Bonifacins IX. (Peter Tomacelli), Papst von 1389—1404, ward als Nachfolger des % tischen Papstes Urban VI. (s. d.) gewählt. Alle Bemühungen zur Beseitigung des Schisma, sei es durch allgemeine Anerkennung des B. nach dem Tode des Gegenpapstes Clemens VII. (s. d.), sei es durch Abdankung beider, blieben erfolglos. In den ital. Wirren gelang es ihm, trotz der Anstrengungen Frankreichs die Krone von Neapel dem jungen Ladislaus von Polen zu verschaffen. Die Römer zwang er zu völligem Verzicht auf ihre republikanischen Freiheiten, indem er nach zweimaliger Vertreibung, 1391 und 1394, nur unter dieser Bedingung in die Rückkehr willigte. In den deutschen Wirren lieh er (1400) seine Unterstützung ur Absetzung König Wenzels, ohne jedoch von essen Nachfolger Ruprecht von der Pfalz eine kräftigere Begünstigung seiner Interessen zu erhalten. Um die Kosten eines glänzenden Hofhalts, großartiger Bauten, z. B. der Engelsburg und des Capitols, maßloser Bereicherung habsüchtiger Verwandten und kostspieliger Kriege zu decken, trieb B. mit großer Schamlosigkeit den Handel mit kirchlichen Amtern und Pfründen, erhob (1392) die Annaten (s. d.) zu einer regelmäßigen Steuer und beutete den schmutzigen Handel mit Dispensationen und Jubiläums-Ablässen in ärgster Weise aus. Er starb 1. Okt. 1404. Vgl. über ihn: Gregorovius, „Geschichte der Stadt Rom im Mittelaltero (Bd. 6, 2. Aufl., Stuttg. 1871).