber nach gewissen hy-EBaratken Gesichtspunkten getroffen. Die preuß. aracken bestehen aus einem steinernen Fundament, das 60 em über den Erdboden hervorragt, aus einem darüber ausgeführten Ständerwerke von etwa 3m Höhe, welches entweder ausgemauert oder mit Brettern bekleidet wird, und aus einem in der Regel flachen Bretterdache. Für den Winter geschieht bei den Bretterbaracken die Holzbekleidung auf beiden Seiten, und der Zwischenraum wird mit schlechten Wärmeleitern . meit git Dielung des Bodens ist stets vorhanden, meist gibt es auch wirkliche Fenster, sonst verschließbare Luken in den Hauptseiten des Gebäudes; die innere Einrichtung besteht in Pritschen und Kochvorrichtungen. Auch die für die Unterbringung von 82500 franz. Kriegsgefangenen in Wesel, Köln, Koblenz, Mainz und andern Städten 1870—71 aufgeführten Baracken waren nach diesen Prinzipien konstruiert. Als Krankenbaracken kamen vielfach ganz ähnliche Bauanlagen zur Verwendung, indem man hierbei nicht bloß die Schnelligkeit, mit welcher sie bei verhältnismäßig geringen Kosten zur Ausführung im Kriege gebracht werden konnten, sondern vor allem auch die sanitären Vorteile im Auge — welche sie den in ihnen untergebrachten kranen und verwundeten Kriegern gegenüber den andern Hospitälern darboten. Auf diese Weise ist zuerst während des Krimkriegs (durch Professor Pirogoff) und während des Amerikanischen Kriegs für Kranke der Barackenbau in Aufnahme gekommen, derselbe große Dienste geleistet. In ihrer gewöhnlichen Form ist die Hospitalbaracke ein langer, schmaler Bau, dessen Boden auf Balken oder Steinfosten von 0,.3—1,2 m Höhe ruht. Die zum Einassen von Licht und Luft bestimmten Fensteröffnunen 2 entweder durch Glasfenster oder auch bloß urch Leinwandvorhänge geschützt. Zur Herstellung einer gehörigen Ventilation sind im Fußboden und dem Dache Klappen angebracht, die beliebig geöffnet werden können. Um hierbei das Innere der Baracke vor dem Regen zu schützen, trägt jede Baracke einen sog. Dachreiter, d. h. ein kleines schmaleres Dach, welches auf dem Firste des eigentlichen Dachs angebracht ist, und in dessen vertikalen Seitenwänden die Ventilationsklappen befinden. Eine jede olche Baracke ist in ihren räumlichen Verhältnissen nichts als ein einziger großer Krankensaal, welcher 20—30, ja auch 60 Patienten aufnehmen kann und in Bezug auf Geräumigkeit, Lüftung, Reinlichkeit, übersichtliche Ordnung und Pflege allen Anforde-Die reichen Erfahrungen, welche man während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870—71 in den meisten größern Städten Deutschlands mit den Ba-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. rackenlazaretten machte, haben ergeben, daß die Verwendung dieses Systems überhaupt 32 Krankenanstalten, auch selbst für Civilhospitäler von ganz besonderer Bedeutung ist, da die Baracken insbesondere eine Ruen Ventilation, eine schnelle Beseitigung von Infe anstetent und eine leicht auszuführende solierung ansteckender Krankheitsformen ermögichen. Nachdem sich die in einzelnen Civilhospitälern (Greifswald, Berlin, .⁷ versuchsweise errichteten Baracken hinlänglich bewährt haben, besitt jetzt fast jedes größere Krankenhaus eine Anzahl derartiger gut ventilierter Barackenbauten. Als ausytem in System dürfte jedoch das Barackenystem in Deutschland wenigstens schwerlich zur Geltung kommen, weil die ausreichende Heizung der Baracken in der kalten Jahreszeit immerhin mit Schwierigkeiten verbunden ist. Eine allen — 1 dernissen entsprechende umfängliche Krankenhei anstalt sollte nach Ansicht der Autoritäten stets die drei Lazarettformen in sich schließen, die je nach Verschiedenheit der Krankheiten nach den bisherigen Erfahrungen sich als die geeignetsten erwiesen haben, nämlich ein Korridorlazarett, ein Pavillonlazarett und Baracken, welche letztere aber, wenn für die Friedenszeit und für die Dauer bestimmt, nicht bloß aus Holz, sondern massiv, aus Stein, zu errichten wären. (S. . HeArnntene itteratur: Esse, «Die Krankenhäuser, ihre Einrichtung und Verwaltungo (2.Aufl., Berl. 1868) und „Das Barackenlazarett der königl. Charité zu Berlin⸗(Berl. 1868); Billings, Report on the barracks and hospitals (Washingt. 1870); Friedreich, »Die 19.187101m2 Baracken für Kriegsepidemienv (Heidelb. 1871): Virchow, euber Lazarette und Baracken (Berl. 1871); Steinberg, «Die Kriegslazarette und Baracken für Berlin» (Berl. 1872); Oppert, «Hospitäler und Wohlthätigkeitsanstalten⸗ (4. Aufl., Hamb. 1872); Landsberger, «Handbuch der kriegschirurgischen Technike (Tüb. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 464Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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