FeedBartholomäusnacht
GeschichteBrockhaus 1882

Bartholomäusnacht oder die Pariser Bluthochzeit nennt man die Niedermetzelung der Hugenotten (s. d.) zu Paris in der Nacht zum 24. Aug. 10 Bartholomäustage) 1572. Seit dem Pacifiationsedikt von St.⸗Germain-en-Laye 8. Aug. 1570 schien es, als ob eine Versöhnung der Reformierten und Katholiken und eine Umwandlung der auswärtigen Politik Frankreichs zu erwarten wäre. Mit Elisabeth von England ward über eine Che wischen ihr und dem Herzoge von Alengon, Bruer König Karls, verhandelt, die Niederländer erhielten Unterstützung im Kampfe gegen Alba, und es schien im Sommer 1572 zu einem offenen Kriege gegen das bis dahin verbündete Spanien kommen sollen. Dazu kam im Innern das Versöhnungsst der Parteien auf der Hochzeit Heinrichs von éarn, des jungen Hauptes der Reformierten, mit Margarethe, der Schwester König Karls, am 18.Aug. Um daran teilzunehmen, waren die vornehmsten Hugenotten des Reichs nach Paris gekommen, an ihrer Spitze der Admiral Coligny, sein Schwiegersohn Teligny, La Rochefoucauld mit seinem Sohne und viele andere, im ganzen an 2000; von der Königin-Witwe Katharina von Medicis, ihrem Sohne, König Karl, und dem Hofe auf das liebenswürdigste derben d und bewirtet, gingen sie alle in ihr Verderben. Das Vorspiel des Frevels war ein Attentat auf Coligny (s. d.) am 22. Aug., das auf Anstiften Katharinas und der Guisen ausgeführt wurde; er kam mit einer Verwundung davon. Nach einem Conseil am 23. Aug., an dem der König teilnahm, ward dann die Ermordung aller Hugenotten beschlossen, und in der Nacht um 3 Uhr stürzte sich die kath. Bevölkerung von Paris, an die noch am Abend die Waffen verteilt waren, beim Läuten der Sturmglocken auf die ahnungslos in ihren Betten ruhenden Glaubensfeinde. Zuerst Coligny und seine Angehörigen, dann alle Freunde und Anhänger fielen der entfesselten Wut zum Opfer; ein Entrinnen war kaum möglich, da die Thore geschlossen waren; die Hefe der Bevölkerung, die äm Et und die Gelehrten, und die Vornehmsten im Staate wetteiferten im Morden; der König selbst soll auf die Flüchtenden In den haben. An 2000 kamen in Paris um. n den Provinzen setzten sich die Verfolgungen fort; noch 20000 sollen hier ermordet sein. In der kath. Welt, namentlich in Rom, rief dies alles den höchsten Jubel hervor; das Resultat aber war nur ein neuer Bürgerkrieg, der nach neuen Strömen Blutes wieder mit einem Duldungsedikte für die „ endigte, 24. Juni 1573. die große Frage der Geschichtsforschung über die B. ist, ob der Schlag lange vorbereitet oder plötzlich erdacht und ausgeführt, ob im erstern Falle neben Katharina, der Hauptanstifterin, ihr Sohn, der bem Attentar aud oder ob dieser nur zuletzt, nach dem Attentat auf Coligny, durch die Furcht vor der Rache der Reformierten zu dem Massenmord angetrieben worden ist. Eine große Zahl von Historikern haben das Für und Wider besprochen, z. B. Schiller, Geschichte der Unruhen in Frankreiche u. s. w.: Wachler, «Die Pariser Bluthochzeito (Lpz. 1826, 2. Aufl. 1828); Audin, IUistoire de la St.-Barthélemys (Par. 1829); Soldan, «Frankreich und die in MRochmalige Erörterung der Motive der B.5 (in der (Histor.⸗polit. Zeitschrifto, Jahrg. 1835) und in seiner Franz. Geschichteß (Bd. 1, Stuttg. u. Tüb. 1852) nimmt bei Katharina an, sie habe den Plan lange überdacht und wohl vorbereitet, den Entschluß, ihn auszuführen, aber doch erst nach dem Attentat vom 22. Aug. gefaßt; Karl sei dann erst überhaupt in den Plan ch Wöndtke und fortgerissen worden. Dagegen hat sich Wuttke (Zur Vorgeschichte der B.y, Lpz. 1879) nach eingehender Prüfung aller Geus und für eine lange Vorbereitung des Verbrechens und ie volle Mitwissenschaft des Königs ausgesprochen, während Baumgarten sich im wesentlichen wieder der Auffassung Rankes angeschlossen hat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 516Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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