FeedClemens V. (Bertrand d'Agoust)
ReligionBrockhaus 1882

Clemens V. (Bertrand d'Agoust), Papst von 1305 bis 1314, ein geborener Franzose, seit 1295 Bischof von Comminges und seit 1299 Erzbischof von Bordeaux, galt anfangs als Anhänger Bonifacius' VIII. und Gegner Philipps des Schönen von Frankreich, verkaufte sich aber ganz an dessen Interesse, um nur Papst zu werden. Am 5. Juni 1305 gewählt, kam er gar nicht nach Italien, sondern verlegte 1309 die päpstl. Residenz nach Avignon (s. d.). Einem geheimen Vertrage gemäß sprach er den König von Frankreich und seine Diener vom Banne los, den Bonifaz VIII. über * verhängt hatte, erklärte die Strafbullen des letztern gallichen Zehnt für ungültig, gab dem König den geistlichen Zehnten in Frankreich auf fünf Jahre und machte die Günstlinge desselben zu Kardinälen; dagegen vereitelte er den Plan Philipps, seinem Bruder Karl von Valois die deutsche Krone aufzusetzen. Von Philipp gedrängt, hob er durch eine Bulle vom 6. Mai 1312 den Templerorden auf. Von dem König Robert von Neapel, der von dem Papste das Land zu Lehn trug, unterstützt, demütigte er 1313 Venedig, das er wegen Besitznahme von Ferrara 1309 mit dem Bann und weltlicher Acht belegt hatte. Als Kaiser Heinrich VII. auf seinem Römerzuge 1311 die kaiserl. Rechte ausprach und dem König Robert Neapel streitig machte, nahm C. seinen Vasallen durch drohende Bullen in Schutz und exkommunizierte die Bundesgenossen des Kaisers. Nach dem Tode Heinrichs VII. (1313) ernannte er den König Robert 1314 zum röm. Senator und Reichsverweser in Italien; er starb mitten in seinen Plänen zur Unterjochung Italiens 20. April 1314 zu 3 Leuetl in Languedoc. Simonie, Habsucht und Unzucht herrschten an seinem Hofe. Die auf seine Anordnung zusammengestellten, die Reform des Klerus bezweckenden Kirchengesetze sind unter dem Namen Clementinen (s. d.) bekannt. Vgl. Wenk, «C. V. und Heinrich VII. (Halle 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 448Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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