FeedBon-Compagni
GeschichteBrockhaus 1882

Bon-Compagni (Carlo) oder Buoncomagni, ital. Staatsmann, eb. 25. Juli 1804 in urin, besuchte daselbst das Collegio del Carmine und später die Universität, wurde 1830 Armenadvokats-Eubstitut in Chambery, 1833 Fiskal in Pallanza, 1834 Substitut des Generalanwalts in Turin und arbeitete 1837 mit seinem Freunde Camillo Cavour in der Statistischen Kommission; 1845 ward er Senator (Appellationsgerichtsrat). B. ist der Gründer der Kinderbewahranstalten in Turin und machte sich um die Hebung des Volksunterrichts sehr verdient. Dieser Zeit gehört sein Saggio di lezione per Pinfanzia an. Seit 1834 war B. auch als Journalist thätig und schrieb eine »Storia della letteratura Cristiana degli undici primi secolis und sein Hauptwerk, die Introduzione alla Scienza del Dirittop (Lugano 1848). Auch beteiligte er sich an den iemontes. «Annali di giurisprudenzap. B. ist der erfasser des königl. Patents vom 1. Aug. 1845 über die Organisation der Volksschulen. Alfieri, der damals dem Unterrichtswesen vorstand, berief ihn zu seinem Hilfsarbeiter, und als Karl Albert eine Verfassung gab, übertrug er B. das Portefeuille des Unterrichts. Ihm verdankte das Land das organische Schulgeseß vom 4. Okt. 1848, das den höhern Unterrichtsrat sowie Provinzialschulräte einführte, die Universitäten in Fakultäten ordnete, die Schulen von den Gemeinden frei machte und die Oberaufsicht in die Hand Einer Behörde legte; ihm verdankt es ferner die Verdrängung der Jesuitenkollegien durch die Nationalkollegien. Jedoch trat er Ende 1848 von seinem Posten zurück, da er in der Frage des polit. Vereinswesens mit der Kammermajorität dissentierte. Nach der Niederlage von Novara unterhandelten B. und Dabormida im Auftrage des Ministeriums Alfieri über derhamden, den er darauf als Berichterstatter in der Kammer vertrat. Im J. 1852 trat er als Justizminister in das Ministerium Azeglio ein, das ein neues Ehegesetz einbrachte, welches die Mängel der dem hellte Chegesetze und des franz. Systems beseitigen sollte. Darüber kam es zum Konflikt mit Rom. B. rief in einem Memoire, in welchem er an die Prinzipien von 1789 erinnerte, die Vermittelung Frankreichs an, indem er die Notwendigkeit der Reformen nachwies. Doch scheiterte das Gesetz am Widerstand des Senats. Als das Ministerium Azeglio demissionierte, trat B. 1853 in das Ministerium Cavour über und wurde hierauf Kammerpräsident, welche Stelle er bis 1857 bekleidete. Sodann ging er als Gesandter nach Florenz, wo er auch nach dem Frieden von Villafranca als königl. Kommissar thätig war und unter der Regentschaft des Prinzen von Carignano die Geschäfte leitete. Nach der Annexion des Kirchenstaats veröffentlichte er als einfacher Ab-Im Dahan die Schrift: „Sulla potenza temporale el Papav. Später wurde er Professor des Staatsrechts in Turin. Im Okt. 1870 berief ihn Viktor Emanuel an die Spitze der Kommission zur Beratung der Garantien der geistlichen Herrschaft des Papstes. Im J. 1874 wurde er Senator des Königreichs. Er starb 15. Dez. 1880 in Turin. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 311Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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