FeedBett
TechnikBrockhaus 1882

Bett bezeichnet zunächst jeden zubereiteten Ruhe- oder Lagerplatz, insbesondere aber die mit Polstern Decken u. dgl. versehene Vorrichtung. welche den Menschen er Schlafstätte dient. Das Bestreben, sich für die Ruhe, besonders in der Nacht, bequeme Lagerstätten zu beschaffen, läßt sich wie etwas Selbstverlne unter den alten und neuen Kulturvölkern und selbst bei wilden Völkern nigen Pohn Sehr be-Lagerd und zum Teil mit prächtigen Polstern belegte agerstätten, an der Kopfseite mit hoher Lehne, auf Tierfüßen ruhend, sindet man bereits bei den alten Agyptern, die sich erhöhter Bequemlichkeit halber Kopf Schonung des Haarputzes noch besonderer opfstützen aus Stein oder I* oder Metall bedienten. Das meist hochbeinige Lager bestieg man vermittelst eines hölzernen Trittes. Bevor man sich zur Ruhe legte, pitegte man dasselbe zum Schutz gegen en, 3 mit einem Mückennetze ringsum ab-Asorer en. In ähnlicher Weise versorgten sich die (ssyrer. Das Gestell bestand aus Holz mit auf- oder eingelegten Zieraten von Metall, Elfenbein, Perlmutter u. dgl., der Polsterüberzug aber in bunten, gefärbten und gewirkten assyr.⸗babylonischen Teppichen. Ahnlich waren die Ruhebetten der Meder, Perser und Kleinasiaten. Homer beschreibt das B. des Odysseus als ein herrlich verziertes Rahmenwerk auf vier Füßen, mit Riemen von purpurschimmernder Stierhaut bespannt. lber diese waren Felle gebreitet, darüber kostbare Teppiche nebst einem linnenen Überzug und darüber endlich, als Oberdecke, ein dichter wolliger Mantel. Von den Lagerstätten der Hebräer, die zugleich die Stelle der B. ge mein B. e es Spr. Sal. 7, 16 u. 17: Ich habe mein B. schön geschmückt mit bunten Teppichen aus Agypten. 860 habe mein Lager mit Myrrhen, Aloes und Cynnamen besprengt.» Auch Kopf⸗ und Rückenpolster kamen zur Anwendung. Alle diese Vorrichtungen dienten bei den genannten Völkern natürlich nur den Reichen; die weniger Bemittelten mußten sich wohl auf einfachere Weise behelfen. Dies gilt auch für die Griechen und Römer bezüglich desselben Luxus. Bei jenen findet man auf einem aus Holz oder auch Metall Gronze) verfertigten, gemeiniglich verzierten Gestell ein mit Gurten bespanntes Rahmenwerk, darauf eine Art von Matratze, in älterer Zeit mit vegetabilischen Stoffen (Heu, Seegras u. dgl.), später vorzugsweise mit Wollflocken oder Znnen gefüllt. Ihr Überzug war entweder von Linnen oder von Leder. Die Rissen erhielten, namentlich als Kopfkissen (nur ausnahmsweise war am Kopf⸗ und ebenso am Fußende des Gestells eine Lehne apacherrich zumeist eine runde, als Rückenpolster vorherr 2 eine viereckige Form. Zu ihren Bezügen und so tal u den Teppichbehängen wählte man gern orientali ch emusterte Stoffe. Völlig ähnlich erscheinen die . der Römer, nur daß sie in Rücksicht auf die verschiedenen Zwecke in der Form, namentlich den Lehnen, und in der 509 des Gestells einzelne Abänderungen zeigen. an unterschied das Schlafbett (lectus cubicularis) vom Ehebett (ectus genialis) und ferner das eigentliche Krankenlager, das niedrige scimpodium, und das Paradebett des Toten (lectus funebris) von dem bei üumtch. zeit hauptsächlich benutzten kostbaren lectus tricliniaris. Die Gestelle sowohl wie die Polsterstoffe wiesen bei den Römern in den Zeiten der höchsten Macht die größte Prachtentfaltung auf. Die nordischen Völker fanden in den ältesten Zeiten die nächtliche Ruhe auf Tierfellen oder einer Streu. Die spätern B. der Gallier und Franken glichen den spätrömischen mit ihrem Gestell von Holz oder Metall und den nötigen Unterpolstern un Decken, und ebenso sind die des frühern und spätern Mittelalters von ganz verwandter Art. Das Bettgestell ist meist sehr her steht auf künstlich gedrehten und mit bunten Farben, oft mit Gold und Silber verzierten Stollen; das Rückenbrett wird oft durch zierliche Pfosten mit Querstangen ersetzt und die niedrigen Seitenbretter lassen das meiste der darin der wohl erst im spätern Mittelalter entstandenen und bisjetzt vorhandenen Himmelbetten, scheinen an den ältern Bettgestellen nicht befestigt gewesen zu sein. Allmählich werden die Stollen kleiner und die Seitenbretter größer, sodaß ein kastenartiges Bettgestell oder eine „Bettlades entsteht. Sie massiver und weniger verziert; das Deckbett, welches im ganzen Mittelalter kein schweres Federbett, sondern nur eine leichte Decke ist, verhängt in der Regel dieselbe bis zu den Füßen. z 16. Jahrh. werden im GEanien zumal in vornehmen ½ die mit Schnitzwerk verzierten Bettgestelle wieder häufiger, weil man in dieser Zeit die Holzschnitzlunst mit besonderer Vorliebe pflegte und sowohl zur Verzierung des äußern Hauses, wie auch der Täfelung und des Hausgeräts anwandte. Alle verschiedenen Formen der mittelalterlichen Bettgestelle haben nun das Hohe und Kolossale gemein, sodaß die Bettstücke darin aufgetürmt werden konnten und der Ruhende oft mehr darin saß als lag. Erste Unterlage war das Pflumit oder Federbett, an dessen Stelle aber auch wohl bloß Stroh eingelegt wurde. Das Hauptstück darüber war der Kulter (lat. culcitra, frz. coultre), eine stark gepolsterte Matratze, mitunter auch eine leichtere Steppdecke. Auf diesen legte man das Leilachen, die linde Wat (Linteno), das Bettlaken. Den Kopf stützte man durch das kleine zierliche Wangeküssend und das letzte Stück war das Deckelachenv, eine leichte Decke von «Pfellel» (Baumwollzeug, Seide, Pelzwerk oder mit Pelzwerk verbrämter Seide). S were Federbetten als Decke erfand erst die Weichlichkeit des 18. Jahrh. In Skandinavien bildete das Nachtlager der Armern meist nur eine Streu oder ein mit Heu und Gras angefüllter Ledersack, welcher umfangreich ai war, um den darin Schlafenden bis zum alse zu verhüllen. Die begüterten Stände hingegen kammern mit wohl eingerichteten B. Diese, gewöhnlich zweischläferig und häufig von beträchtlicher Größe, bestanden aus einer hölzernen Bettstatt und, da diese hochbeinig war, aus einem davor angebrachten Tritt. Die Betteinlagen waren im ganzen ähnlich den deutsch-mittelalterlichen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 915Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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