FeedBoleslaw
GeschichteBrockhaus 1882

Boleslaw, der Name von fünf Herzögen und Königen von Polen aus dem piastischen Hause. B. I. Chrobry, d. i. der Tapfere, Sohn Mieczyslaws I. (s. d.), 992—1025, war der Begründer des Polnischen Reichs. Er vereinigte fast alle nordwestlichen slaw. Länder unter seine Ru, Scht eroberte Danzig und Pomerellen, Krakau, lesien und Mähren, drang im Osten bis Kiew vor und brachte Rotrußland in seinen Besitz. So reichten die Gren⸗ — seines Reichs angeblich von der Saale bis zum njepr, von der Donau bis zur Ostsee. J. 1000 empfing B. den feierlichen 2 Gl des Kaisers Otto III. in Gnesen, bei welcher Gelegenheit das dortige poln. Erzbistum ine wurde. Nach dem Tode Ottos III., der in B. einen Bundesgenossen des Deutsch-Römischen Reichs gehabt hatte, siel dieser in die Ostmarken Deutschlands ein und nur mit Mühe gelang es Kaiser Heinrich II. in mehrern uane 1005, 1012 und 1015, die Angriffe abzuchlagen; er mußte im Frieden zu Bautzen 1018 die ausitz an B. als Lehn überlassen. Sehr viel trug B. zur Verbreitung und Befestigung des 2e Disr tums in Polen bei. Er gründete mehrere! i8tümer und setzte sich 1024 die ihm von der Geistlichkeit dargebotene Königskrone auf. B. II. Smialy, d. i. der Kühne, 1058—80, Sohn Kasimirs I., erlangte durch Einmischung in die böhm. und ungar. Thronstreitigkeiten und durch einen Zug nach Rußland, auf dem er das inzwischen verloren gegangene Kiew auf kurze Zeit wiedergewann, so großes Ansehen, daß er sich 1076 die Königskrone aufsetzte. Als er aber den mit der Geistlichkeit verbundenen Adel beschränken wollte, und durch Grausamkeit und Laster die Gemüter —— sich aufbrachte, geriet er mit dem Bischof von rakau, Stanislaw, in Zwist und B. ermordete denselben 1079 am Altare. Gebannt und aus seinem Reiche vertrieben, starb er 1081 in einem Kloster in Kärnten. B. III. Schiefmund (1102—39), war ein heldenmütiger Fürst. Sein Halbbruder Zbignjew, mit dem er sich nach des Vaters, Wladislaws I., Bestimmung in die poln. Lande teilte, veranlaßte nicht nur innere Zwistigkeiten, sondern wiegelte auch die Pommern nördlich der Netze, die Böhmen und Russen gegen B. auf; dieser bestand aber die Kämpfe mit denselben meist siegreich. Durch Berufung des Bischofs Otto von Bamberg gelang es ihm, die heidnischen Pommern zum Christentum zu bekehren. Mit Erfolg kämpfte er auch in Schlesien gegen den Deutschen Kaiser Heinrich V., welcher die innern Wirren Böhmens zur Ausbreitung seiner Macht zu benutzen suchte, und besiegte ihn angeblich bei Hundsfeld unweit Breslau. Jedoch zur Zeit Lothars erschien 1134 B. in Merseburg, um dem Kaiser in Bezug auf Pommern den Vasalleneid zu leisten. Er teilte sein Reich unter seine vier Söhne. B.IV. Kraushaar (1146—73), Sohn des vorigen, erhielt zwar nur Masovien und Kuiawien, er vertrieb aber seinen zum Regenten des Landes eingesetzten ältesten Bruder Wladislaw II. und eignete sich selbst das Primat zu. Vergeblich suchte darauf Kaiser Friedrich I., zu dem Wladislaw geflohen war, auf einem Kriegszuge nach Polen diesen wieder einzusetzen, doch mußte B. die Oberhoheit des Kaisers anerkennen. B. V., der ½ 1 1226, war bei dem Tode seines Vaters Leszek II. noch ein Kind und stand unter Vormundschaft, um die sich Heinrich der Bärtige mit andern Verwandten stritt. an die . rende innere Kämpfe, Einfälle der Tataren, die B. zur Flucht aus dem Lande zwangen, veranlaßte unter ihm den gänzlichen Verfall der fürstlichen Gewalt, die Loslösung Schlesiens von Polen und die Machtentfaltung des Adels und der Geistlichkeit. B. starb 1279.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 280Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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