FeedBodeuerschöpfung
NaturlehreBrockhaus 1882

Bodeuerschöpfung nennt man den Zustand eines der Hervorbringung von Nutzpflanzen gewidmeten Bodens, in welchem derselbe durch wiederholte Ernten derjenigen mineralischen Pflanzennährstoffe beraubt worden ist, die notwendig sind zu einem nutzbringenden Wachstum der Pflanzen. Die wichtigsten unter den genannten Nährstoffen im Boden (s. d.) sind das Kali und die Phosphorsäure. Gerade diese aber finden sich in den meisten Bodenarten gegenüber den andern Nährstoffen in der geringsten Menge, während sie durch die Ernten an Körnern, Wurzeln und Knollen, Obst, Früchten und Blattfutter in beträchtlichen Mengen konsumiert werden. Ist aber der Vorrat an diesen Stoffen in löslicher Form einmal erschöpft, so ist eine natürliche Restitution derselben erst in einem sehr langen Zeitraume möglich, und zwar teils mittels der Jafubr setzten Verwitterung, teils durch eventuelle Zufuhr von außen unter ud alp der ad Atmosphärilien. Währenddessen wird also der Boden alle jene Pflanzen nicht zu voller Entwickelung gelangen lassen, welche jener Stoffe zu anoder bedürfen. Der Landwirt drückt diesen Zustand der Erschöpfung mit dem Beiworte amüder aus und sagt: «der Acker ist körnermüde, rübenmüde, kleemüdey. Es ist dabei nicht zu übersehen, daß die wichtigen Pflanzennährstoffe tets im Zusammenhange wirken, ein jeder trägt zur vermehrten Assimilationsfähigkeit des andern im Boden durch die Pflanzen das Seinige bei, sodaß bei der Zufuhr eines einzigen keineswegs nur der ihm entsprechende Bestandteil der Nutzgewächse in rößerer Menge produziert wird. Wenn daher dem cker und seinen Beständen stets nur ein und derselbe Nährstoff zugeführt wird, so müssen folgerichtig durch dessen Einwirkung nach und nach auch alle andern aufgezehrt werden und der Acker wird unfruchtbar, d. h. er besitzt nicht mehr alle diejenigen Mineralstoffe, aus welchen sich der Pflanzenkörper aufbaut. Dieser Zustand dauert so lange, bis entweder Zufuhr (Düngung) oder erneuerte Löslichmachung eines bisher unlöslichen Vorrats von Mineralien im Boden einen hinreichenden Fonds nutzbarer Pflanzennährstoffe als Ersatz geschaffen haben. Da es nun keine Bodenart gibt, welche einen wirklich unerschöpflichen Reichtum an Nährstoffen besäße, so ist es die wirtschaftliche Aufgabe der Kultur, einer Erschöpfung derselben durch Wiedergabe vorzubeugen, und zwar mit Rücksicht auf den Gewinn in der Weise, daß dem Acker die ihm in der wertvollern Form der Ernten entzogenen Stoffe in einer minder wertvollen Gestalt wiederum einverleibt werden und zwar in einer den überschuß bedingenden Menge. Auf der richtigen Anwendung dieses zuerst von Liebig klar und unwiderlegbar aufgestellten Gesetzes der Wechselwirkung zwischen B. und Ersatz beruht zum größten Teile der Erfolg des landwirtschaftlichen Betriebes. Der Ersatz wird gewährt teils mittels der Düngerproduktion des betreffenden Gutes selbst, teils, weil diese in den seltensten Fällen ausreicht, durch von außen bezogene Hilfsdüngestoffe; so zum Ersatze der Phosphorsäure durch das Knochenmehl und die Phosphoritmehle, des Kali durch Holzasche und Kalisalze. Als besonders wertvoller Ersatzstoff empfiehlt sich der städtische Grubendünger (menschliche Auswürfe), der in der seit Jahrtausenden bestehenden Hochkultur der ostasischen Länder einzig das stetige Gleichgewicht zwischen Erschöpfung und Ersatz vermittelt. Letzteres hat man zu einer besondern Disciplin, der Statik des Ackerbaues, erheben zu sollen und auf mathem. Wege feststellen zu können Lanwmp dies ist jedoch ein Irrtum, das statische Moment der Bodenkultur fußt allein auf den Lehren der Chemie. Vgl. Kraupner fangp.BI zur Berechnung der Bodenkraftdem Boden durch die Ernten aHerheut Pflanzennahrungo (Lpz. 1867); Komers, Der heutige Standpunkt der Bodenerschöpfungsfrager (Prag 1868); Knop, «Kreislauf des Stoffso (Lpz. 1868); Heuser, Drechsler, «Die Statik des Landbaues (Gött. 1869); Mandelblüh, «Tabellen zur Berechnung der B.n E. Ausg., Berlin 1872); J. von Liebig, Die Shemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologier (9. Aufl. durch Zöller, Braunschw. 1876); A. Mayer, „Lehrbuch der Agrikulturchemies (2. Aufl. 2 Bde., Heidelb. 1370).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 231Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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