Bart nennt man den dem männlichen Geschlechte eigentümlichen Haarwuchs um den Mund, das Kinn und an den Wangen. Die Barthaare gleichen den übrigen Haaren, außer daß sie gewöhnlich einen derbern Schaft haben, kürzer und starrer als das Haupthaar und länger als die Haare am übrigen Körper sind, und daß ihre eigentliche Entwickelung erst um die Zeit 0½½ beginnt. Gewöhnlich entwickelt sich der B. beim Menschen zuerst an der Oberlippe (Schnurrbart oder Schnauzbart), wo er überhaupt den enntiehe Wuchs zeigt. Später bricht der Backenbart aus, dessen Haare die Richtung von vorn nach hinten haben. Während bei den behaarten Tieren die Barthaare als Tastorgane bestimmt sind, ist beim Menschen die Entwickelung des B. und seine vollständige Ausbildung eines der vorzüglichsten äußern Zeichen der Geschlechtsreife des Mannes; daher fehlt er auch dem vor der vollendeten Pubertät Kastrierten und erreicht selbst bei denen, welche später „ Testikel verloren, nur unvollkommen seine Ausbildung. Dennoch ist der B. keineswe S ein allgemein gültiger Beweis der Dichbin der higkeit und wirllicher eife, wenigstens nicht in der gegenwärtigen Zeit und unter den Völkern, wo die ultur ihren verweichlichenden Einfluß geübt hat. Bei Lehen findet sich ein Bärtchen öfters in spätern ebensjahren, nach Erlöschung der keit, sowie bei den (gewöhnlich auch unfru tbaren) Mannweibern. Die Arzte empfehlen das Wachsenlassen des B. unter dem Kinn und am Halse hinunter denen, welche an krankhafter Anlage zu Enten, sowie bei der Anlage zu nervösen esichts⸗ und ahnschmerzen das Wachsenlassen um Mund und angen. Auch hat ein dichter B. um Mund und Nase als Schutzmittel gegen kalte Luft und Staub — die Wirkung eines Respirators. Die Farbe des kommt gewöhnlich mit der des Haupthaares überein, doch gibt es hier eine Menge Nuancen. Auf die Länge, Dichtigkeit u. s. w. hat Klima und Nationalität wesentlichen Einfluß. Der B. findet sich am üppigsten bei den Völkern slaw. und kelt. Stammes, und bekannt waren im Altertum schon die bärtigen Skythen. Dagegen haben die Urbewohner Amerikas meist nur schwachen Bartwuchs, und ihr dünner B. erscheint spät; zum Teil raufen sie sich jedoch auch die Barthaare aus. ÜUberhaupt ist der Bartwuchs äußerst mangelhaft bei allen Völkern mit straffem, grobem Haar, also außer bei Amerikanern bei Nord⸗ und Ostasiaten, sowie bei Malaien; kümmerlich entwickelt ist er bei den Hottentotten, reichlicher und häufiger kommt er bei mittel⸗ und südafrik. Negern vor. Die Australier haben einen mäßigen, die Papuas hin — üppigern Bartwuchs. V. der er bartarmen Chinesen und Japanesen leben Völker, wie die Aino, bei welchen der B. stark entwickelt ist. ö Ursprünglich wurde bei allen bärtigen Nationen der B. als ein Zeichen der Kraft und als eine Zierde der Männlichkeit betrachtet, daher auch sorgfältig gepflegt und für heilig mferr seine unehrerbietige Berührung wie das Entfernen desselben galt und * noch als ein Schimpf und eine Karait Im Orient ist der Gebrauch des Rasierens uralt bei den Agyptern läßt er sich bis in die ältesten Zeiten zurückverfolgen; in Assyrien rasierte man den B. zur Zeit Sardanapals und Nebukadnezars, aber wie dort einen schmalen keilförmigen Kinnbart, heftete man hier einen breiten Vollbart künstlich an. Dagegen trugen die Babylonier, sowie die alten 7⁷ „Mutek, und sorgfältig gepflegte Bärte. n ganz Mittel⸗ und Nordeuropa findet man in den aus der Metallzeit stammenden Gräbern und Pfahlbauten gebogene Bronzemesser, die vielleicht aus Etrurien stammen und vermuten lassen, daß sie zum Rasieren dienten, wiewohl solche Instrumente auch in Frauengräbern gefunden werden. In Griechenland kam erst zu Alexanders Zeit das Scheren des B. auf. Die Römer 4 ungeschoren bis etwa 300 v. Chr.; der erste Barbier kam nach Rom angeblich durch * Licinius Mänas aus Sicilien. Unter Hadrian ließ man jedoch den B. wieder wachsen, und dies dauerte bis auf die Zeit Konstantins d. Gr., wo wenigstens die langen Kinnbärte in Europa zum großen Teil verschwanden. In Rußland begann dann Peter d. Gr. die Kultivierung seiner Nation mit Entfernung der großen Bärte. Der Zar drang anfangs mit dem einfachen Verbote nicht durch, sodaß er sich bewogen fühlte, eine Bartsteuer einzuführen. Jeder, der durch die aen einer Stadt mit einem B. ging, mußte denselben versteuern. Die Starowerzen, eine dissentierende Sekte der Russen, welche ihren B. noch heiliger halten als die Mohammedaner, behielten denselben trotz Peters Verfolgungen bei. Seit den Zeiten Ludwigs XIII. und XIV. begann im Abendlande die Mode, dann die Militärdisciplin sich des B. . bemächtigen, und seine Form und Gestalt wurde seitdem zahllosen Veränderungen unterworfen. Seit der Eroberung von Algier (1830) wurden erst Dolent Banke dann im übrigen Europa wieder die vollen Bärte Mode; sie galten eine Zeit lang als Zeichen demokratischer Gesinnung, und einzelne Regierungen setzten sich deshalb in Kampf gegen die