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ReligionBrockhaus 1882

Bonifacius VIII. (Benedict 53. vens Papst vom 24. Dez. 1294 bis 11. Okt. 1303, versuchte in verschiedenen Wirren die Grundsätze Gregors VII. . d.) zur Anwendung zu bringen, aber die Zeiten waren andere geworden, und so beginnt mit ihm der Niedergang der ½ Weltherrschaft. Dem alten Geschlechte der Gaẽtani * Anagni entstammend, war B. wegen seiner Kenntnis des Rechts und Gewandtheit in Geschäften bereits von mehrern Päpsten in einflußreichen Amtern und Sendungen verwertet, ehe er nach der Abdankung des von +1. völlig beherrschten Cölestin V. selbst den päpstlichen Stuhl bestieg. Seinen Vorgänger setzte er — en, die mächtige Familie der Colonna, welche Cölestins Abdankung für unzulässig erklärte, überzog er mit Krieg, konfiszierte ihre Güter und zerstörte ihre Stadt Palestrina. Wenig erfolgreich war seine Einmischung in die Händel der ital. Städte und Fürsten. Venedig und Genua wiesen seine Friedensvermittelungen ab (1295), in Sicilien mußte er trotz Bannstrahl und Kriegs-Ara den frei gewählten König Friedrich II. von ragonien anerkennen (1303), in Toscana bemühte er sich vergeblich, dem erbitterten Kampfe der Schwarzen und der Weißen ein Ende zu machen. Nicht glücklicher war B. in auswärtigen Streitigkeiten. Von Erich VIII. von Dänemark forderte er vergeblich die Restitution des unter Anklage der Verschwörung gefangen gesetzten Erzbischofs von Lund (1295); den Ungarn versuchte er vergebens den Enkel der Königin Maria von Sicilien, Karl Robert, als König 55 oktroyieren (1300); vergebens verbot er Wenzel II. von Böhmen, die Krone Polens anzunehmen (1300); vergebens lud er Eduard I. von England wegen der Eroberung Schottlands als Antastung eines päpstl. Lehns vor seinen Richterstuhl (1299). Von Erfolg war nur seine Einmischung in die Angelegenheiten Deutschlands, wo Albrecht von sterreich durch vollständige Darangabe aller kaiserl. Rechte die päpstl. Anerkennung erkaufte (1303). Von den weittragendsten Folgen war der langjährige Konflikt mit Frankreich. Als der Klerus von Frankreich und England sich beschwerte über die zum Zweck der Kriegführung von Philipp IV. dem Schönen und Eduard I. ihm auferlegten Steuern, bedrohte B. in der Bulle Clericis Jaicos vom 25. Febr. 1296 alle Fürsten, welche ohne Einwilligung des Papstes die Geistlichen besteuern, mit dem Bann. Eduard J. gab nach, Philtvv IV. dagegen erließ als Antwort ein Verbot jeder Ausfuhr edler Metalle. Jetzt mußte B. nachgeben. Im J. 1298 konnte er freilich, von beiden Fürsten darum gebeten, die Rolle eines Schiedsrichters spielen; als aber die Entscheidung Philipp nicht behagte, blieb sie unausgeführt. Eine zweite Bulle, worin B. jeden für einen Ketzer erklärte, welcher nicht glaube, daß der König dem Papste wie in geistlichen, so in weltlichen Dingen unterworfen sei, wurde von Philipp damit beantwortet, daß er jeden für einen Narren erklärte, der seine Herrscherrechte in Frankreich bezweifle. Der vom Papst nach Rom berufenen Kirchenversammlung der franz. Prälaten setzte Philipp eine Versammlung von Deputierten der Barone, Prälaten und Städte entgegen, welche dem Papst erklärten, daß sie in weltlichen Dingen nächst Gott nur dem Könige unterworfen seien, der seine Gewalt von niemand zu Lehn trage. Vergeblich suchte B. in der berüchtigten Bulle Unam sanctam vom 18. Nov. 1302 die Gregorianischen Grundsätze von der päpstl. Universalmonarchie zu erneuern, und sprach, da Philipp, von den Ständen seines Reichs unterstützt, standhaften Widerstand leistete, 13. April 1303 über letztern Bann und Absetzung aus. Philipp dagegen beschuldigte B. der Doppelzüngigkeit, der Simonie, des Eindrängens in sein Amt, der Ketzerei, Unkeuschheit und appellierte an ein allgemeines Konzil und an den künftigen Papst. Durch die einmütige Zustimmung Frankreichs zu weitern Schritten ermutigt, schickte Philipp den rechtsgelehrten Wilhelm Rogaret nach Italien, um sich der Person des Papstes zu b. erbauder und ihn nach Lyon zu führen. Nogaret, verbündet mit Sciarra Colonna, überfiel B. zu Anagni und hielt —„ zwei Tage 7⁷ Dann befreiten ihn die Anagnaner und kehrte nach Rom zurück. Aus Furcht, vergiftet zu werden, hatte er während seiner n haft nicht die geringste Nahrung genossen und sich dadurch ein Fieber zugezogen, das ihn einen Monat nachher, 11. Okt. 1303, dahinraffte. Das Urteil der Zeitgenossen über ihn faßte sich in den Worten zusammen: eschlich sich ein wie ein Fuchs, herrschte wie ein Löwe und sar wie ein Hundo. Dante weist ihm, als einem Simonisten, einen Platz in der Hölle zwischen Nikolaus III. und Clemens V. an. Die meisten der gegen B. erhobenen Anklagen haben sich indes als unbegründet erwiesen. Übrigens war B. einer der ersten Päpste, welche das namentlich im 14. Rahrb ausgebildete röm. Erpressungssystem in Ubung brachten; auch kam er durch die Erfindung des se. Ral (s. d.) der bedrängten 357 Kasse zu Hilfe. Vgl. Drumann, «Geschichte 5 VIII.v(2 Tle., Königsb. 1852); Wattenbach, „Geschichte des röm. Papsttumsv (Berl. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 314Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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