FeedBonifacius
ReligionBrockhaus 1882

Bonifacius, der Heilige, der Apostel der Deutschen, geb. um 680 zu Kirton bei Exeter im südwestl. England, aus edelm angelsächs. Geschlecht, Nach in der Taufe den Namen Winfried erhalten. achdem er 13 1* in dem Kloster von Exeter elebt, trat er in das E¹½¹ von Nutcell, wo er hetorik, Geschichte und Theologie lehrte. In seinem 30. Jahre 4½ er die Priesterweihe. Ums Jahr 715 verließ B. die Heimat, um den Friesen das Christentum predigen, aber Kriegsunruhen Auteel ihn zur tückkehr. Obgleich zum Abt von gutcell gewählt, zog B. schon 718 nach Rom, wo Gregor II. ihn beauftragte, ganz Deutschland das Christentum in röm. Form zu verkündigen. Aber bei den Christen in Thüringen und Franken stieß die röm. Lehre auf solchen Widerstand, daß B. sich —1 wieder den heidnischen Friesen zuwandte. m J. 723 weihte ihn Gregor II. zum Bischof, nachdem er ein schriftliches Glaubensbekenntnis cab ihnt und den Huldigungseid geleistet hatte, und gab ihm Empfehlungsbriefe an Karl Martell fowie an alle Fürsten 2½½½ So ausgerüstet entfaltete B. ser 724 eine großartige Thätigkeit in der Christianisierung und zugleich Romanisierung Thüringens und Hessens. Im J. 732 überschickte ihm Gregor III. das Pallium und ernannte ihn zum Erzbischof und Primas von ganz Deutschland, mit der Vollmacht, allenthalben, wo er es für zweckmäßig halten würde, Bistümer zu errichten. Bei einer dritten Reise nach Rom, welche er 748 unternahm, wurde B. vom Glanst zum Legaten des Heiligen Stuhls in Deutschland ernannt. Neben dem bereits be 3h dtel Bistum Passau errichtete er in Bayern noch die bischöfl. Sitze zu Freisingen und Regensburg, für Thüringen das Bistum zu Erfurt, . Hessen das zu Büraburg, das nachher u Wari erborn verlegt wurde, für 916 un das zu burg und sel die Oberpfalz das zu Eichstätt. In Salzbur tellte er 739 den vom heil. Rupertus zu Anfang des 8. Jahrh. errichteten bischöfl. Sitz wieder her. Als erzbischöfl. Sitz erhielt er Mainz von Pipin angewiesen, den er 752 in Soissons zum König der Le weihte. Er hielt in Deutschland fünf Kirchenversammlungen, auf denen es ihm gelang, die deutsche und fränk. Kirche den röm. Ordnungen, besonders der päpstl. Oberhoheit zu unter-R und von den altbrit. Elementen zu reinigen. Nach Stiftung der Abtei Fulda unternahm er 754 eine neue Reise zur Bekehrung der Friesen, auf welcher er bei Dockum 5. Juni 755 von einem bewaffneten Haufen überfallen und nebst seinen Begleitern erschlagen ward. Seinen Leichnam brachte man nach Utrecht, später nach Mainz und zuletzt nach Fulda. Noch werden in der Abtei daselbst eine von ihm gefertigte Abschrift der Evangelien und ein mit seinem Blute gefärbtes Blatt gezeigt. Seine Epistolaes hat am vollständigsten Würdtwein (Mainz 1789) und Jaffé (im 3. Bde. der Bibliotheca rerum germanicarumo, Berl. 1866), seine „Opera omnia Giles (2 Bde., Oxford 1845) herausgegeben. Da, wo B. 724 die erste christl. Kirche im nördl. Deutschland erbaut haben soll, im 75⁷ringerwalde bei dem Dorfe Altenberga (s. d.), isti hm 1811 ein Denkmal errichtet worden; im Aug. 1842 auch eins in Fulda, welches vom Prof. Henschel in Kassel gearbeitet ist. Vgl. Willibald, Vita sancti Bonifatiis (abgedruckt im 2. Bde. der «Monumenta Germaniae historica; neue Ausg. von Wiiz Berl. 1866; ins Deutsche Übersetzt von Bonnell, Berl. 1856); Löffler, B. oder Feier des Andenkens an die erste christl. Kirche in Thüringen⸗ (Gotha 1812); Rettberg, Kirchengeschichte Deutschlandso (Bd. 1 u. 2, Gött. 1845 47); Seiters, „B., der Apostel der Deutschen o (Mainz 1845); Muller, „B. Eene kerkhistorische studies (2. Bd., Anisterd. 1869—70); Werner, B., Apostel der Deutschen, und die Romanisierungen von Mitteleuropa (Lpz. 1875); Fischer, Bonifatius v (Lpz. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 314Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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