FeedBernstorff (Andr. Peter, Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Bernstorff (Andr. Peter, Graf von), der Bruwauche des vorigen, der sich als Staatsminister in mancher Beziehung noch größere Verdienste als dieser um den dän. Staat erwarb, geb. 28. Aug. 1735 u Gartow im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, am nach Vollendung seiner Universitätsstudien zu Leipzig und Göttingen und Reisen in England, der wed Frankreich und Italien 1759 in dän. Dienste. Schon war er 1767, zugleich mit seinem Oheim, in den Grafenstand erhoben und 1769 zum Geheimrat ernannt worden, als auch er bei Struensees Eintritt ins Ministerium seine Entlassung ersieg Nach Struensees Fall uf. Er brachte im Dertieg er bald zum Minister auf. Er brachte im Ver trag von Zarskoje-Seld vom 31. Mai 1773 die schon von seinem Oheim begonnenen Unterhandlungen wegen Austauschung des —. en Anteils von Holstein gegen Oldenburg und Delmenhorst sowie die Erneuerung der freundschaftlichen Einnde und zwischen England und Dänemark zu „Stande und bewirkte (9. Juli 1780) den Bund zwischen Dänemark, Rußland und Schweden zum Schutz der bewaffneten Neutralität. Da aber seine An⸗ „sichten mit denen der verwitweten Königin Juliane „und des Ministers Guldberg nicht übereinstimmten so nahm er (Nov. 1780) seine Entlassung; doch wurde er 1784 in seine frühere Stellung zurückberufen. Er unterstützte die Einführung eines neuen Finanzplans, vollbrachte die von seinem Oheim und einigen Gleichgesinnten auf dem Wege der Freiwilligkeit begonnene Befreiung des leibeigenen dän. Bauernstandes (Gesetz vom 20. Juni 1788) und bereitete die Aufhebung der Leibeigenschaft in Schleswig und Holstein vor, die (19. Dez. 1804) nach seinem Tode erfolgte. Auch war er ein standhafter Beschützer der bürgerlichen Freiheit und erklärte sich stets gegen eine Preßfreiheit. Ein eifriger Förderer des innern Wohlstandes Dänemarks, ebenso 30 den Handel wie für die Industrie und den Ackerbau besorgt, verursachte sein Tod 21. Juni 1797 allgemeine Trauer. Vgl. Eggers, „Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Staatsministers von B.v (Kopenh. 1800). ö Bernstorff (Albr., Graf von), preuß. Diplomat und Minister des Auswärtigen, geb. 22. März 1809, stammte aus der Linie Dreylütow-Stintenburg. Er begann seine diplomatische Laufbahn als Attaché der preuß. Gesandtschaft in Hamburg, kam dann in gleicher Eigenschaft nach Petersburg und Paris und wurde 1837 Peo Legationsrat ernannt. Nachdem er 1840 in besonderer Mission nach Neapel, 1842 nach Paris gesandt worden, erfolgte 1845 seine Ernennung zum Gesandten am Hofe in München, wo er gegen die damals übermächtige ultramontane Partei den Charakter der prot. Macht, die er vertrat, kräftig zu wahren wußte, sich aber dabei doch das Vertrauen des Königs Lubwig erwarb. 7 I. 1848 wurde er als Gesandter nach Wien ge idt. Prer war er bemüht, das gute Verhältnis zwischen reußen und Osterreich herzustellen. Nach der Konvention von Olmütz auf Veranlassung des Fürsten Schwarzenberg, dessen Politik er bekämpfte, iinals berufen, vertrat er im Winter 1851—52 Berlin als Mitglieb der Ersten Kammer und schloß sich in derselben der Fraktion Alvensleben an. Als preuß. Gesandter kam er 1852 nach ½ 1857 nach London. Im Okt. 1861 wurde B. Minister des Auswärtigen, und ging, als 1862 das liberale Kabinett zurücktrat, in das konservative Ministerium von der Heydt-Roon über. Er schloß die Handelsverträge mit China und Japan ab, und seiner Thätigkeit war es auch wesentlich zuzuschreiben, daß der Handelsvertrag mit Frankreich zum Abschluß kam. Nach dem Rücktritt des Herrn von der Heydt im Sept. 1862 reichte auch Graf B. seine Entlassung ein und kehrte auf seinen Botschafterposten nach London zurück, wurde Ende 1867 zum Botschafter des Norddeutschen Bundes daselbst ernannt und 1871 in gleicher Eigenschaft für das Deutsche Reich bestätigt. B. Uunr Hor.Ludt 26. März 1873.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 872Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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