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ErdkundeBrockhaus 1882

Blaubeere, s. Heidelbeere und Vaceinium. „Blaubeuren, Oberamtsstadt im württemb. Donaukreise und Sitz eines Amtsgerichts, an der Untern Donaubahn (Ulm-Sigmaringen), 19 km westlich von Ulm, am Ursprunge der Blau in einem engen, tiefen, wildromantischen, mit grotesken Felsen gekrönten Thale der Schwäbischen Alp in 514 eilwerf gelegen, ziemlich regelmäßig gebaut und teilweise noch mit Mauern umgeben, zählt (1880) 2571 (2391 prot., 180 kath.) C., welche, außer Feldbau, ausgedehnter Dßbkerfa und Kleingewerben, Leinweberei, Zündhölzerfabrik, Eisenhammer, Tuchfabrikation, Rotgerberei, viele Mühlwerke sowie bedeutende Cementwerke und eine berühmte Bleiche unterhalten und lebhaften Leinwand⸗, Tuch⸗ und Zeughandel treiben. Die Stadt besitzt eine Latein- und eine Realschule sowie ein evang.⸗theol. Seminar (seit 1818), letzteres in dem ehemaligen Benediktinerkloster B., welches, 1095 von drei Brüdern aus der Familie der nachmaligen Pfalzgrafen von Tübingen gestiftet, in seinem ersten bte Azelin (gest. 1101) einen der gelehrtesten Männer seiner Zeit aufzuweisen hatte a886 als sich 1562 die Reformation auch auf B. ausdehnte, der vom Herzog Christoph gegründeten Kloster chule überwiesen wurde. Unter den großen Bauli keiten des Klosters, welche einen schönen rünen, mit Bäumen bepflanzten Platz umschlieen, ist beachtenswert die 1465—96 in Kreuzesform erbaute prächtige Kirche durch die im Chor befindlichen herrlichen Schnihwerke des ulmer Künstlers Georg Sürlin, namentlich Chorstühle und Levitenstuhl, sowie den 1496 vollendeten Flügelaltar, bedeckt mit Schnitzwerken und Gemälden edelsten Stils, erstere von G. Sürlin, letztere von Barth. Zeitblom und seinen Schülern. Die Stadtkirche enthält G. Helthi einen vortrefflichen Flügelaltar teils von „Zeitblom (Flügel), teils von Altdorfer (Mittelbild). B. wurde 1447 mit den Festen Rück, Gerhausen und Blauenstein, nebst der Wurttenbent von den Grafen von Helfenstein an Württemberg verkauft. Hinter dem Klostergebäude, am Fuße eines steilen Abhangs der Alp, entspringt die Blau im sog. Blautopfe, einem trichterförmigen Rete sin von 20 m Tiefe, tiefblau mit solcher Mächtigkeit, daß sie schon nach wenigen Schritten einige Mühlen „treibt. Sie mündet bei Ulm in die Donau. l. Baur, «Das Kloster zu B.» (Blaubeuren 1877). BPlaublindheit, s. unter Farbenblindheit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 146Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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