FeedBilsenkraut
PflanzenreichBrockhaus 1882

Bilsenkraut, Hyoscyamus L., eine aus lauter b en Kräutern bestehende Pflanzengattung aus Charakter dieser Gattung ist die in dem Kelchrohr Teil deckelartig ringsherum abspringt. Ihre Fächer enthalten viele Samen. Die Blüten, welche einen röhrigen, fünfzähnigen Kelch und eine trichterförmige Blumenkrone haben, stehen in den Achseln grüner Deckblätter alle nach einer Seite gewendet und bilden deshalb beblätterte Ahren. Die verbreitetste und in Deutschland einzige Art ist H. niger L., das gemeine oder schwarze B., auch Rasenwurz, Zigeunerkraut, Schlafkraut, Teufelswurz genannt, eine ein⸗ oder zweijährige, auf Schutt, in Dörfern an Hecken, Mauern und auf fettem, bebautem Boden zerstreut vorkommende Pflanze, mit etwas fetten, tiefbuchtig gezähnten Blättern, welche nebst dem Stengel mit weichen, weißen, gegliederten, klebrigen Haaren bedeckt sind, und schmutzig gelbweißen, violett-netzaderigen und am Schlunde ganz violetten Blumenkronen. Das frische Kraut hat einen widrigen, betäubenden Geruch und faden, etwas bittern Geschmack und ist, wie auch die Wurzeln und die Samen, sehr giftig. Letztere können namentlich Kindern ndar werden, da diese gern mit den büchsenartigen Kapseln spielen und die Samen eine entfernte Ahnlichkeit mit Mohnkörnern haben. Das Kraut ist als Folia (Herba) Hyoseyami, der Samen als Semen Hyoscyami offizinell. Der Träger des narkotisch wirkenden Giftes, dessen Genuß Kopfschmerz, Schwindel, Erbrechen, Erweiterung der Pupille mit Dunkelsehen, Muskelschwäche, Schlafsucht und Delirien verursacht und den Tod herbeiführen kann, ist ein Alkaloid, Hyoseyamin genannt, welches in der Pflanze wahrscheinlich mit Apfelsäure verbunden vorkommt und in sternförmig gruppierten, seidenglänzenden Krystallnadeln dargestellt werden kann. Alle Salze dieses Alkaloids sind überaus giftig. In der Medizin werden diese Salze sowie das Kraut und die daraus hergestellten Präparate (Bilsenkrautextrakt, Salbe, Pflaster und Ol) als schmerz⸗ und krampfstillende Mittel bei Magenkrampf, Gesichtsschmerz, Zahnschmerzen, Keuchhusten, schmerzenden Geschwülsten und Geschwüren, Unterleibsentzündungen u. s. w. äußerlich (in Form von Einreibungen und Umschlägen) und innerlich vielfach benutzt. Zwei dem „. 48 zen B. nahe verwandte Arten, H. albus L., das weiße, und H. aureus L., das goldgelbe B., beide in Südeuropa wachsend und dort anstatt des schwarzen B. mit gleichem Erfolg zu denselben Heilzwecken verwendet, findet man nicht selten als Sommerzier⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 61Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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