FeedBlutkuchen
NaturlehreBrockhaus 1882

Blutkuchen, s. unter Blut. Kalium-Eisencyanür, blausaures isenoxydul-Kali, Kalium ferrocyanatum, Kali borussicum), Formel: Salz, welches entsteht, indem Cyankalium, Eisen und Wasser au amauder wirken, nach der Gleichung: Seine Darstellung zerfällt demgemäß in zwei Abschnitte, die Darstellung des Cyankaliums und dessen Umwandlung in Ferrocyankalium. Ersteres erhält man, indem man in geschmolzenes kohlensaures Kali stickstoffhaltige organische Substanzen, wie Horn, Hufe, wollene Lumpen, Flechsen, getrocknetes Fleisch gefallener Tiere u. s. w., einträgt, wobei eine Zersetzung der organischen Substanz und Bildung von Cyankalium stattfindet. Zweckmäßig fügt man dabei zugleich Eisen in Form von Feil⸗, Dreh⸗ und Bohrspänen oder als sonstige Abfälle zu. Das Eisen beteiligt sich zwar nicht unmittelbar an der Hauptreaktion, sondern hat den Zweck, die Einwirkung von gleichzeitig pe ubzudem Schwefelkalium auf die Schmelzgefäße abzuschwächen. Die Apparate, in denen man die Bildung des Cyankaliums vornimmt, sind entweder binnförmige eiserne Schmelzgefäße, welche vom Feuer rings umgeben sind 0 beistehende Fig. )), oder flache eiserne, in einen Flammofen eingelassene Schalen (s. Fig. 2). Letztere haben jene fast vollständig verdrängt, da sie Mach Aufwand an Brennmaterial erfordern. ach dem Anheizen des Ofens bringt man 100 Teile möglichst reiner, von schweselfaurem Kali soweit wie thunlich befreiter Pottasche zum Schmelzen, fügt 8—10 Teile Eisen zu und trägt, wenn alles in glühendem Fluß ist, die unmittelbar vorher scharf + noch warme organische Substanz in leinen Anteilen nach und nach ein, wobei man für möglichste Verstärkung der Hitze und innige Berührung der Schmelze ne Renge 5 Umrühren Sorge trägt. . obige Menge von Pottasche sind 100 —120 Teile organische Substanz I rechnen. Bei jedesmaligem Zusatz bricht eine lebhafte Flamme aus dem Sr hervor, man wartet das Erlöschen derselben ab, um dann neue Men⸗ —. von Substanz einzutragen, die Rieh in die chmelze einzuarbeiten sind. Schließlich, wenn das Ganze ruhig geschmolzen ist, schöpft man die Schmelze mit eisernen Löffeln aus, gießt sie in flache eiserne Kasten und läßt sie hierin erstarren. Der Ofen wird sofort von neuem beschickt. Die erkaltete Masse wird in Stücke zerschlagen, mit warmem Wasser übergossen und 24 Stunden bei einer Temperatur von 60 —80 C. erhalten; das sich lösende Cyankalium wirkt dabei auf das vorhandene Eisen und geht in Ferrocyankalium über, während ein unlöslicher kohliger Rückstand verbleibt, von dem die Lösung durch Filtration getrennt wird. Die Lösung wird verdampft, bis eine Probe beim Erkalten Krystallbildung zeigt, worauf sie in eiserne Behälter zum Krystallisieren abgelassen wird. Hier scheidet sich zunächst ein noch unreines Salz ab. Die davon getrennte Mutterlauge gibt nach dem weitern Verdampfen eine zweite Krystallisation, die dabei fallende Mutterlauge besteht vorwiegend aus kohlensaurem Kali, sie wird zur Trockne verdampft (Blausalz) und der nächsten Schmelze statt eines entsprechenden Teils Pottasche zugefügt. Die rohen Salze sind uach Umkrystallisation zu reinigen. Man hat vielfa versucht, andere Verfahrungsweisen zur Darstellung des Cyankaliums anzuwenden, und ist dabei namentlich bemüht gewesen, den Stickstoff der Luft zur Cyanbildung den Stardpnr So interessant vom wissenschaftlichen Standpunkt diese Versuche gewesen sind, so haben sie doch bislang zu keinem technisch verwertbaren Resultat geführt. Das krystallisierte B. bildet schöne, große, citrongelbe Quadratoktakder, deren Kanten und Ecken meist abgestumpft sind. Löslich in 4 Teilen kaltem Wasser, bei Siedhitze in , Teil Wasser; verliert bei 100 -110˙ sein Krystallwasser, wird dabei weiß, schmilzt bei schwacher Rotglut unter sen, Rohie wobei Cyankalium entsteht, während Eisen, Kohle und Stickstoff abgeschieden werden. B. dient zur Darstellung blauer Farben (Berlinerblau), zum Blaufärben und ist das Rohmaterial zur Darstellung von reinem Cyankalium und Ferridcyankalium, außerdem hat man es zum Härten des Eisens und zur Bereitung einer explodierenden Mischung, weißes Schießpulver (B., chlorsaures Kali und Rohrzucker), verwandt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 212Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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