Bayle (Pierres, einer der einflußreichsten franz. Graffcbant und Dialektiker, geb. zu Carlat in der rafschaft Foix 18. Nov. 1647, empfing den ersten Unterricht von seinem Vater, einem reform. Geistlichen, besuchte dann die Schule zu Puy-Laurens, wo uchten⸗ un Studien seine Toulouse für immer schwächten, und studierte zu Toulouse Philosophie bei den Jesuiten. Die Argumentationen seines Lehrers, noch mehr aber die freundschaftlichen Disputationen mit einem kath. Geistlichen, der neben ihm wohnte, weckten in ihm Zweifel an der Orthodoxie des Protestantismus, sodaß er beschloß, die Religion zu vertauschen. Seine Familie that jedoch alles, ihn wieder für die reform. Kirche zu gewinnen, und ‚ o kehrte er nach 17 Monaten zu ihr zurück. Um sich nun der Strafe des Banns * entziehen, ging er slof Genf und von da + oppet, wo er die hilosophie des Descartes studierte. Nach einigen ahren kehrte B. nach Frankreich zurück, ließ sich zuerst in Rouen nieder und lebte dann in Paris, wo er Unterricht erteilte, bis er 1675 den philos. Lehrstuhl zu Sedan erhielt, auf welchem er mit Auszeichnung bis zur Aufhebung — Akademie, 1681, lehrte. Hierauf ward er auf den philof. Lehrstuhl nach Rotterdam berufen. Veranlaßt durch die Erscheinung eines Kometen 1680, gab er 168² Wer „Pensées diverses sur la comètep heraus, ein erk voll Gelehrsamkeit, in welchem viele Gegen0 aus der Metaphysik, Moral, Theologie, Gechichte und Politik abgehandelt werden. Diesem olgte die «Critique générale de Thistoire du Calvinisme de Maimbourgo, die beifällig aufgenommen und von Maimburg selbst mit Achtung genannt wurde. Die in Holland herrschende Preßfreiheit veranlaßte ihn, mehrere in Frankreich unterdrückte Bucher herauszugeben, unter andern einige auf Descartes sich beziehende Schriften. Er unternahm 1684 eine HHH. Schrift: »Nouvelles de la ropublique des lettres. Die Religionsverfolgungen in ½½ gaben In Veranlassung zu dem angeblich aus dem Englischen übersetzten Lommentaire philosophique sur ces paroles del'Evangile: Contrains-les d'entrer o, der eine kräftige Verteifolne d der Grundsätze der Toleranz enthält. Inolge der Angriffe des Theologen Jurieu wurde er, obschon er sehr Aot d verteidigte, 1693 seines Amtes en n und selbst die Erteilung von Privatunterricht ihm verboten. Von allen Geschäften frei, widmete er nun seinen ganzen Fleiß dem Dictionnaire historique et eritique (zuerst 2 Bde., Rotterd. 1696; neuere Aufl. 1702; am vollständigsten von Desmaizeaux, 4 Bde., Amsterd. u. Leid. 1740; neueste Ausg., 16 Bde., Par. 1820; deutsch von Gottsched, 4 Bde., Lpz. 1741—44), welches das erste Werk war, das er unter seinem Namen erscheinen ließ. Jurieu trat abermals als B.s Gegner auf und veranlaßte das Konsistorium, ihn namentlich in Beziehung auf den darin ausgesprochenen Tadel 9 en König David und das der Moral einiger Reisten erteilte Lob zu vernehmen. B. versprach zwar, alles, was das Konsistorium anstößi gefunden, zu tilgen, ließ aber das Werk bis au einige wenige und noch dazu unbedeutende Stellen unverändert. Neue Feinde erweckten ihm seine „Réponse aux questions d'un provincialo und die Fortsetzung der Pensées sur la comètes in Jacquelot und Leclere, die beide ial religiösen Ansichten angriffen. Andere verfolgten ihn als einen — * der prot. Kirche und seines neuen Vaterlandes. iese Streitigkeiten vermehrten seine Körperleiden, denen er 28. Dez. 1708 erlag. ö B. steht an der Spitze der neuen Dialektiker und Skeptiker. Wenn vor ihm die Erneuerungen der antiken Skepsis ie mit mehr oder minder Aufrichtigkeit in den Dienst der kirchlichen Dogmatik gestellt hatten, so nahm der Skeptizismus in ihm durch die Wendung auf das religidse Wissen eine Ri lhmtärunggen deren er in erster Linie den Kampf der Aufklärung gegen die Kirche eröffnete. Er kämpfte gleichmäßig gegen die theol. Scholastit wie gegen die Versuche einer philos. Vernunftreligion und galt deshalb den einen als Ketzer, den andern als Dunkelmann. In — selbst aber hatte jener Widerspruch zwischen Glauben und Wissen so wenig Versöhnung gefunden, daß es z. B. in dem Dictionnaires den Eindruck gewinnt, als habe die Artikel sein Glaube die Roten sein Wissen und seine dialektische Kritit geschrieben. Aber gerade diese Noten gewannen vermöge ihres kampfgewandten, lebensvollen und allgemein verständlichen Stils in Verbindung mit dem beispiellos umfassenden gelehrten Wissen, das darin niedergelegt war, eine gewaltige Macht über die franz. Geister, und von seinem a ictionnaire aus verbreitete sich der den Franzosen so naheliegende Skeptizismus als die allgemeine Denkart der aufgeklärten Bildung in die weitesten Kreise. Wenn aber im allgemeinen B. weit bedeutender in der Analyse fremder Irrtümer als in der Aufstellung eigener Sätze war, so geht doch gepder sein Denken eine positive Überzeugung von tiefster, eingreifend36 Bedeutung hindurch: das ist die fortwährende etonung der Unabhängigkeit des moralischen Handelns und des moralischen Werts von der Aultlasen überzeugung, eine für die Toleranz des Aufklärungszeitalters un Zsgen z Lehre, welche B. auf den verschiedensten en positiv und negativ zu erhärten suchte und welcher er namentlich den später vielfach angefochtenen Ausdruck gab, er könne sich Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. — wohl einen gut geordneten Staat von Atheisten nken. Allein es war selbstverständlich, da in dem Rannesi Drange der Zeit aus den Schriften des Mannes sich mehr die negativen Seiten herausoben, und so ist er in der Erinnerung der er sehen immer mehr als der dialektische Skeptiker stehen Omen vor dessen teiner gouf Kritik die dogmen keiner Religion, keiner — stand⸗ ( ten. Seine „Oeurres diverseso sind im Haag 4 Bde., 1725—31) erschienen. Vgl. Desmaizeaux, La vie de Pierre B.5 (Amsterd. 1730; deutsch von Kohl, Hamb. 1731), und L. Feuerbach, «Pierre B.o (Ansb. 1838; 2. Aufl., Lpz. 1848).