Barrot (Camille Hyacinthe Odilon), franz. Staatsmann, geb. 19. Juli 1791 zu Villefort im Depart. Lozere, war vor der Revolution von 1830 ein namhaster Advokat am pariser Kassationshofe und seit 1827 Mitglied, später Präsident des berühmten und einflußreichen Vereins Aide-toi et le ciel t'aidera. In den Julitagen nahm er lebhaften Anteil an den Beratungen der Volkspartei, stimmte jedoch ausschließlich für den gesetzlichen Widerstand und wirkte mit allen Kräften für die Einsetzung der jüngern Dynastie. Ludwig Philipp übertrug ihm das wichtige Amt des Seinepräfekten, das er aber nur erlead onate verwaltete und 3 derselben Zeit niederlegte, als seine Freunde Laffitte und Dupont de l'Eure (19. Febr. 1831) aus dem Miniterium schieden. Von nun an konzentrierte sich eine polit. Wirksamkeit ganz und gar in der Ausübung seines Kammermandats. Abwechselnd Deputierter von Paris und den Depart. Eure, Nieder Dyn und Aisne, beteiligte er sich als Oberhaupt der Opposition an allen großen parlamentarischen Verhandlungen bis 1848, wo seine Gegenwart und Beredsamkeit bei den sog. Reformbanketten nicht wenig dazu beitrug, der angeblich auf die Erweiterung des Stimmrechts hingehenden Bewegung einen für ihn selbst sehr unerwarteten Ausschlag zu geben; denn kaum war B. 24. Febr. zum Präsidenten eines neuen Ministeriums ernannt, so wurde er durch die Revolution und durch die Errichtung der Republik wieder von diesem Posten verdrängt. Doch zog sich B. nicht zurück, sondern setzte als Mitlied der Konstituierenden und der Gesetzgebenden ationalversammlung seine parlamentarische Oposition fort. Bei der Bildung des ersten Miniteriums Ludwig Napoleons wurde er 20. Dez. 1848 Präsident und Minister der Justiz, beschränkt die Preßfreiheit und das Vereinsrecht und unterdrückte die Klubs. Nachdem er bereits 31. Okt. 1849 notgedrungen seine Entlassung genommen, vernichtete der Ainungen 5 vom 2. Dez. 1851 auch seine letzten Charalter al enn B. war zwar ein ehrenwerter Charakter, aber kein scharfsichtiger Politiker. Seitdem lebte er vom polit. chauplatz zurückgezogen. Jedoch wurde er bei der 22. Juli 1872 durch die Nationalversammlung erfolgten Wahl eines neuen Staatsrats zum Mitglied und durch Dekret vom 27. Juli zum Vizepräsidenten desselben ernannt. B. starb zu Bougival bei Paris 6. Aug. 1873 und wurde auf dem Kirchhofe Pere-Lachaise beerdigt. Außer kleinern polit. Schriften veröffentlichte er: «De la centralisation et de ses efletso (Par. 1861). Nach seinem Tode erschienen „Mémoires posthumeso (4 Bde., Par. 1875—77). Adolphe B., Bruder des vorigen, geb. 15. Okt. 1801, betrat unter o wien Philipp die diplomatische delstonin und wirkte zunächst als Agent und Handelskonsul auf den Sandwichinseln und in Neugranada, in China und auf den Philippinen, in Haiti und 4½½0 Im J. 1849 war er Hr. der franz. Republik zu Lissabon, wurde ebr. 1851 in gleicher 1855 abeft nach Neapel gechickt und ging Okt. 1853 als außerordentlicher evollmächtigter und Minister des kaiserl. Frankreich nach Brüssel. Im Dez. 1858 erfolgte seine Ernennung zum fwen Gesandten in Madrid. Kurze Zeit ch taif verließ er den diplomatischen Dienst. Durch kaiserl. Dekret vom 5. Okt. 1864 in den Senat er Polniler. 6 zeigte sich B. hier als einsichtsvoller olitiker. Er starb 16. Juni 1870. Victorin Ferdinand B., jüngerer Bruder der vorigen, geb. . Paris 10. Jan. 1806, wurde gegen Ende der Restauration Advokat und 1842 vom Depart. Indre-et-Loire in die Deputiertenkammer gewählt. Er vach sich hier der Partei seines Bruders an, trat nach der Februarrevolution für Algier in die Konstituierende den Gewöpigten. lung und hielt sich in dieser zu den Gemä igten. Rachdem Ludwig Napoleon zum Präsidenten der Republik erwählt worden, wandte er sich diefem zu und wurde „ N nacheinander Generalsekretär des ꝰ inister des Innern, Gesandter in urin, Staatsrat, im munted 1853 Senator des Kaiserreichs und 1854 Mitglied der Kommission für öffentliche Arbeiten, Ackerbau und Gewerbe. Seit 187⁷ B. lebenslängliches Mitglied des Senats, wo er der Gruppe der Bonapartisten angehört.